2024.10.22 – 11.23 Quintana Roo
Mexiko zum zweiten, Teil 10
Basel via Istanbul nach Cancún
Die Zeit mit der Familie in Ungarn verflog wie im Fluge. Nach fünf intensiven Tagen kehren wir kurz in die Schweiz zurück, um uns mit Abschiedsessen und dem Austausch letzter Erinnerungen auf die grosse Reise vorzubereiten. Doch der Rückweg nach Mexiko verlangt uns alles ab: In Istanbul hat unsere Anschlussmaschine fünf Stunden Verspätung, was die Reisezeit auf über 30 Stunden anschwellen lässt. Wir kommen völlig ausgelaugt am Flughafen Cancún an.
Trotz der langen Reise löst sich die Anspannung am Zoll schnell auf. Ein Rückflugticket wird nicht verlangt, und wir erhalten problemlos erneut 180 Tage Aufenthalt. Die Kontrolle unseres Gepäcks, das vollgepackt mit Ersatzteilen und Lebensmitteln ist, verläuft äusserst flüchtig. Ein tiefes „Phu…“ entfährt uns – die Sorge, zu viel mitgenommen zu haben, war unbegründet.
Bei Nomad Sun Camping angekommen, wartet unser Bodyduck bereits geduldig auf uns. Nach der kräftezehrenden Odyssee gibt es nur noch ein kurzes Programm: Ein Sprung in den kühlen Pool, ein wohlverdientes Bierchen, und dann fallen wir einfach nur noch ins Bett. Es ist ein wunderbares Gefühl, wieder hier zu sein und das Abenteuer fortzusetzen.
5 m ü. M
32°C / 27°C
101 Km gefahren / 4,5 Std
Wir verabschieden uns von Alfredo und Yanara und verlassen Cancún, da wir in der Finka Kookay mit Brigitte und Manfred verabredet sind. Trotz Reservierung vor drei Tagen folgt die grosse Enttäuschung: Der Pool, auf den wir uns so gefreut hatten, ist klein und voller Laub und Schmutz. Zudem ist der Platz unter den dichten Bäumen ohne Stromanschluss für uns ungeeignet, da wir auf Sonnenenergie angewiesen sind.
Wir entscheiden uns, sofort etwas Neues zu suchen. Das erweist sich in dieser Gegend jedoch als schwierig. Die zahlreichen wunderschönen Cenoten verlangen gesalzene Eintrittspreise, die wir nicht bereit sind zu zahlen, und Übernachten ist dort ohnehin nicht gestattet.
Per Zufall entdecken wir an der Hauptstrasse Richtung Puerto Morelos die Rancho El Cardenal. Ein riesiges Areal mit zwei grossen Pools! Nach kurzer Nachfrage die Erleichterung: Für 500 Pesos pro Nacht dürfen wir hier bleiben. Es wird sogar noch geselliger, als Susanne und Klaus zu uns stossen. Gemeinsam verbringen wir einen tollen Abend am Pool und geniessen die neue, deutlich bessere Umgebung.
16m ü.M
32°C / 23°C
136 Km gefahren / 4 Std
Wenn die Cenote zum See wird
Unser Ziel war eigentlich die Cenote Yum Ki’n, eine offene Cenote, die eher einer kleinen Lagune gleicht. Doch die Natur hatte andere Pläne: Nach den heftigen Regenfällen der letzten Tage ist die Cenote komplett überlaufen. Die Zufahrt steht gut 20 cm unter Wasser, und die gesamte Umgebung ist überschwemmt. An ein Bleiben ist hier nicht zu denken.
Cobá
Kurzerhand aktivieren wir Plan B und fahren weiter bis nach Cobá. In unmittelbarer Nähe befinden sich die drei bekannten Cenoten Tancach-Ha, Choo-Ha und Multun-Ha. Diese Entscheidung entpuppt sich als Glücksgriff für unsere Logistik.
Direkt vor den Eingängen der Cenoten finden wir ideale Bedingungen vor: Wir können hier auf den Parkplätzen völlig kostenlos übernachten. Der Eintrittspreis ist mit 100 Pesos pro Person und Cenote absolut fair. So verwandeln wir die unfreiwillige Flucht vor dem Hochwasser in einen entspannten Aufenthalt inmitten der Unterwelt von Cobá.
Die Ausgrabungen von Cobá
Nach den erfrischenden Stunden in den Cenoten steht noch ein Besuch bei den archäologischen Stätten von Cobá an. Es ist vielleicht nichts Weltbewegendes im Vergleich zu den gigantischen Prachtbauten anderer Orte, aber der Reiz liegt hier ganz klar in der Natur.
Der Weg führt uns auf einem wunderschönen Spaziergang mitten durch den dichten Dschungel. Die Ruinen tauchen immer wieder zwischen den riesigen Bäumen und Schlingpflanzen auf. Es ist diese friedliche Stimmung und die Kombination aus Geschichte und wilder Vegetation, die diesen Ausflug so lohnenswert macht. Fernab der grossen Touristenströme geniessen wir die Ruhe und die mystische Aura, die über den alten Steinen liegt.
2m. ü. M
36°C / 25°C
317 Km / 6,5 Std
Mahahual
Wir erreichen Mahahual und finden unmittelbar beim markanten Leuchtturm einen fantastischen Platz für den Bodyduck direkt am Wasser. Obwohl Mahahual ein bekannter Anlaufort für riesige Kreuzfahrtschiffe ist, erleben wir hier eine völlig andere Seite des Ortes.
Trotz der schwülen Hitze schlendern wir die Promenade entlang und stellen erstaunt fest: Es ist praktisch nichts los. Wir sehen weit und breit keinen Touristen-Ansturm, wie man ihn hier normalerweise erwarten würde. Da wir uns „out of season“ befinden, gehört uns die Szenerie fast ganz allein. Diese seltene Ruhe an einem sonst so geschäftigen Ort geniessen wir in vollen Zügen, während wir die menschenleere Küstenlinie bewundern.
- 1m. ü. M
- 31°C / 24°C
- 180 Km / 3,5 Std
Bacalar: Regen, Matsch
Nach einer äusserst stürmischen Nacht verlassen wir Mahahual mit der Hoffnung, am Bacalar-See einen Segeltörn zu machen. Doch das Wetter spielt nicht mit: Es bleibt den ganzen Tag bewölkt und regnerisch. Die Stellplätze direkt am See sind zudem enttäuschend – entweder sind sie vollkommen verschlammt, durch Hochwasser überschwemmt oder schlichtweg unverschämt teuer. Da die Vorhersage keine Besserung verspricht, verschieben wir den Segeltörn schweren Herzens.
Wir steuern das Xax-Ha Resort an und erreichen den Platz am späten Nachmittag. Auch hier hat der massive Regen der letzten Tage tiefe Spuren hinterlassen; beim Befahren des aufgeweichten Rasens ziehen wir mit dem Bodyduck tiefe Furchen. Doch die Stimmung auf dem Platz ist grossartig! Wir treffen nicht nur Brigitte und Manfred wieder, sondern auch Andrea und Dirk, die wir noch aus Oaxaca kennen, sowie Anna und Angelo von @AaonVan.
Während Anna und Angelo am nächsten Morgen bereits Richtung Belize aufbrechen, entscheiden wir uns, ein paar Tage zu bleiben. Wir nutzen die Zeit produktiv, um anstehende Reparaturen am Bodyduck zu erledigen und die Seele ein wenig baumeln zu lassen, während der Regen gegen das Dach trommelt. Es ist schön, in so guter Gesellschaft zu sein, auch wenn der See sich heute nicht von seiner blauesten Seite zeigt.
Calderitas
Wir gönnen uns eine Auszeit in Calderitas. Die Atmosphäre hier ist wunderbar entspannt und lädt dazu ein, den Tag in vollen Zügen zu geniessen. Bei einem ausgedehnten Spaziergang entlang der Bahia lassen wir uns die sanfte Brise um die Nase wehen und bewundern das ruhige Wasser.
Ein absolutes Muss ist der Besuch des Mirador de Calderitas. Von hier oben hat man einen fantastischen Panoramablick über die gesamte Bucht – ein perfekter Ort, um einfach nur dazustehen und die Aussicht zu geniessen. Den Abend lassen wir zünftig ausklingen: Wir veranstalten eine gemütliche Grillparty unter der Palapa. Es gibt kaum etwas Schöneres, als in guter Gesellschaft im Schatten des Palmendachs zu sitzen, während das Essen auf dem Grill brutzelt.
Einfach herrlich hier!
Día de Muertos
In Mexiko ist der Día de Muertos weit mehr als nur ein Feiertag; es ist eine tief verwurzelte Tradition, die das Leben und den Tod auf einzigartige Weise zelebriert. Anstatt den Tod zu fürchten, wird er als natürlicher Teil des menschlichen Zyklus begriffen. Es ist eine Zeit der Freude, in der die Verstorbenen symbolisch in die Gemeinschaft zurückkehren, um mit ihren Liebsten zu feiern.
Zentrales Element sind die Ofrendas (Altäre). Familien schmücken sie liebevoll mit Fotos, Kerzen und leuchtend orangen Ringelblumen (Cempasúchil). Der Duft der Blumen und der Weihrauch sollen den Seelen den Weg weisen. Auch die Lieblingsspeisen der Verstorbenen sowie das traditionelle Pan de Muerto (Totenbrot) dürfen nicht fehlen, um die Gäste aus dem Jenseits zu stärken.
Überall begegnet man den Calaveras (Schädeln) und Calacas (Skeletten). Ob aus Zucker, Schokolade oder als kunstvolle Figuren – sie sind bunt und fröhlich gestaltet. Sie symbolisieren, dass der Tod nichts Schrecken erregendes sein muss, sondern mit Respekt und Humor betrachtet werden kann. Besonders die Figur der La Catrina ist zum weltweiten Symbol für diesen respektvollen Umgang mit der Endlichkeit geworden.
Die Zeit des Abschieds ist gekommen. Um unsere gemeinsamen Erlebnisse gebührend zu feiern, organisieren wir einen gemütlichen Grillabend für unsere australischen Freunde Vera und Dexter aus Queensland. Es ist einer dieser Abende, an denen man realisiert, wie klein die Welt für Reisende doch ist.
Unter dem weiten Himmel geniessen wir das Beisammensein. Der Grill brutzelt, die Getränke sind kühl, und wir tauschen noch einmal die besten Geschichten unserer bisherigen Etappen aus. Es wird viel gelacht und bereits über mögliche zukünftige Treffen irgendwo auf der Welt philosophiert. Solche Begegnungen sind das Herzstück unseres Lebens im Bodyduck.
Mit einem herzlichen Dankeschön verabschieden wir uns von den beiden. Auch wenn sich unsere Wege vorerst trennen – sie ziehen weiter, während wir unsere nächsten Pläne schmieden – bleibt die Erinnerung an die gemeinsame Zeit und diese gelungene Grillparty unter der Palapa bestehen. Gute Reise, Vera und Dexter!
Heute steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt. Alle, die noch hiergeblieben sind, machen sich gemeinsam auf den Weg zur Laguna de Bacalar. Wir verbringen den gesamten Tag am Ufer, geniessen das erfrischende Bad im kristallklaren Wasser und breiten unsere Picknickdecken aus. Es ist ein Tag voller Lachen, Entspannung und guter Gespräche, während wir die einzigartigen Farben der Lagune bewundern.
Den krönenden Abschluss dieses tollen Tages feiern wir am Abend gemeinsam bei Piazza Maggiore. Das Restaurant überzeugt uns auf ganzer Linie mit seinem hervorragenden Essen. Nach den herzhaften Pizzen gönnen wir uns ein ganz besonderes Highlight: Eine langersehnte Pizza Nutella. Ein süsser Traum, der diesen perfekten Tag würdig abrundet.


























































































































































