2026.09.15 – 10.06 Kolumbien
Kolumbien Teil 5
Medellin – Scania
Heute geht ein wahrer Werkstatt-Marathon zu Ende.
Der Ölkühler ist nach genau zwei Wochen eingetroffen und wird sogleich eingebaut.
Doch das zweite Problem besteht weiterhin: Der Motor wird bei Fahrten bergauf nach wie vor zu warm. Der Austausch des Thermostats bringt leider keine grosse Besserung, obwohl dieser bei 80 °C öffnet. Nun kommt der Verdacht auf den Kühler selbst auf. Dieser soll zusammen mit dem Ladeluftkühler komplett gereinigt und auf eventuelle Lecks überprüft werden.
Beim Ausbau wird auch gleich der Ventilator samt Viscokupplung untersucht. Dabei zeigt sich, dass die Verbindung gerissen ist – nicht mehr reparabel, also muss ersetzt werden. Zum Glück lässt sich für unser Modell tatsächlich ein neuer Lüfter in Kolumbien auftreiben, sodass uns ein weiterer zeitraubender Import erspart bleibt.
Nach dem Einbau zeigt die nächste Probefahrt bereits eine deutliche Besserung. Um ganz sicherzugehen, werden anschliessend noch die Wasserpumpe und ein Temperatursensor getauscht.
Die darauffolgende Probefahrt bringt endlich das erhoffte Ergebnis: Der Motor erreicht maximal 90 °C und kühlt danach relativ schnell wieder auf 75 °C ab.
Das Team von Scania Medellín – allen voran David als Koordinator und Yeferson als Top-Mechaniker – hat unermüdlich sein Bestes gegeben und uns auch in dieser schwierigen Situation fantastisch unterstützt.
Nach fünf langen Wochen sind wir überglücklich, jetzt endlich wieder komplett in den Reisemodus umschalten zu können.
Medellin – Poblado
NACHTRAG
Wir sind in den ganzen fünf Wochen natürlich nicht nur in der Garage geblieben. Ein kleiner Rückblick zeigt, wie viel wir in dieser Zeit trotz allem erlebt haben.
Wir machen Ausflüge nach Santa Fé de Antioquia und nach Jardín. In Rionegro holen wir unsere neu gefüllten SodaStream-Flaschen ab. Während der Tage in Medellín übernachten wir in insgesamt fünf verschiedenen Hotels im Viertel El Poblado. Wir besuchen die berühmte Comuna 13, schlendern über die Plaza Botero, erkunden das riesige Einkaufszentrum Santafé und besuchen die Buchmesse im Botanischen Garten. Ausserdem treffen wir den ungarischen Reiseblogger Ádám, fahren mit der bekannten Metro von Medellín.
Absolvieren unzählige Uber-Fahrten hin und her zwischen den Hotels und der Scania-Werkstatt.
Guatapé – Piedra del Peñol
Wir verlassen endlich die Werkstatt und nehmen Kurs auf Guatapé. Im Supermarkt Jumbo in Rionegro füllen wir unsere Vorräte auf – die Qualität der Produkte ist riesig, für kolumbianische Verhältnisse allerdings auch eher teuer.
In Guatapé steuern wir einen Parkplatz (6.234155, -75.156247) unter der Brücke an, der vor einiger Zeit auf iOverlander noch als kostenlos beschrieben war. Eigentlich sollen wir hier mittlerweile 25’000 COP bezahlen, aber nach kurzem Verhandeln einigen wir uns auf 15’000 COP.
Gleich am frühen Morgen fahren wir hoch auf den Parkplatz (6.222897, -75.178619) direkt beim Felsen, wo die ersten zwei Stunden 13’000 COP kosten. Pünktlich um sieben Uhr machen wir uns an den Aufstieg, um die 700 Stufen auf die Spitze des riesigen Monolithen zu erklimmen. Anfangs hält sich das Wetter noch ganz passabel, doch kurz vor dem Ziel ziehen dichte Wolken auf und es beginnt zu nieseln. Keine fünf Minuten später giesst es wie aus Eimern. Laut unserer Wetter-App sollte es eigentlich erst gegen Mittag regnerisch werden.
Die fantastische Aussicht geniessen wir trotzdem – auch ganz ohne Sonnenschein und kilometerweite Sicht.
Beim Runterlaufen überholt uns das Regenwasser neben uns auf der Treppe als ein richtiger Sturzbach. Die Stufen verwandeln sich im Nu in eine kleine Kaskade, sodass wir trotz Regenkleidung klatschnass unten ankommen.
Am Nachmittag beruhigt sich das Wettern und so machen wir mit der Drohne noch einige Aufnahmen.
Guatapé
Die letzte Nacht unter der Brücke war nicht wirklich der Hit. Bis morgens um 3:00 Uhr beschallte irgendwer das gesamte Ufer mit lauter Musik.
Für die nächste Nacht versuchen wir es deshalb auf dem anderen öffentlichen Parkplatz, der allerdings 30’000 COP kostet. Von hier aus marschieren wir direkt ins Zentrum. Alles ist wirklich sehr hübsch gestaltet – extrem touristisch und kitschig, aber genau das macht es schon fast wieder charmant. Hier profitiert gefühlt jeder Einheimische auf irgendeine Weise vom Tourismus und den Besuchern des berühmten Monolithen.
Wir kehren bald wieder zu Bodyduck zurück und verbringen den Rest des Tages im gemütlichen Inneren unseres Lasters.
Auf einen weiteren Tag an diesem Ort verzichten wir dann allerdings…
Chicamocha-Canyon
Über die Hauptverkehrsachse Ruta 45 und durch die Grossstadt Bucaramanga erreichen wir den gewaltigen Chicamocha-Canyon. Unterwegs legen wir eine Zwischenübernachtung auf einem LKW-Parkplatz ein und gönnen uns ein einfaches Abendessen im dazugehörigen Restaurant.
Etwa 50 Kilometer hinter Bucaramanga geht es schlagartig hinein in die Bergwelt. Die endlosen Serpentinen schrauben sich immer weiter in die Höhe und eröffnen atemberaubende Ausblicke. Der Chicamocha-Canyon ist schlichtweg beeindruckend: Mit einer Tiefe von bis zu 2’000 Metern ist diese gigantische Schlucht stellenweise sogar tiefer als der berühmte Grand Canyon in den USA und gilt als eine der grössten und tiefsten Schluchten der Welt.
Die karge, trockene Landschaft und das imposante Panorama, während man sich die steilen Hänge hinaufarbeitet, machen die Fahrt zu einem atemberaubenden Erlebnis.
Barichara
Wir fahren weiter auf der Ruta 45A, der sogenannten «Troncal Central». Unser nächstes Ziel ist Barichara, eine historische Kolonialstadt, die zu Recht als eines der schönsten Dörfer des Landes gilt.
Wir quartieren uns beim holländischen Ehepaar Julia und Joep ein. Ihr Campingplatz ist wunderschön gelegen, komplett nachhaltig aufgebaut und ganz auf Naturbasis gestaltet – einzig die Einfahrt ist für grössere Fahrzeuge wie Bodyduck etwas eng.
Wir machen kleine Wanderungen in der Umgebung, für den Weg nach Barichara nehmen wir allerdings ganz entspannt ein TukTuk.
Barichara gefällt uns vom ersten Moment an richtig gut. Die ruhigen Strassen aus Kopfsteinpflaster und die hübschen, weissen Häuser mit ihren Holzfenstern strahlen eine tolle Gemütlichkeit aus.
Es fühlt sich wirklich an, als wäre die Zeit hier stehen geblieben. Beim Spazieren durch das Dorf geniessen wir ausserdem die atemberaubende Aussicht vom Mirador hinunter ins Tal.
Barichara – Camping Guaimaro
Unser Wassertank ist mittlerweile so stark verschmutzt, dass der Feinfilter unter dem Spültisch innerhalb kürzester Zeit verstopft und kein Wasser mehr durchlässt. Da der Vorfilter beim Einfüllen defekt war, hat sich im Tank über die Zeit leider einiges an Dreck angesammelt.
Zusammen mit Joep starten wir kurzerhand eine gründliche Reinigungsaktion: Der Tank wird komplett gefüllt, mit dreiviertel Litern Clorox (Natriumhypochlorit) versetzt und das Ganze anschliessend für 24 Stunden einwirken gelassen. Da wir das chlorhaltige Wasser nicht direkt in die Natur leiten wollen, bauen wir einen kleinen, provisorischen Teich. Dort kann sich das Chlor nach ein paar Tagen ganz von allein verflüchtigen.
Danach wird der Tank noch zwei Mal gründlich durchgespült – und schon haben wir wieder einen zu 98 % sauberen Wassertank.
Guadalupe – Las Gachas
Wir fahren weiter auf der Ruta 45A und nehmen anschliessend die Abzweigung Richtung Guadalupe. Für die knapp 27 Kilometer brauchen wir über eine Stunde – die Anfahrt über die anstrengende und stellenweise wirklich sehr fragwürdige Strasse verlangt uns einiges ab.
In Guadalupe stellen wir uns bei einem Einwohner auf den Hof, (6.239602, -73.420314), wo wir für 10’000 COP pro Nacht stehen dürfen. Von hier aus sind Las Gachas ideal zu Fuss erreichbar. Der Weg zu diesem Naturspektakel ist wunderschön ausgebaut und führt vorbei an satten, grünen Wiesen mit grasenden Kühen – fast wie in der Schweiz.
Am Ziel erwartet uns ein wirklich beeindruckender Wasserlauf mit natürlichen Becken und Pools. Las Gachas ist bekannt für dieses einzigartige rote Felsbett, in das der Fluss unzählige tiefe, rundliche Löcher gewaschen hat, die wie natürliche Jacuzzis wirken. Da es in der letzten Nacht stundenlang ergiebig geregnet hat, führt der Fluss ordentlich Wasser, was das Ganze nur noch attraktiver macht.
Wir haben es definitiv nicht bereut, die mühsame Anfahrt auf uns genommen zu haben – es hat sich absolut gelohnt!




























































































































