2024.03.23 – 04.09 Mexiko
Mexiko zum zweiten, Teil 4
Bernal
Wir erreichen einen ziemlich verschlafenen Ort, der seinen weltweiten Ruhm einem einzigen Giganten verdankt: dem Peña de Bernal. Dieser Monolith gilt als einer der grösseren seiner Art weltweit. Dem Berg werden magische Kräfte nachgesagt – er soll denjenigen, die ihn besuchen, ein langes Leben verleihen und sie mit neuer Energie erfüllen.
Besonders am Wochenende erwacht das Dorf zum Leben. Zahlreiche Menschen nehmen weite Wege auf sich, um hier ihre „Batterien“ aufzuladen und die besondere Schwingung des Berges zu spüren. Wir haben Glück und finden einen idealen Stellplatz: Direkt unterhalb des Berges können wir auf einem Parkplatz für 100 Pesos pro Nacht stehen.
Den steilen Aufstieg auf den Gipfel überlassen wir heute lieber den Enthusiasten. Wir geniessen stattdessen die entspannte Atmosphäre im Dorf, spazieren gemütlich umher und lassen den Anblick des gewaltigen Felsens aus der Ferne auf uns wirken. Auch von unten ist die Präsenz dieses „magischen Berges“ absolut beeindruckend.
Mirador de Cristal
Bevor wir uns tiefer in die Berge wagen, machen wir einen Halt beim Mirador de Cristal im Campestre Pinal. Wir fahren fast bis zur Aussichtsplattform vor und geniessen den Moment, als wir über dem Abgrund stehen. Der gläserne Boden ist nichts für schwache Nerven, aber die fantastische Aussicht über die zerklüfteten Gipfel der Sierra Gorda ist jede Sekunde wert. Es ist der perfekte Ort, um die Dimensionen dieser gewaltigen Gebirgslandschaft zum ersten Mal richtig zu begreifen.
Danach geht es weiter auf der MEX 120. Was für eine Strecke! Die Strasse schlängelt sich durch die Sierra Gorda und bietet hinter jeder Biegung neue, fantastische Aussichtspunkte. Die Landschaft wechselt ständig ihr Gesicht – von kargen Felsformationen bis hin zu immer grüner werdenden Wäldern.
Cascada El Chuveje
Unser Ziel ist die Cascada El Chuveje. Hier haben wir das grosse Glück, auf dem Privatgrundstück von Gabriele und seiner Frau für zwei Tage stehen zu dürfen. Die Wanderung zum Wasserfall führt uns etwa eine Stunde lang durch einen dichten, verwunschen wirkenden Wald.
Obwohl der Fluss aufgrund der aktuellen Trockenheit nur wenig Wasser führt, ist die Atmosphäre magisch. Zwischen den riesigen Bäumen und dem sanften Plätschern kommt es uns hier vor wie in einem kleinen, versteckten Paradies. Die Ruhe und die kühle Waldluft sind eine wunderbare Abwechslung.
San Felipe Orizatlán
Um den Feiertagstrubel zu umgehen, verabreden wir uns mit Susanne und Klaus von @timetotravel_ks. Sie haben einen vermeintlich ruhigen Platz an einem kleinen Fluss entdeckt – der ideale Ort, um uns für die Osterfeiertage zurückzuziehen. So erreichen wir ein weitere Bundesstaat in Mexiko, San Luis Potosi……
Während tagsüber einige Familien zum Fluss kommen, um sich abzukühlen, gehören uns die Abende fast allein. Unsere einzigen dauerhaften Nachbarn sind eine Vielzahl von Vögeln und ein Chor aus Fröschen, der uns in den Schlaf quakt.
Die Umgebung hier ist einfach herrlich. Wir sind umgeben von unzähligen Orangenplantagen, aber auch wild gewachsenen Bäumen. Auf unseren Wanderungen können wir die wohlschmeckenden Früchte direkt vom Baum ernten – frischer geht es nicht! Begleitet werden unsere Ausflüge von einer phänomenalen Aussicht über die weite, hügelige Landschaft.
Pünktlich zu Ostern klettert das Thermometer unaufhaltsam nach oben und kratzt an der 40-Grad-Marke. Bei dieser Hitze sind wir mehr als dankbar für unseren Standort: Das herrliche, kühle Wasser des Flusses ist unsere Rettung. Es gibt kaum etwas Schöneres, als bei diesen Temperaturen einfach ins kühle Nass abzutauchen und die Seele baumeln zu lassen.
An einem anderen Tag unternehmen wir eine Wanderung direkt am Fluss entlang. Da wir uns in der Trockenzeit befinden, führt das Bett nur sehr wenig Wasser, was uns ermöglicht, Stellen zu erkunden, die sonst unzugänglich wären.
In den Ästen einiger Bäume entdecken wir dabei etwas ganz Besonderes: längliche, herabhängende Nestformen, die wie kleine Kunstwerke in der Luft baumeln. Nach genauerem Hinsehen stellen sie sich als die Nester der faszinierenden Oropendolas (Montezuma-Stirnvögel) heraus.
Diese Vögel sind wahre Meisterarchitekten und flechten ihre Behausungen mit unglaublicher Präzision. Zu diesem Zeitpunkt waren die Nester jedoch leer – die Bewohner waren wahrscheinlich gerade auf Nahrungssuche ausgeflogen oder die Brutsaison war bereits vorbei. Es ist dennoch beeindruckend, diese filigranen Konstruktionen so nah betrachten zu können.
Huitzacháhuatl
Wir finden einen weiteren herrlichen Platz in der Nähe von Huitzacháhuatl. Direkt am Fluss liegt ein Centro Recreativo, ein Ort, den auch die Einheimischen sichtlich schätzen. Viele kommen mit ihren Zelten hierher, um für ein paar Tage die Seele baumeln zu lassen und die Natur zu geniessen.
Der Flussabschnitt hier ist fast wie ein natürliches Planschbecken angelegt. Besonders charmant sind die rustikalen Bänke und kleinen Tische, die direkt aus Baumstämmen gefertigt wurden. Man kann dort bequem sein Essen oder kühle Getränke abstellen, während man die Füsse ins Wasser hält.
Allerdings hat das Badevergnügen einen kleinen Haken: Eine richtige Erfrischung bleibt aus. Das Wasser ist nur etwa 50 cm tief und hat sich durch die Sonne fast auf Lufttemperatur aufgeheizt. Es ist eher ein lauwarmes entspannen als ein kühler Sprung ins Nass.
Während wir im seichten Wasser sitzen, können wir das typische Landleben beobachten. Ein Stück weiter flussabwärts werden Rinder zum Tränken an das Ufer geführt – ein friedlicher Anblick, der perfekt zu der entspannten Stimmung an diesem Ort passt. Es sind genau diese Momente, die das Reisen in Mexiko so besonders machen.
El Tajín
Heute steht ein kulturelles Highlight auf unserem Programm: der Besuch der präkolumbischen Ruinenstadt El Tajín. Bis vor etwa 800 Jahren war dies die pulsierende Hauptstadt der Totonaken. Das beeindruckendste Bauwerk der Anlage ist zweifellos die Nischenpyramide. Sie ist mit genau 365 Nischen verziert – eine symbolische Zahl, die verdeutlicht, wie tief das astronomische Wissen dieser Kultur bereits verwurzelt war.
Besonders bekannt ist El Tajín auch für seine zehn Ballspielplätze. Hier traten Mannschaften gegeneinander an, um einen schweren Kautschukball durch einen hochgelegenen Steinring zu befördern. Die Geschichte dahinter ist jedoch alles andere als ein Spiel im heutigen Sinne: Es wird angenommen, dass im Anschluss entweder der Verlierer oder der Gewinner rituell geköpft wurde. Was für uns heute grausam klingt, galt damals als eine der höchsten Ehren.
Obwohl die Anlage bereits 1785 entdeckt wurde, ist bis heute erst etwa ein Viertel der gesamten Stadt ausgegraben. Man kann nur erahnen, welche Schätze noch unter dem dichten Dschungel verborgen liegen.
Ein weiteres Highlight unseres Besuchs ist der Danza de los Voladores, ein uraltes Fruchtbarkeitsritual. Vier Männer in prächtiger Festbekleidung erklimmen einen hohen Stamm und symbolisieren die vier Winde. Ein fünfter Mann obenauf repräsentiert die Sonne. Während er Trommel und Flöte spielt, lassen sich die vier „Winde“ an Seilen herab und drehen sich dabei exakt 13 Mal um den Stamm, bevor sie sicher auf der Erde landen. Ein wahrhaft magisches Schauspiel!
Espinal
Wir haben uns für einen ganz besonderen Tag einen ebenso besonderen Ort gesucht: Wir stehen am Rio Tecolutla in Espinal. Das Wasser hier ist wunderbar sauber, lauwarm und lädt förmlich dazu ein, den halben Tag darin zu verbringen. Es ist die perfekte Kulisse für das Naturereignis des Jahres.
Heute ist der 8. April 2024 – der Tag der grossen Sonnenfinsternis. Wir sitzen am Ufer und beobachten gespannt, wie sich der Mond vor die Sonne schiebt. Es ist ein faszinierendes Spektakel, das Licht verändert sich auf eine fast unwirkliche Weise, und die Natur um uns herum wird für einen Moment ganz still. Diesen Moment vom Ufer eines mexikanischen Flusses aus zu erleben, ist ein Privileg, das wir so schnell nicht vergessen werden.
Nachdem die Sonne wieder voll erstrahlt, lassen wir den Tag gemütlich ausklingen. Am Lagerfeuer wird gegrillt, und der Duft von frischem Essen mischt sich mit der warmen Abendluft. In der ruhigen Atmosphäre am Fluss geniessen wir unseren Abend und spielen eine ausgiebige Runde Mexican Train. Es ist einer dieser perfekten Reisetage, an denen Naturwunder und gemütliches Beisammensein Hand in Hand gehen.
Xicotepec
Wir folgen der PUE105 durch die malerische Berglandschaft, bis wir bei Xicotepec schliesslich auf die MEX130 einmünden. Hoch über der Stadt thront unser heutiges Ziel: die Aussichtsplattform Majestuosa Cruz Celestial. Auf einer stolzen Höhe von 1511 m ü. M. ragt ein monumentales, gläsernes Kreuz in den Himmel, das schon von weitem sichtbar ist.
Vom Parkplatz aus beginnt die eigentliche Herausforderung. Es führen etwa 750 Treppenstufen steil hinauf zur Plattform. Es ist ein Aufstieg, der die Waden brennen lässt, aber mit jeder Stufe wird der Blick über die Sierra Norte de Puebla spektakulärer.
Oben angekommen, wird man für jede Anstrengung belohnt: Die Aussicht ist schlichtweg phantastisch. Man blickt weit über die grünen Täler und die Dächer des „Pueblo Mágico“ Xicotepec. Das Kreuz selbst mit seinen Glasböden vermittelt ein Gefühl, als würde man direkt über dem Abgrund schweben. Ein wahrhaft majestätischer Ort, der seinem Namen alle Ehre macht.
El Tinajal
Gemeinsam mit Susanne und Klaus haben wir einen Ort gefunden, der sich fast wie ein Geheimnis anfühlt: den Parque Ecoturístico El Tinajal. Wir stehen hier zwischen markanten Felsen, dichtem Wald und unter einem endlos weiten Himmel. Der Park strahlt eine unaufgeregte Ruhe aus – fast so, als würde er sich selbst genug sein und keine Bestätigung von aussen brauchen.
Was dem Park ein ganz eigenes, fast exotisches Flair verleiht, sind die Bäume, von denen auch hier die langen, kunstvoll geflochtenen Nester der Oropendolas (Montezuma-Stirnvögel) herabhängen. Diese hängenden Konstruktionen wiegen sich sanft im Wind und sind ein ständiger Hinweis darauf, dass wir hier in einem lebendigen Ökosystem zu Gast sind.
Heute haben wir uns die Wanderschuhe geschnürt. Der Weg zum Mirador Navajas zieht sich langsam und stetig durch die Landschaft. Auf der Strecke haben wir insgesamt 349 Höhenmeter überwunden, bis wir schliesslich auf 2750 m ü. M. standen.
Oben angekommen, gibt es keine Menschenmassen, keinen Lärm – nur den Wind, die Rufe der Vögel und diesen stillen, grünen Fleck Erde. Es ist ein Moment des reinen Innehaltens, weit weg vom Trubel der Welt.










































































































































































