Durch Polen, Teil 4
Biskupin
Bei Biskupin erstreckt sich ein archäologisches Reservat über eine Fläche von etwa 38 Ha. Hier entdeckt man im Jahr 1933 zahlreiche Spuren alter Siedlungen, die bereits vor mehreren tausend Jahren besiedelt waren und bis ins Mittelalter bewohnt wurden. Durch die detailgetreue Rekonstruktion einer Verteidigungssiedlung aus der Bronze- und Eisenzeit ist hier ein beeindruckendes Freilichtmuseum entstanden.
Nicht nur das informative Museum selbst beeindruckt uns tief, sondern auch die rund 500 km lange Anfahrt. Der Weg führt uns durch die spektakuläre Natur der Masurischen Seenplatte mit ihren tausenden von Seen und tiefen, ursprünglichen Wäldern.
Aufgrund des Saisonendes und der aktuellen Corona-Lage sind wir praktisch die einzigen Besucher des Museums. Da Verkaufsstände und Snackbuden geschlossen sind, können wir die gesamte Anlage ohne jegliches Gedränge in aller Ruhe besichtigen. Ein angenehmer Nebeneffekt: Wir können den normalerweise gebührenpflichtigen Parkplatz für zwei Nächte völlig kostenlos nutzen.
Marienburg
Neben den landschaftlichen Schönheiten Polens ist es immer wieder ein Erlebnis, besondere Bauwerke zu bewundern. Die grösste Backsteinburg der Welt, die Ordensritterburg Marienburg, ist das nächste Ziel unserer Rundreise. Der im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Bau wird seit 1950 kontinuierlich wiederaufgebaut. Seit 1961 ist die Anlage als UNESCO-Welterbe für die Öffentlichkeit zugänglich und beeindruckt Besucher aus aller Welt.
Eines vorab: Für eine Besichtigung der in drei Teile gegliederten Burganlage – Vorburg, Mittelschloss und Hochschloss – sollte man definitiv genug Zeit einplanen. Während wir die Innenhöfe sowie die zahlreichen Säle, Gänge und Waffenräume erkunden, erfahren wir über den Audioguide viel Wissenswertes über die damalige Lebensweise und die beeindruckende Architektur.
In einem der Kellerräume befindet sich eine beachtliche Bernsteinsammlung. Die dortige Ausstellung macht uns mit der Entstehungsgeschichte des Bernsteins und der berühmten Bernsteinstraße vertraut. Es ist faszinierend zu sehen, wie dieses Naturmaterial die Region über Jahrhunderte geprägt hat.
Danzig
Danzig, die prächtige Hansestadt an der Ostsee und eine der schönsten Städte Polens, begeistert uns restlos. Unser Parkplatz liegt ideal direkt im Hafen, sodass wir die Innenstadt in nur wenigen Minuten zu Fuss erreichen. Unser Weg führt uns entlang der Uferpromenade durch das Grüne Tor direkt in Richtung Langer Markt.
Dieser historische Platz beeindruckt mit seinen hoch aufragenden, reich verzierten Bürgerhäusern. Schon seit dem 9. Jahrhundert wird dieser Ort von skandinavischen Seefahrern und Händlern besucht. Bei strahlendem Sonnenschein, aber recht kühlen Temperaturen, wärmen wir uns in der Rechtstadt erst einmal mit einer heißen Schokolade auf und lassen die Atmosphäre auf uns wirken.
In der Nähe der Altstadt besuchen wir die Markthalle, deren farbenfrohes und lebendiges Treiben uns sofort fasziniert. Während man im Inneren des Gebäudes Frischprodukte, Kleidung und sonstige Gebrauchsartikel findet, entfaltet sich die wirklich einmalige Marktatmosphäre auf den Plätzen vor der Halle. Bei der riesigen Auswahl an frischen Früchten und knackigem Gemüse nutzen wir die Gelegenheit und füllen unsere Vorräte im Camper wieder auf.
Später am Abend spazieren wir am stimmungsvoll beleuchteten Ufer entlang. Die Lichter spiegeln sich im Wasser der Mottlau und bilden den perfekten Rahmen, um uns von dieser beeindruckenden Stadt zu verabschieden.
Hel
Wir wollen unbedingt an die Ostsee. Von Danzig aus sind es nur noch wenige Kilometer bis zur 34 km langen Landzunge Hel. Es ist ein spezielles Erlebnis, auf der einzigen Hauptstrasse zu fahren und dabei beidseitig vom Meer begleitet zu werden – fast wie damals in Florida auf dem Weg Richtung Key West. An der Spitze der Halbinsel, die aus der Luft wie eine sandige Sense aussieht, quartieren wir uns ein, um die Gegend zu erkunden.
Unser Weg führt uns durch dichte Wälder bis zu den Dünen der Ostsee. Wir spazieren am Strand entlang, bis wir auf der Seite der Danziger Bucht im Hafen von Hela ankommen. Der militärische Charakter des Gebiets ist unübersehbar: Zahlreiche alte Schützengräben, Geschützstellungen, Schutzbunker und ein Museum erinnern an die heftigen Verteidigungskämpfe im Zweiten Weltkrieg. Nach drei Tagen haben wir genug Eindrücke gesammelt und entscheiden uns, die Reise entlang der Küste Richtung Westen fortzusetzen.
Planänderung durch Corona
Doch Nachricht ändern unser Vorhaben: Über die Medien erreichen uns immer mehr besorgniserregende Meldungen zur Corona-Situation. Als ganz Polen schliesslich zum Risikogebiet erklärt wird, werfen wir unsere Pläne um und schlagen den direkten Weg Richtung Schweiz ein. Es ist sehr schade, da wir gerne noch einige Tage an der Küste verbracht hätten. Zu diesem Zeitpunkt hoffen wir noch darauf, die Wintermonate im sonnigen Süden am Meer geniessen zu können……
Doch da wissen wir noch nicht, dass alles anders kommt…..
Fazit: Unsere Zeit in Polen
Obwohl wir während einer Pandemie unterwegs waren und manche Sehenswürdigkeiten nur eingeschränkt zugänglich oder gar ganz geschlossen blieben, haben wir unseren Aufenthalt in Polen sehr genossen. Die Einheimischen lernten wir als überaus hilfsbereit und gastfreundlich kennen. Es waren diese menschlichen Begegnungen, die unsere Reise besonders bereicherten. Bei den abwechslungsreichen und einzigartigen Landschaften kamen Naturliebhaber voll auf ihre Kosten. Gleichzeitig erzählten zahlreiche Burgen und prachtvolle Kirchen die tiefgründige Geschichte des Landes und beeindruckten uns immer wieder aufs Neue. Es ist sehr schade, dass wir das Land so abrupt verlassen mussten. Doch eines steht für uns fest: Wir kommen sicher wieder, um den Rest dieses faszinierenden Landes zu erkunden.




















































