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2022.05.06 – 05.15. Newfoundland and Labrador

Zsolt
Zsolt – 2022.05.06 – 05.15. Newfoundland and Labrador

Newfoundland and Labrador, Teil 1

Schon bei der Abholung unseres Bodyduck im Hafen von Halifax fragt uns ein Mitarbeiter nach unserer geplanten Reiseroute. Als wir erwähnen, dass wir nach Neufundland und Labrador wollen, gerät er sofort ins Schwärmen. Er erzählt uns von der atemberaubenden Landschaft und den besonderen Menschen dort. In Kanada sage man: Wenn dort jemand schlecht gelaunt ist, muss er den Grund dafür im eigenen Spiegel suchen.

Wir hoffen sehr, dass er recht behält, und die Vorfreude wächst mit jeder Seemeile. Nach der knapp siebenstündigen Überfahrt mit der Fähre können wir es kaum noch erwarten, endlich in Port aux Basques anzukommen. Die Erkundung der östlichsten Provinz Kanadas steht nun unmittelbar bevor – wir sind bereit für die Insel!

Marble Mountain

Da wir uns eine neue Bankkarte per DHL nach St. John’s bestellt haben, nutzen wir die erste Zeit auf Neufundland, um zügig auf dem Trans-Canada Highway voranzukommen. Unser Ziel ist eine der ältesten europäischen Siedlungen Nordamerikas. Trotz der längeren Fahrstrecken wählen wir unsere Schlafplätze ganz bewusst so aus, dass wir die Umgebung zu Fuss erkunden und Sehenswürdigkeiten besichtigen können.

Steady Brook Falls

Ein solcher Halt führt uns zum Marble Mountain Ski Resort. Von dort aus unternehmen wir eine kleine Wanderung zu den etwa eine Stunde entfernten Steady Brook Falls. Der Weg lohnt sich: Die gegenüberliegende Holzterrasse bietet einen fantastischen Ausblick auf die herabstürzenden Wassermassen. Es ist ein wunderbarer erster Eindruck von der wilden Natur Neufundlands.

Canyon Park Lookout

In Grand Falls-Windsor finden wir einen spektakulären Schlafplatz am Canyon Park Lookout, direkt an den tosenden Wasserfällen. Wir nutzen die Zeit für einen ausgiebigen, knapp einstündigen Spaziergang auf dem Trail entlang des Exploits River. Die Natur hier ist kraftvoll, und der Fluss erzählt seine ganz eigenen Geschichten aus vergangenen Zeiten.

Das Erbe der Beothuk

Mitten im Fluss entdecken wir einen markanten Felsen, der nach dem Beothuk-Häuptling Nonosabasut benannt wurde. Bei genauerem Hinschauen offenbart der Stein ein faszinierendes Geheimnis: Man erkennt zwei Gesichter. Das linke soll einem Europäer ähneln, während das rechte – auf dem Kopf stehend – das Antlitz eines Beothuk zeigt. Es ist ein bewegender Ort, der uns die komplexe Geschichte zwischen den Ureinwohnern und den europäischen Siedlern vor Augen führt.

Wiedersehen

Unterwegs erfahren wir, dass Monika und Andy mit ihrem „Nelson“ ganz in der Nähe sind. Wir zögern nicht lange, verabreden uns und beschliessen, die Bonavista-Halbinsel gemeinsam zu bereisen. Es ist schön, wieder mit Gleichgesinnten unterwegs zu sein und die Eindrücke dieser rauen Küstenlandschaft zu teilen.

Cable John Cove

Zu dieser Jahreszeit treiben eiszeitliche Giganten mit der Meeresströmung entlang der Ostküste langsam südwärts. Von Einheimischen erfahren wir, dass ganz in der Nähe ein riesiger Eisberg gesichtet wurde. Diese weissen Kolosse entstanden vor über 12’000 Jahren und haben die Zeit bis in die Gegenwart überdauert – ein Gedanke, der uns Ehrfurcht einflösst.

Voller Aufregung machen wir uns auf den Weg zur Cable John Cove. Dort angekommen, bewundern wir mit grösster Begeisterung diese majestätische Naturschönheit. Den Eisberg so nah vor der Küste im tiefblauen Wasser zu sehen, ist ein unvergesslicher Moment und eines der absoluten Highlights unserer Reise auf Neufundland..

Sandy Cove

In Elliston bietet sich uns eine seltene Gelegenheit: Wir können Papageitaucher – auch Puffins genannt – vom Festland aus beim Nestbau und Eierlegen beobachten. Wir parkieren unseren Bodyduck an der Sandy Cove. Nach einem nur kurzen Spaziergang erreichen wir die zerklüftete Küste, die einen Logenplatz auf die Natur bietet.

Auf den vorgelagerten Felsenklippen können wir die Kolonie aus nächster Nähe bestaunen. Es ist faszinierend zu sehen, wie die kleinen Vögel mit ihren bunten Schnäbeln geschäftig hin und her fliegen und sich um ihre Nistplätze kümmern. Diese unmittelbare Nähe zu einer so besonderen Vogelart macht diesen Halt an der Küste Neufundlands zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Trinity

Trinity ist ein wunderschönes kleines Fischerdorf in der Trinity Bay, das Anfang Mai noch sehr verschlafen wirkt. Da fast alle touristischen Einrichtungen noch geschlossen sind, haben wir das Glück, den grossen Parkplatz vor dem Visitor Center ganz für uns allein zu haben. Diese Ruhe ermöglicht es uns, die Atmosphäre des historischen Ortes ganz unverfälscht aufzusaugen.

Gun Hill Trail

Um die Gegend von oben zu erkunden, folgen wir dem Gun Hill Trail, der uns auf den höchsten Aussichtspunkt der Umgebung führt. Von dort oben geniessen wir einen wunderbaren Panoramablick auf die markanten Klippen von Skerwink, den Fort Point Lighthouse und das ruhige Wasser des Trinity Harbour. Es ist der perfekte Ort, um die Weite der Küstenlandschaft einmal so richtig auf sich wirken zu lassen.

Cape Spear

Unsere Wege trennen sich vorerst: Monika und Andy fahren mit ihrem „Nelson“ Richtung Gros Morne, während wir unsere Reise nach St. John’s fortsetzen. Da wir unsere neue Bankkarte erst in zwei Tagen abholen können, nutzen wir die gewonnene Zeit, um die Umgebung der Inselhauptstadt zu erkunden. Unser erster Weg führt uns zum Cape Spear – dem östlichsten Punkt Kanadas und ganz Nordamerikas. Es ist ein überwältigendes Gefühl: Wenn man hier nach Westen blickt, liegt das gesamte riesige Land vor sich.

Dieser Ort war nicht immer nur ein friedliches Ausflugsziel; im Zweiten Weltkrieg diente Cape Spear als wichtiger strategischer Stützpunkt. Bemannte Geschützbatterien sicherten von hier aus die Zufahrt zum Hafen von St. John’s. Wir spazieren um den historischen Leuchtturm und folgen dem Holzweg hinunter zum Ufer. Dort lassen wir uns von den gewaltigen Wellen des Atlantiks verzaubern, die mit unbändiger Kraft gegen die felsige Küste branden.

Quidi Vidi

St. John’s, die Provinzhauptstadt von Neufundland und Labrador, liegt malerisch an der Südostküste auf der Halbinsel Avalon. Wir finden einen idealen Platz am Quidi Vidi Lake, von dem aus sowohl die Downtown als auch Wanderwege gut zu Fuss erreichbar sind. Unsere Entdeckungstour führt uns zuerst auf den Signal Hill zum Cabot Tower, einer ehemaligen Befestigungsanlage. Besonders spannend ist der Burma Road Trail: Er führt direkt an der Quidi Vidi Brewery vorbei. Hier lassen wir es uns nicht entnehmen, das berühmte „Iceberg Beer“ zu probieren, das tatsächlich aus echtem Eisbergwasser gebraut wird.

Weiter geht es über den Ladies Lookout und nach zahlreichen Treppenstufen am North Head Lookout vorbei. Vom Cabot Tower aus geniessen wir eine grossartige Aussicht auf den geschäftigen Hafen. Wir hatten nicht damit gerechnet, mitten in einer Stadt eine so abwechslungsreiche Wanderung zu finden! Das Stadtbild selbst ist geprägt von englischen und irischen Einflüssen – eine charmante Mischung aus modernen Bürogebäuden, historischen Geschäften und unzähligen bunten Wohnhäusern. Wegen dieser Farbenpracht und der tollen Stimmung geben wir ihr kurzerhand den Namen „Stadt der Fröhlichkeit“.

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