2022.11.15 – 12.07 USA Südstaaten
Durch die Südstaaten der USA, Teil 1
Abschied von Utah
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen wir Utah und setzen unsere Reise in Richtung Süden fort. Über sechs Wochen lang haben wir diesen Bundesstaat intensiv bereist und viele grossartige Erlebnisse gesammelt, die uns nachhaltig in Erinnerung bleiben werden. Doch das Abenteuer zieht uns weiter gen Süden. Wir überqueren die Staatsgrenze nach Arizona und kurz darauf die von Nevada. Mit dem Wechsel der Zeitzone müssen wir unsere Uhren um eine Stunde vorstellen. Das hat zur Folge, dass die Sonne bereits um 16:30 Uhr untergeht und es um 18:00 Uhr schon vollständig dunkel ist.
Valley of Fire
Unweit hinter der Grenze liegt der Valley of Fire State Park. Obwohl dieser Park relativ klein ist, beeindruckt er uns zutiefst. Die geschwungenen Felsformationen mit ihrer feinen, hellen Marmorierung erscheinen besonders im warmen Sonnenlicht wie ein Meer aus Feuer – der Park macht seinem Namen wahrlich alle Ehre. Auf verschiedenen Wanderwegen entdecken wir besonders gut erhaltene Piktogramme und Klippenwohnungen der Ureinwohner, die hier über Jahrtausende hinweg ihren Lebensraum hatten. Es ist faszinierend zu sehen, wie die tiefrote Farbe der Steine mit dem hellen Sand kontrastiert.
Las Vegas
Las Vegas ist wahrscheinlich das aufregendste Spielerparadies der Welt. Es ist ein Ort, den man irgendwie einmal gesehen haben muss: Amerikaner, die es geniessen, in der Öffentlichkeit zu trinken, an mehreren Casino-Tischen gleichzeitig zu spielen und einmal so richtig die Sau rauszulassen. Wir lassen uns treiben und laufen die „Strip-Meile“ sowie die legendäre „Fremont Street“ hoch und runter – einmal im gleissenden Licht des Tages und einmal im neonfarbenen Glanz der Nacht. Der Kontrast zu den einsamen Nächten auf BLM-Land könnte grösser nicht sein.
Da wir planen, jährlich zwischen Januar und März drei bis vier Wochen Heimaturlaub zu machen, benötigen wir einen sicheren Stellplatz für unseren Bodyduck. Las Vegas wurde uns dafür wärmstens empfohlen, vor allem wegen des trockenen Klimas und der hervorragenden Infrastruktur. Die Suche gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht: Obwohl wir bereits im November für Januar reservieren wollten, erhielten wir fast nur Absagen. Einzig das Oasis Las Vegas RV Resort hat unsere Reservierung bestätigt.
Das Resort ist glücklicherweise eine exzellente Wahl. Es bietet nicht nur einen sicheren Platz für unseren „Koloss“, sondern auch Annehmlichkeiten, die wir nach den Wochen in der Wildnis durchaus schätzen:
- Trockenes Klima: Ideal, um das Fahrzeug über längere Zeit stehen zu lassen.
- Ausstattung: Wir geniessen den Zugang zu Pools, Fitnessräumen und sauberen Waschsalons.
Las Vegas: In der Stadt von Glamur, Glitzer und Rekorde…
- 16 der 20 grössten Hotels der Welt (Nr.1, MGM-Hotel mit 6852 Zimmer, das teuerste, Hotel Wynn, Baukosten 2,7 Milliarden USD)
- In den Casinos über 1000 Spieltische, zehntausende von Spielautomaten. 8,7 Milliarden Dollar Umsatz
- die „Freemont Street Experience“ in der Altstadt wird von 12,5 Millionen Glühbirnen erleuchtet
- höchste Achterbahn der Welt
- Weltgrösste Riesenrad High Roller, mit 167m (verbaut, 300 Tonnen Stahl, acht Kilometer Kabel und 2000 LED-Leuchten)
- Aus dem All betrachtet ist Las Vegas der hellste Ort auf Erden
- Weltweit grösste Glasskulptur und grösstes Wasserspiel (beides im „Bellagio“)
Death Valley
Nachdem die schriftliche Bestätigung der Reservierung vom Oasis RV Resort endlich eingetroffen ist, verlassen wir die Stadt und begeben uns auf den Weg in Richtung Death Valley National Park. Wir wissen, dass uns dort extreme Bedingungen erwarten. Aufgrund der massiven Sturzflutschäden, die der Hurrikan Hilary im letzten August verursacht hat, sind viele Strassen im Park weiterhin gesperrt. Zudem stellt uns unsere Fahrzeuggrösse vor Herausforderungen, da der Zugang mit Bodyduck nicht überall möglich ist. Dennoch lassen wir uns auf dieses Abenteuer ein.
Das „Tal des Todes“ beeindruckt uns durch seine spektakuläre und farbenfrohe Wüstenlandschaft. Auf einer Fläche von 3,3 Millionen Hektar umfasst der Park riesige Sanddünen, unter dem Meeresspiegel liegende Salzebenen, geheimnisvolle „singende Felsen“ und farbenfrohe Sandsteinschluchten. Es ist zweifellos der heisseste und trockenste Ort in Amerika. Besonders faszinierend ist der extreme Höhenunterschied: Während wir im Badwater Basin auf 85,5 Metern unter dem Meeresspiegel stehen, ragt der Telescope Peak stolze 3’367 Meter in die Höhe.
Die klimatischen Bedingungen hier sind fast unvorstellbar. Im August 2020 wurde hier ein absoluter Temperaturrekord von 54 °C erreicht. Wir geniessen die bizarren Formationen und die unwirklich wirkende Stille dieser Wüste, sind uns aber der Gefahren der Trockenheit und Hitze stets bewusst. Jeder Stopp bietet uns eine neue, faszinierende Perspektive auf eine Welt, die auf den ersten Blick lebensfeindlich wirkt, aber eine ganz eigene, raue Schönheit besitzt.
Zabriskie Point
Ein schöner Aussichtspunkt mit phänomenalem Rundblick erwartet uns am Zabriskie Point. Die Landschaft wirkt hier wie aus einer anderen Welt: Die Erosion hat bizarre, gelb-braune Wellen und Zacken in den Boden geformt, die im Sonnenlicht golden leuchten. Man kann verschiedene Trails laufen, um tiefer in diese Badlands einzutauchen, oder einfach nur auf den Hügeln herumklettern, um die beste Perspektive für ein Foto zu finden. Von hier oben überblicken wir die Weite des Parks und spüren die monumentale Kraft der Natur.
Red Cathedral
Vom Parkplatz des Golden Canyon aus wandern wir zur beeindruckenden Red Cathedral. Die Strecke führt uns an einer Verzweigung vorbei, über die man alternativ zum Zabriskie Point gelangen könnte. Wir laufen etwa eine halbe Stunde lang durch ein trockenes Flussbett, das tief zwischen steilen Felswänden und gelbem Sandstein eingebettet ist. Es ist kaum vorstellbar, dass während der Regenzeit hier enorme Wassermassen hindurchschiessen, denn im Moment wirkt die Landschaft so trocken, als hätte es hier nie geregnet.
Der Aufstieg zur Kathedrale
Am Ende des Weges erreichen wir die gewaltigen, rötlichen Felsformationen, die der „Kathedrale“ ihren Namen geben. Wir klettern ein Stück hinauf, um die beeindruckende Aussicht über die Badlands und das tiefer liegende Tal zu geniessen. Der Kontrast zwischen dem goldgelben Gestein des Canyons und dem tiefen Rot der Cathedral-Wände ist im hellen Tageslicht einfach spektakulär. Die Stille hier oben ist absolut, nur der Wind pfeift leise durch die Felsnischen.
Rhyolite
Da im Death Valley National Park alle Campingplätze restlos ausgebucht sind, müssen wir uns ausserhalb des Parks einen Übernachtungsplatz suchen. Am nächsten Morgen besuchen wir Rhyolite, eine Stadt, die 1904 nach einem gewaltigen Goldfund entstanden ist. Es ist kaum vorstellbar, dass hier zwischen 1905 und 1910 etwa 10’000 Menschen lebten. Heute zeugen nur noch einige steinerne Ruinen von der einstigen Grösse und erinnern an Banken, Hotels, den Bahnhof und sogar ein Gefängnis.
Vom Goldrausch zur Ghost Town
Der Niedergang kam so schnell wie der Aufstieg: Als 1914 die Goldvorkommen endgültig ausgebeutet sind, verlassen die Menschen die Stadt schlagartig wieder. Zurück bleibt eine Ghost Town, die der unerbittlichen Witterung der Wüste ausgesetzt ist. Wir spazieren zwischen den verfallenen Mauern und spüren den Hauch der Geschichte. Besonders kurios ist das „Bottle House“, das komplett aus Glasflaschen errichtet wurde – ein kreatives Zeugnis der damaligen Siedler. Rhyolite ist für uns ein faszinierendes Mahnmal für die Vergänglichkeit von Reichtum und Träumen.
Zzyzx
Eine der absoluten „Must-See“-Sehenswürdigkeiten an der Interstate 15 ist Zzyzx. Diese skurrile Oase inmitten der Mojave-Wüste trägt einen Namen, den sich ihr Gründer, Curtis Howe Springer, 1944 ausgedacht hat – mit dem Anspruch, das buchstäblich letzte Wort im englischen Alphabet zu sein. Bis 1974 betreibt er hier das Zzyzx Mineral Springs and Health Spa. Springer, ein geschickter Vermarkter, lockt Reisende mit dem Versprechen von Heilung und Erholung in die glühende Hitze der Wüste.
Von der Kurklinik zum Forschungszentrum
Heute hat sich der Zweck der Anlage grundlegend gewandelt. Seit 1976 gehört das Areal zum Desert Studies Center und wird von der California State University für Forschungszwecke betrieben. Wo früher Kurgäste in Mineralbädern entspannten, untersuchen heute Wissenschaftler und Studenten die einzigartige Flora und Fauna der Wüste. Besonders wichtig ist der Lake Tuendae, ein künstlich angelegter See, der heute als Zufluchtsort für den vom Aussterben bedrohten Mohave tui chub (einen kleinen Fisch) dient.
Curtis Howe Springer
Die Geschichte von Zzyzx ist eng mit der schillernden Persönlichkeit Springers verknüpft. Er nutzt das staatliche Land über Jahrzehnte für sein privates Imperium, bis die Regierung das Gebiet 1974 schliesslich zurückfordert. Wir wandern durch die Anlage und bestaunen die erhaltenen Gebäude und Palmenalleen, die in der kargen Umgebung fast wie eine Fata Morgana wirken. Es ist ein Ort voller Kontraste: auf der einen Seite die bizarre Geschichte eines selbsternannten Wunderheilers, auf der anderen die moderne, ernsthafte Wissenschaft von heute.
Die ganze Geschichte dieser skurrilen Anlage ist hier nachzulesen.
Joshua Tree National Park
Drei Meilen vor dem Joshua Tree National Park legen wir einen produktiven Zwischenstopp ein. Wir verbringen zwei Tage auf BLM-Land, nutzen die Abgeschiedenheit für unser Home-Office und erledigen allgemeine Büroarbeiten. Es ist ein Privileg, den Laptop mit Blick auf die weite Wüste aufzuklappen, bevor wir uns wieder ganz der Natur widmen.
Am dritten Tag starten wir frühmorgens unseren Besuch im Nationalpark. Wir beginnen mit einer Wanderung auf dem Hidden Valley Trail. Dieser kurze, aber eindrucksvolle Pfad führt durch ein kleines, von Felsen umschlossenes Tal und zeigt uns die ganze Vielfalt der Wüstenlandschaft. Die ungewöhnlichen Felsformationen und die charakteristischen Joshua Trees bieten uns unzählige Fotomotive.
Ein weiteres Highlight ist der Cholla Cactus Garden, etwa 20 Kilometer südlich des nördlichen Eingangs. Auf fast 10 Hektar erstreckt sich hier eine dichte Ansammlung von Teddybär-Cholla-Kakteen. Trotz ihres niedlichen Namens ist Vorsicht geboten, doch im Gegenlicht wirken die stacheligen Gewächse fast wie leuchtende Wesen.
Bereits um 14:00 Uhr sichern wir uns einen der begehrten Schlafplätze im Belle Campground für 15 $ pro Nacht. Das frühe Ankommen lohnt sich, denn der Platz ist eingebettet in riesige Monolithen. Die Abendstimmung hier ist einfach grossartig: Wenn die Sonne tiefer sinkt, färben sich die Felsen in warmen Orangetönen, und die Silhouetten der Joshua Trees zeichnen sich scharf gegen den purpurnen Himmel ab. Es herrscht eine friedliche Stille, die nur vom leisen Wind in den Bäumen unterbrochen wird.
Palm Springs
Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg nach Palm Springs. Die Fahrt führt uns über den 29 Palms Highway, eine Strecke von etwa 80 Kilometern durch die beeindruckende Wüstenlandschaft Kaliforniens. Kurz vor Palm Springs passieren wir die San Gorgonio Pass Wind Farm, einen der grössten und ältesten Windparks der USA. Mit über 2’700 Windturbinen, die bereits in den 1980er Jahren errichtet wurden, produziert dieser Park genug Strom, um das gesamte Coachella Valley zu versorgen. Der Anblick der zahllosen rotierenden Flügel vor den massiven Bergen ist gigantisch.
Bei unserer Ankunft in Palm Springs werden wir vom charakteristischen sonnigen Wetter und einer herrlich entspannten Atmosphäre begrüsst. Die Stadt ist weltbekannt für ihre luxuriösen Resorts und die ikonische Architektur des Mid-Century-Modern-Stils. Nachdem wir einen Parkplatz für die Nacht gefunden haben, unternehmen wir einen Spaziergang entlang des Palm Canyon Drive. Zu unserer Freude findet dort gerade ein Weihnachtsmarkt statt, der dem Wüstenstädtchen einen ganz besonderen Glanz verleiht.
Indian Canyons
Der Palm Canyon beherbergt die grösste natürliche Wüstenpalmenoase der Welt. Am nächsten Tag unternehmen wir hier eine Wanderung durch die üppige Vegetation. Es ist faszinierend: Die dichten Bestände der Kalifornischen Washingtonpalme bilden einen starken Kontrast zur kargen, umliegenden Wüste. Während wir im Schatten der riesigen Palmenwedel wandern, ist die Aussicht auf die weite Wüstenlandschaft einfach fantastisch. Es ist ein echtes Naturwunder, wie sich das Wasser hier seinen Weg bahnt und diesen grünen Dschungel ermöglicht.
















































































































































