2022.01.15 – 02.13 Spanien
Durch Spanien, Teil 3
Sierra Tejeda
Nach den kulturellen Eindrücken in Granada zieht es uns wieder ans Meer. Wir wählen die Passstrasse A-4050 durch die Sierra Tejeda – eine Strecke ganz nach unserem Geschmack! Kurvenreiche, enge Strassen, tiefe Schluchten und steile Abhänge mit atemberaubendem Panorama prägen das Bild. Es gefällt uns hier mindestens so gut wie in der Sierra Nevada, zumal wir fast allein unterwegs sind.
Sobald wir das Meer erreichen, ändert sich die Lage rapide. Auf jedem Parkplatz und in jeder Ecke drängen sich Wohnmobile aus ganz Europa, die hier den Winter verbringen. Wir wussten, dass einsame Strände im Süden schwer zu finden sind, aber dieses Ausmass übertrifft unsere Vorstellungen. In Nerja verzichten wir angesichts der überfüllten Parkplätze sogar auf den Besuch der berühmten Tropfsteinhöhle und fahren etwas entmutigt weiter.
Am Abend erreichen wir Santa Margarita und finden einen Platz am Strand mit direkter Aussicht auf den markanten Felsen von Gibraltar. Da der Wetterbericht für morgen Regen und stürmischen Wind ankündigt, beschliessen wir, auf einen Besuch der englischen Enklave zu verzichten und die Aussicht aus dem Trockenen zu geniessen.
Ronda
Ronda gehört zu den berühmten weissen Dörfern Andalusiens, ist aber vor allem für seine atemberaubende Lage oberhalb einer tiefen Schlucht bekannt. Das Wahrzeichen der Stadt, die Brücke Puente Nuevo, überspannt die 100 Meter tiefe El-Tajo-Schlucht und verbindet die Altstadt mit der Neustadt.
Der Tag beginnt vielversprechend sonnig. Doch während wir uns durch die verwinkelten Gassen zum berühmten Viadukt vorarbeiten, ziehen plötzlich dunkle Wolken auf. Kaum erreichen wir die Schlucht, setzt heftiger Regen ein. Da dies unsere Unternehmungslust deutlich dämpft, spazieren wir nur kurz am Rand des Abgrunds entlang, machen einige Fotos und kehren schnell in unser gemütliches Heim zurück.
Algodonales
Wir verabreden uns mit unseren Freunden Uschi, Christoph und Lilly. Gemeinsam fahren wir auf der A375 Richtung Nationalpark Sierra de Grazalema. Dabei passieren wir Zahara de la Sierra, eines der bekanntesten weissen Dörfer dieser Region, das malerisch in der Landschaft liegt.
Unser Ziel ist der Wohnmobilstellplatz in Algodonales. Kaum angekommen, vergrössert sich unsere Runde: Beny und sein Hund Rocky gesellen sich zu uns, und auch Romi und Heiko sowie andere bekannte Reisende treffen wir hier wieder. Es ist ein schönes Gefühl, in dieser vertrauten Gemeinschaft zusammenzukommen.
Die Tage verbringen wir mit schönen Spaziergängen zwischen den Olivenbäumen oberhalb des Dorfes oder entlang des kleinen Flusses Arroyo de Batán. Die Zeit am Platz nutzen wir zudem produktiv: Wir waschen Kleidung, putzen unseren Body und erledigen kleinere Reparaturen, die über die Zeit angefallen sind.
Im örtlichen Gesundheitszentrum melden wir uns für die Corona-Booster-Impfung an. Der Prozess ist überraschend unkompliziert. Wir bekommen schnell einen Termin und erhalten die Impfung schliesslich in einer Impf-Drive-In-Station. So sind wir für unsere weiteren Reisen bestens geschützt und können beruhigt neue Ziele ansteuern.
El Torcal
Das Naturschutzgebiet El Torcal ist eines der beliebtesten Ausflugsziele Andalusiens. Da es an den Wochenenden sehr stark besucht ist, kommen wir bewusst am späten Nachmittag an und parkieren auf dem unteren Parkplatz.
Am nächsten Tag wandern wir über einen steilen Pfad hinauf zum Besucherzentrum. Unterwegs bieten sich spektakuläre Aussichtspunkte auf die einzigartige Landschaft. Ein besonderes Highlight: Auf einem Felsen entdecken wir eine Steingeiss, die geduldig für unsere Fotos posiert. Genau für solche Momente lieben wir das Leben in der Natur.
Während unsere Freunde Uschi und Christoph den Lobo-Park besuchen, um Wölfe zu beobachten, zieht es uns nach Antequera. Nach einem gemütlichen Spaziergang durch die historische Altstadt machen wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel.
Caminito del Rey
Etwa zwei Kilometer vor dem Eingang zum Caminito del Rey warten unsere Freunde bereits auf einem Naturplatz auf uns. Die Männer planen für den nächsten Tag die Begehung des berühmten Weges. Da wir Frauen beide unter Höhenangst leiden, entscheiden wir uns stattdessen für einen entspannten Tag mit den Hunden in der Natur.
Bis zum Jahr 2015 galt der Caminito del Rey als gefährlichster Klettersteig der Welt. Heute ist er ein gut gesicherter, etwa acht Kilometer langer Wanderweg. Er führt direkt an steilen Felswänden entlang und durch bis zu 200 Meter tiefe Schluchten. Den ultimativen Adrenalinkick bietet eine Hängebrücke, die in schwindelerregender Höhe die Wände miteinander verbindet. Nach dem Abenteuer bringen Shuttlebusse die Wanderer bequem vom Ausgang zurück zum Startpunkt.
Roquetas de Mar
Wie schnell die gemeinsame Zeit in Spanien verflogen ist! Während Benny weiter nach Portugal zieht und Uschi sowie Christoph noch im Süden bleiben, rückt für uns die Rückreise in die Schweiz näher. Unser Abfahrtstermin in Hamburg steht vor der Tür. Ein letztes Mal fahren wir alle zusammen nach Roquetas de Mar. Dort montiert Zsolt mit kräftiger Unterstützung der anderen beiden Männer ein neues Solarpaneel auf unser Fahrzeugdach.
Kulinarischer Ausklang: Hackeliküt
An unserem letzten gemeinsamen Abend kochen wir zusammen „Hackeliküt“ – feine Kartoffelpuffer oder Härdöpfeltätschli. In dieser gemütlichen Runde lassen wir all die Erlebnisse der vergangenen Wochen Revue passieren. Mit einer gewissen Wehmut legen wir uns schliesslich schlafen, wohl wissend, dass dies vorerst unser letzter gemeinsamer Abend ist.
Auf Wiedersehen, Freunde!
Am nächsten Morgen heisst es Abschied nehmen. Doch wir sind uns sicher: Die Welt ist klein und wir werden uns irgendwo und irgendwann wieder treffen! Mit vollen Speichern – sowohl bei der Solaranlage als auch bei den Erinnerungen – machen wir uns auf den Weg Richtung Norden.
Vall d’Uixó
Vall d’Uixó liegt in der Provinz Valencia am Fusse der Sierra Espadán. Direkt auf dem Parkplatz der „Coves de Sant Josep“ nutzen wir den kostenlosen Wohnmobilstellplatz inklusive Ver- und Entsorgung. In der berühmten Tropfsteinhöhle kann man den unterirdischen Fluss mit einem Boot befahren. Aufgrund der vielen Besucher und der Ansteckungsgefahr verzichten wir jedoch auf dieses Erlebnis.
Stattdessen bleiben wir zwei Tage auf dem Platz und unternehmen eine schöne Wanderung. Der Weg führt uns auf den Hügel über der Stadt, von dem aus wir ein herrliches Panorama auf die Umgebung geniessen. Oben entdecken wir Spuren der Geschichte: Überreste eines Verteidigungsgürtels und Schützengräben aus dem Jahr 1938, die im Spanischen Bürgerkrieg dienten.
Vorbereitungen für die grosse Reise
Trotz der schönen Eindrücke kreisen unsere Gedanken oft um unsere bevorstehende Weltreise. Die To-do-Liste ist lang, und es stehen noch einige letzte Vorbereitungen an, bevor die Verschiffung nach Kanada ansteht. Es gibt noch viel zu tun, doch die Vorfreude steigt mit jedem erledigten Punkt.
Fazit
Die Entscheidung, spontan in Spanien zu überwintern, erweist sich als absoluter Glücksgriff. Unsere Bilanz fällt durchweg positiv aus: Wir sind um viele Erlebnisse reicher, haben abwechslungsreiche Landschaften bewundert und durften tolle Menschen kennenlernen, aus denen zum Teil echte Freunde geworden sind.
Wir nehmen viele wertvolle Erinnerungen mit nach Norden. Für uns steht fest:
Es gibt nichts Schöneres als das Reisen!
































































