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2022.04. – 05. Nova Scotia

Zsolt
Zsolt – 2022.04. – 05. Nova Scotia

Nova Scotia

Halifax

Bereits in der Schweiz nehmen wir Kontakt zu Andy und Monika auf, die mit ihrem „Nelson“ – einem Bucher Duro – ebenfalls die Panamericana bereisen wollen. Sie sind bereits in Halifax, als wir ankommen. Über Instagram lernen wir zudem Yanik und Sandra kennen, ein junges, aufgestelltes Paar mit einem selbst ausgebauten Mitsubishi. Wir treffen uns alle in einem Pub und tauschen unsere Pläne, Sorgen und Erfahrungen aus. Die Hoffnung ist bei allen gleich: Unsere Fahrzeuge sollen heil ankommen!

Hauptstadt von Nova Scotia

Halifax beherbergt mit über 400.000 Einwohnern rund 60 % der Gesamtbevölkerung der Halbinsel. Die Stadt ist vielleicht nicht spektakulär, bietet aber dennoch einige Sehenswürdigkeiten. Besonders markant ist die Zitadelle, die mitten in der Stadt auf einem Hügel thront.

Downtown und Hafenflair

In der Downtown laden traditionelle Bierbrauereien, Pubs und Restaurants zum Verweilen ein. Ein Spaziergang an der Hafenpromenade gehört ebenso dazu wie ein Besuch im Point Pleasant Park am östlichen Zipfel der Stadt – ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Besucher gleichermassen.

Die letzte Geduldsprobe vor dem Hafen

Das Warten will kein Ende nehmen. Da sich die Ankunftszeit des Schiffes ein weiteres Mal verschiebt, müssen wir uns eine neue Airbnb-Unterkunft suchen. Dieses Mal wählen wir eine Wohnung in der Nähe des Containerhafens, um näher am Geschehen zu sein. Nach Ostern ist es endlich so weit: Das Schiff ist da! Doch die Geduld wird erneut geprüft, da es einen ganzen Tag auf offenem Meer warten muss, bis es in den Hafen einfahren darf. Die Aufregung steigt: Kann der Abholtermin am 21. April wirklich eingehalten werden?

Reibungslose Übernahme und grosse Erleichterung

Am Vortag gibt uns Kim von Mathers Logistics glücklicherweise grünes Licht. Wir treffen sie um 8:00 Uhr im Comfort Hotel Bayer’s Lake, wo sie uns die vorbereiteten Zollpapiere übergibt. Damit fahren wir direkt zum Zollbüro. Dort werden nur ein paar Fragen gestellt und die Fahrzeugpapiere überprüft – nach nur zehn Minuten sind alle Formalitäten erledigt!

Nach weiteren 20 Minuten Fahrt erreichen wir den Hafen. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin prüfen wir den äusseren Zustand des Fahrzeugs; der Inhalt interessiert auch hier niemanden. Alles sieht gut aus! Mit einer Unterschrift ist alles bestätigt, und bereits um 9:30 Uhr stehen wir mit unserem Bodyduck auf dem Parkplatz vor dem Hafenareal. Wir können es im ersten Moment kaum glauben, dass am Ende alles so einfach und reibungslos geklappt hat.

Grosseinkauf und Gasflasche

Zuerst müssen wir unseren Proviant auffüllen. Im Bayer’s Lake Business Park besuchen wir Walmart, sind jedoch von der Qualität der Frischprodukte nicht besonders überzeugt. Im Atlantic Superstore direkt daneben sieht es deutlich besser aus. Eine passende Gasflasche für unsere Outdoorküche finden wir bei Canadian Tire. So langsam füllen sich die Vorräte für die ersten Kilometer auf kanadischem Boden.

Die Suche nach dem kostbaren Nass

Unseren Wassertank aufzufüllen, stellt sich hingegen als schwierige Aufgabe heraus. An Tankstellen erhält man kein Wasser, und viele Campingplätze in der Umgebung sind zu dieser Jahreszeit noch geschlossen. Ein echter Glückstreffer gelingt Andy und Monika: Sie entdecken in Sackville den Campingplatz „Halifax West KOA“. Obwohl dieser erst Mitte Mai offiziell die Saison eröffnet, erlaubt man uns freundlicherweise, die Wassertanks zu füllen und dort die Nacht zu verbringen.

Peggy’s Cove

Knapp eine Stunde von Halifax entfernt liegt Peggy’s Cove mit seinem berühmten Leuchtturm. Wir können bestätigen: Es ist der wohl schönste und meistfotografierte Leuchtturm der Region. Der Ort ist einfach malerisch. Egal in welche Richtung man blickt, das Panorama ist überwältigend und wirkt wie aus einem Bilderbuch entsprungen. Ein absolutes Muss für jeden Besucher in Nova Scotia.

Swissair Memorial Site

Ganz in der Nähe begegnen wir jedoch auch einem traurigen Kapitel der Zeitgeschichte. Die Swissair Memorial Site erinnert an den Absturz von Swissair-Flug 111 am 2. September 1998. Keiner der 229 Menschen an Bord überlebte dieses Unglück. Es ist ein sehr bewegender Ort, der uns in innehalten lässt, während wir auf den Atlantik hinausschauen.

Auf dem Weg nach Lunenburg fahren wir an zahlreichen Buchten vorbei, unter anderem am beliebten Mahone Beach. Das Reisen im Frühling hat seine Vor- und Nachteile: In vielen Nationalparks, Museen und Restaurants beginnt die Saison erst Ende Mai. Das Wetter ist noch recht kühl, weshalb unsere Standheizung jeden Morgen treue Dienste leistet.

Lunenburg

Ein grosser Vorteil ist jedoch die Ruhe. Wir können alles entspannt besichtigen und finden immer leere Parkplätze. In Lunenburg, der ältesten deutschen Siedlung in Kanada, spazieren wir fast allein durch die Strassen zwischen den idyllischen, farbigen Häusern. Es fällt uns auf, wie reisefreudig die Kanadier sein müssen: Fast bei jedem Haus steht ein Wohnwagen, der oft grösser wirkt als das Wohnhaus selbst.

Am Hafen befindet sich das „Fisheries Museum of the Atlantic“, das leider ebenfalls noch geschlossen ist. Lunenburg ist zudem der Heimathafen der „Bluenose II“. Sie ist der originalgetreue Nachbau des berühmten Zweimast-Schoners „Bluenose“ von 1921, der einst in der Werft von Smith & Rhuland gebaut wurde. Die maritime Geschichte ist hier an jeder Ecke spürbar.

Bay of Fundy

Zwischen Nova Scotia und New Brunswick liegt die Meeresbucht Bay of Fundy, die für die stärksten Gezeiten der Welt bekannt ist. Der Tidenhub beträgt durchschnittlich etwa 13 Meter; bei Springflut oder Stürmen kann der Wasserpegel sogar um bis zu 21 Meter steigen. Dieses beeindruckende Naturschauspiel wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.

Wenn Flüsse rückwärts fliessen

Wir verbringen eine Nacht beim Visitor Center am Shubenacadie River. Von der alten Brücke aus beobachten wir fasziniert, wie der Wasserpegel deutlich ansteigt und der Fluss plötzlich beginnt, rückwärts zu fliessen. Nach sechs Stunden zieht sich das Wasser ebenso spektakulär wieder zurück.

Die Region ist zudem ein wahres Paradies für Vogelbeobachter. Während unserer Spaziergänge begegnen wir zahlreichen Vogelarten. Ein besonderer Glücksmoment ist die Entdeckung eines Weisskopfadlers, der majestätisch auf einem hohen Baum thront. Die unberührte Natur Kanadas zeigt sich uns hier von ihrer schönsten Seite.

Cap d’Or

Unser Ziel ist der Leuchtturm auf Cap d’Or, von dem aus man eine herrliche Panoramaaussicht auf die Bay of Fundy geniessen kann. Die Anfahrt führt uns an weit verstreuten, kleinen Siedlungen vorbei und durch dicht bewaldete Hügellandschaften. Das letzte Stück stellt eine kleine Herausforderung dar: Eine etwa sechs Kilometer lange Gravelroad führt uns mal steil bergauf, mal wieder bergab direkt an unser Ziel.

Da die Touristensaison auch hier erst im Juni beginnt, ist die gesamte Anlage noch geschlossen. Doch genau das macht den Reiz aus: Wir können diesen grandiosen Blick über die gewaltige Bucht ganz allein für uns geniessen. Die Stille und die Weite an diesem einsamen Kap sind ein unvergessliches Erlebnis auf unserer Reise durch Nova Scotia.

Big Melmerby Beach

Auf unserem Weg Richtung Cabot Trail entdecken wir einen fantastischen Stellplatz am Big Melmerby Beach. Von hier aus unternehmen wir eine Wanderung auf dem Roy’s Island Trail. Der Weg führt uns wie durch einen verwunschenen Märchenwald bis an die Spitze der Halbinsel. Dort angekommen, werden wir mit einer grandiosen Aussicht belohnt, die die Wanderung mehr als wert ist.

Eine unerwartete Begegnung

Irgendwann taucht auf dem Parkplatz ein weiteres Reisefahrzeug auf. Wir trauen unseren Augen kaum, als wir erkennen, dass das Expeditionsmobil aus Ungarn kommt! Wir verbringen einen herrlichen Abend mit Evelin und Ferenc. Die beiden sind grossartige junge Overlander, die bereits die halbe Welt bereist haben. Es ist inspirierend, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, die dieselbe Leidenschaft für das Abenteuer teilen.

Wer mehr über die beiden und ihre Reisen erfahren möchte, kann hier vorbeischauen: Overlandsite.com

Cabot Trail

Das Wetter meint es leider nicht allzu gut mit uns. Wir haben uns so sehr darauf gefreut, den Cabot Trail zu befahren und ausgiebige Wanderungen zu unternehmen. Doch die Realität sieht oft anders aus: Am Skyline Trailhead empfangen uns Minustemperaturen, dichter Nebel und eine geschlossene Schneedecke, was grössere Touren unmöglich macht.

Trotzdem trotzen wir ab und zu den Elementen und wandern bei Kälte, Wind und Regen durch die raue Landschaft. So unternehmen wir bei White Point einen längeren Spaziergang entlang der spektakulären Klippen. Unsere Ausdauer wird schliesslich belohnt: Am nächsten Tag wandern wir auf dem Middle Head Trail bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen Frühlingstemperaturen – ein krasser Gegensatz zum Vortag und ein wahrer Genuss für die Seele.

Fazit Nova Scotia

Wir verlassen Nova Scotia mit unzähligen schönen Eindrücken im Gepäck. Von Sydney aus nehmen wir die Fähre nach Port aux Basques und setzen über nach Neufundland und Labrador. Es ist ein besonderes Gefühl, das Festland hinter sich zu lassen und sich auf den Weg zu dieser geschichtsträchtigen Insel zu machen.

Wir sind rundum glücklich und dankbar für all das, was wir bisher erleben durften. Die ersten Wochen haben uns gezeigt, wie vielfältig dieses Land ist – trotz der Wetterkapriolen. Nun freuen wir uns riesig auf alles, was uns auf Neufundland erwartet. Wir sind bereit für neue Begegnungen und die wilde Natur des Nordens!

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