2026.08.09 – 08.27 Kolumbien
Kolumbien Teil 3
Medellin – Parque Berrío
Strassengebühren:
50’000 COP = 12.82 SFR
Wir verabschieden uns von der sehr netten Familie von David , weil wir heute um 08.00 Uhr einen Werkstatttermin bei Scania, wo am Bodyduck einige notwendige Arbeiten durchgeführt werden. Unter anderem revidiert das Team den Retarder, tauscht verschlissene Kugelgelenke der Lenkstange aus und untersucht auch den Ölkühler des Retarders. Während der Truck in den besten Händen ist, ziehen wir uns für zwei Tage gemütlich in ein Hotel zurück.
Am Nachmittag erkunden wir das Zentrum und besuchen die berühmte Plaza Botero. Auf diesem belebten Platz stehen 23 gigantische Bronzeskulpturen, die der weltbekannte kolumbianische Künstler Fernando Botero seiner Heimatstadt geschenkt hat. Seine Werke zeichnen sich durch ihren unverwechselbaren Stil aus: üppige, voluminöse Formen, die man hier ausdrücklich anfassen und aus nächster Nähe bewundern darf. Direkt hinter dem Skulpturenpark ragt der beeindruckende Palacio de la Cultura Rafael Uribe Uribe empor. Das imposante Bauwerk im auffälligen schwarz-weiss gemusterten, flämisch-neogotischen Stil stammt aus den 1920er-Jahren vom belgischen Architekten Agustín Goovaerts und bildet eine fantastische Kulisse für die Kunstwerke.
Danach kehren wir entspannt in unser Hotel zurück. Den erlebnisreichen Tag lassen wir schliesslich aus dem Jacuzzi auf der hauseigenen Dachterrasse ausklingen, während wir die herrliche Aussicht über die Stadt und einen atemberaubenden Sonnenuntergang geniessen.
Medellin – Comuna 13
Wir buchen online eine Walking-Tour durch die berühmt-berüchtigte Comuna 13.
Unser Guide Andrés ist hier aufgewachsen und erzählt uns unglaublich viel über diesen einzigartigen Stadtteil. Er teilt schöne und inspirierende Geschichten mit uns, spart aber auch die dunkelsten und erschreckendsten Kapitel seiner Jugend nicht aus – geprägt von Politik, Paramilitär, Guerrilla, Drogen und blutigen Bandenkriegen. Er beschreibt eindrücklich das alltägliche Leben zwischen tausenden steilen Treppenstufen, gravierenden Abfallproblemen und zeigt uns gleichzeitig, wie tief verwurzelt und liebgewonnen dieses Viertel für ihn und seine Familie trotz aller Härten geblieben ist.
Einst galt die Comuna 13 – auch bekannt als San Javier – als einer der gefährlichsten Orte der Welt. Durch ihre strategische Lage an den Hanglagen der Stadt war sie jahrelang hart umkämpft. Doch die Gemeinschaft hat eine beispiellose Transformation vollzogen: Heute steht das Viertel weltweit als Symbol für Resilienz, Hoffnung und gesellschaftlichen Wandel. Überall schmücken farbenprächtige Graffitis und eindrucksvolle Wandgemälde die Häuserwände, während Breakdancer und Hip-Hop-Künstler die Strassen beleben. Ein Meilenstein dieser Entwicklung war der Bau der berühmten Freiluft-Rolltreppen (Escaleras Eléctricas), die den Bewohnern den beschwerlichen Alltag am steilen Hang extrem erleichtern und heute Besucher aus aller Welt anziehen.
Für die Heimfahrt nehmen wir ein Uber, und während der Wagen durch die Strassen gleitet, drehen sich die vielen Geschichten unaufhörlich in unseren Köpfen. In uns keimt eine tiefe Sympathie für diese Menschen auf, die trotz ihrer einfachen Verhältnisse und der mitunter herrschenden Armut eine unglaubliche Lebensfreude ausstrahlen. Es war eine Tour voller Erkenntnisse, die bei uns tiefe Spuren hinterlassen hat.
Medellin – Scania
Die Nachricht von Scania erreichte uns schon gestern Abend: Heute Mittag können wir Bodyduck vollkommen geheilt abholen – was für eine Erleichterung! Wir bestellen ein Uber und rechnen fest damit, gegen 11.30 Uhr bei der Werkstatt einzutreffen.
Doch es kommt bekanntlich meist anders als man denkt: Auf der Umfahrungsautobahn Ruta 60 sorgt eine Manifestation für eine komplette Blockade. Die Demonstranten öffnen die Strasse jeweils nur einmal pro Stunde für ein paar wenige Fahrzeuge. Für uns bedeutet das eine geduldsfordernde Odyssee: Ganze sieben Stunden verstreichen, ehe wir gegen 17.00 Uhr endlich bei Scania auf dem Gelände stehen. An eine Weiterfahrt ist um diese Uhrzeit nicht mehr zu denken, zumal die Autobahn in beide Richtungen nach wie vor völlig verstopft ist. Netterweise dürfen wir direkt auf dem gesicherten Areal von Scania übernachten, von wo aus wir dem schier endlosen Blechwurm bis 23.00 Uhr zusehen.
Gegen 21.00 Uhr entdecken wir auf der gegenüberliegenden Autobahnseite, etwa fünf Kilometer entfernt, plötzlich Flammen. In der aktuellen Trockenheit breitet sich der Waldbrand in Sekundenschnelle aus. Eine Stunde später beobachten wir die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr, die sich den steilen Hügel hochkämpfen, um die Flammen zu bekämpfen. Das löst bei uns ein ziemlich mulmiges Gefühl aus, denn auch wir hätten im Notfall nicht fliehen können – die Autobahn ist schliesslich nach wie vor dicht. Glücklicherweise leistet die Feuerwehr hervorragende Arbeit, sodass gegen Mitternacht nur noch vereinzelte kleine Glutnester zu erkennen sind.
Na dann, gute Nacht!
Die Nacht fällt allerdings extrem kurz aus. Bereits morgens um 4.00 Uhr dröhnen die ersten Lkw an uns vorbei, woran an Schlaf nicht mehr zu denken ist. Um 08.00 Uhr begleichen wir unsere Rechnung bei Scania. Es muss noch eine kleine Kleinigkeit gelötet werden, doch nach dem obligatorischen Fotoshooting verlassen wir um 11.00 Uhr bester Laune das Scania-Gelände…
Santa Fe de Antioquia
44°C / 28°C
549m ü. M.
43% Humidity
Strassengebühren:
31’700 COP = 8.32 SFR
Der Verkehr in Medellín ist extrem dicht, bis wir schliesslich die Abzweigung aus der Stadt Richtung Santa Fé de Antioquia erreichen. Die anschliessende Strecke hat es mächtig in sich: Von etwa 300 Metern über Meer schrauben wir uns auf über 2’000 Meter empor, nur um danach direkt wieder steil bergab zu rollen. Mit Schrecken stellen wir fest, dass das Kühlwasser beim Aufstieg auf über 90 °C klettert. Selbst nach einer Pause zum Abkühlen wird der Motor beim Bergabfahren mit dem Retarder wieder übermässig heiss.
Wir schicken umgehend eine Nachricht an Scania, woraufhin sich sofort ein Mechaniker zu uns auf den Weg macht. Gegen 18.00 Uhr trifft er ein und macht sich direkt an die Arbeit. Diverse Tests und Messungen ergeben, dass der Ölkühler entgegen der Meinung der Werkstatt von heute Morgen doch einen Riss hat und ersetzt werden muss. Das bedeutet für uns: Am Dienstag geht es erneut in die Garage für weitere Abklärungen.
Da der passende Ölkühler für unseren Scania mit Jahrgang 2003 in ganz Kolumbien nicht vorrätig ist, müssen wir uns schweren Herzens auf eine lange Wartezeit von etwa acht Wochen für den Import einstellen. Unser Gemüt ist gedämpft – und zwar gewaltig…
Medellin – Scania
Pünktlich um 08.00 Uhr stehen wir wieder bei Scania. Eigentlich soll am nächsten Tag ein Diagnosegerät aus Neiva ankommen – das einzige für unser Modell in ganz Kolumbien. Weder am Mittwoch noch am Donnerstag ist es da. Die Nächte verbringen wir derweil in einem Hotel in Medellín und geniessen von dort aus eine fantastische Aussicht über die Metropole.
In der Werkstatt versuchen es die Mechaniker unterdessen auf die klassische Tour. Sie testen, messen und machen Probefahrten. Der Thermostat öffnet viel zu spät, wird ausgetauscht und das ganze Kühlsystem gereinigt. Weil die Temperatur bei der nächsten Runde trotzdem wieder steigt, vermutet Mechaniker Jeferson Luft im System. Da das Entlüften nur bei kaltem Motor geht, vergeht ein weiterer Tag.
Am Freitag kommt das Diagnosegerät endlich an – allerdings ohne Laptop und damit völlig nutzlos.
Erst am Samstagmorgen klappt es: Nach erneuter Entlüftung hält die Temperatur bei der Probefahrt. Selbst bergauf steigt sie maximal auf 90 °C und geht danach wieder runter. Dass sie überhaupt so hoch steigt, liegt am defekten Ölkühler. Den haben wir jetzt bestellt, und er sollte in 12 bis 14 Tagen per DHL Express hier sein……
Da kommt doch wieder echte Zuversicht auf!!!
Rionegro
35°C / 22°C
2106m ü.M.
55% Humidity
77 Km gefahren / 2 Std
Strassengebühren:
32’000 COP = 8.47 SFR
In Kolumbien können wir unsere leeren SodaStream-Tanks gegen volle eintauschen. Es wird durch die Firma Mikasa Store abgewickelt. Man bestellt online die Anzahl Tanks und bezahlt. Die vollen können entweder in Bogotá persönlich abgeholt werden oder nach Wunsch irgendwohin geliefert werden. Die Firma hat im Land verschiedene Vertragspartner, meistens bei Poststellen oder Kiosken. So wollen wir unsere in Rionegro abholen, was per WhatsApp (sehr harzig verlaufende Kommunikation) vereinbart wurde. Am Samstag Rionegro…..
Wir sind am Samstag in der Stadt, wir verpassen die Ladenöffnungszeit am Samstag um eine halbe Stunde….. Am Montag wieder….
Wir machen einen Grosseinkauf bei Jumbo und stellen uns ausserhalb der Stadt auf einen Parkplatz neben einer Kirche.
Am Montag stehen wir punkt 08.30 Uhr vor der Serviclip Papelería (6.125819, -75.421024) und fragen nach unseren drei Tanks von Mikasa Store. Nein, sie hätte keine da, ich solle mich bei Mikasa Store erkundigen. Aber am Freitag wurde uns gesagt, ja, die Tanks seien in Rionegro. ….. Nein, sie hätte keine. Anrufen…… Ja, die Tanks kämen erst an diesem Mittwoch. Und jetzt??? Wir wollen weiter. Wir verbleiben so, dass die Dame in der Serviclip Papelería uns verspricht, drei Flaschen zu reservieren, bis wir zurück seien…….
Na dann mal sehen…..
Jardin
33°C / 19°C
1814m ü.M.
55% Humidity
189 Km gefahren / 6.5 Std
Strassengebühren:
79’400 COP = 21.02 SFR
Etwas enttäuscht und wütend fahren wir los Richtung Jardín. Das Navi zeigt 180 km an….. schaffen wir!
Erst geht es steil bergab nach Medellín, dann auf der Panamericana am Fluss entlang weiter Richtung Süden. Schliesslich biegen wir auf die Ruta 60 ab – eine tolle, vierspurige Autobahn, auf der es sich richtig gut rollen lässt…. Aber der Schein trügt: Einige steile Anstiege bremsen uns immer wieder aus….. Dazu kommen noch drei Grossbaustellen, die uns mindestens eine Stunde kosten. Aber was soll’s, wir haben ja Urlaub….
Irgendwann endet die Autobahn und wir wechseln auf die alte Ruta 60, bevor wir auf die „Troncal del Café“ abbiegen. Ab hier geht es Schlag auf Schlag – oder besser gesagt Schlagloch auf Schlagloch, mit fiesen Bodenunebenheiten und fehlendem Asphalt. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit 40 bis 50 km/h…..
Aber, wir kommen an und finden uns in einer wunderschönen Landschaft voller Kaffee-Plantagen und farbenfroher Hügel wieder. In Jardín quartieren wir uns beim Ecoxplora Camping (5.592498, -75.815600) ein, dem einzigen Campingplatz in der Region.
Neben ein paar Arbeiten am Bodyduck wollen wir natürlich vor allem die Gegend und das Dorf erkunden. Als Erstes ziehen wir los und schlendern durch die Gassen von Jardín. Das wunderschön erhaltene Kolonialdorf mit seinen farbenfrohen Fassaden gewinnt schnell unsere volle Bewunderung.
Reserva Natural Jardín de Rocas
Erneut laufen wir durch das hübsche Kolonialdorf und sind begeistert von den farbenfrohen Häusern und den lebensfrohen Einheimischen, die eine ganz besondere Gelassenheit ausstrahlen. Manchmal werden wir von Reitern überholt, denn das Pferd gehört hier immer noch ganz selbstverständlich zur alltäglichen Fortbewegung. Es gibt hier sogar eine Luftseilbahn, die über eine tiefe Schlucht auf den gegenüberliegenden Berg führt. Der Anblick der Kabine bestärkt uns jedoch nur in unserem Entschluss, lieber nicht mitzufahren.
Wer einmal nach Jardín kommt, darf auf keinen Fall das Reserva Natural Jardín de Rocas verpassen. Es ist ein privater Park, und der Eintritt von 25’000 COP pro Person fliesst direkt in den Erhalt des Reservats. Die seltenen Andenklippenvögel (Felsenhähne) versammeln sich immer um die gleiche Zeit – zwischen 15.00 und 16.00 Uhr –, um ihr spektakuläres Balzverhalten zu zeigen. Sie rufen laut und hüpfen von Ast zu Ast, sodass man sie aus nächster Nähe beobachten kann. Wir sehen zwar nur männliche Vögel, die dafür aber mit ihrem auffällig knallroten Gefieder umso mehr begeistern.
























































































































































































