2021.10.28. – 11.22. Frankreich
Durch Frankreich
Nach zwei Wochen in der Schweiz brechen wir rechtzeitig auf, bevor der Herbst so richtig unangenehm wird. Unser Ziel ist der Süden Frankreichs. Wir nehmen uns vor, möglichst keine Autobahnen zu befahren, da wir so intensivere Eindrücke von der Landschaft und den Einheimischen gewinnen. Wir lieben es, Zeit an schönen Plätzen in der Natur zu verbringen, doch auch Stadtbesichtigungen gehören fest zu unseren Reisezeielen.
Annecy
Um uns eine französische Internetkarte zu kaufen, steuern wir als Erstes Annecy an. Der kostenlose Stellplatz für Wohnmobile liegt direkt am See, und die malerische Altstadt ist in nur 15 Minuten zu Fuss erreichbar. Es gibt zwar eine Ver- und Entsorgung, doch jetzt im November ist das Wasser bereits abgestellt.
In einem Telefonshop besorgen wir uns eine 150-GB-Prepaidkarte von Free für 30 Euro. Diese ist einen Monat gültig und beinhaltet 25 GB für den restlichen EU-Raum – perfekt für unsere Weiterreise.
Anschliessend schlendern wir durch die mit alten Pflastersteinen belegten Gassen der „Vieille Ville“. Wir spazieren an den romantischen Kanälen sowie dem Seeufer entlang und verwöhnen uns mit einem feinen Essen. Für den kulinarischen Genuss stehen in der Altstadt unzählige kleine Restaurants zur Auswahl.
Massif des Bauges
Viele Wege führen nach Süden, doch wir wählen nicht gerade den kürzesten oder einfachsten. Stattdessen entscheiden wir uns für die Route über den Semnoz, der zum Naturpark Massif des Bauges gehört.
Die 15 km lange Bergstrasse führt uns hinauf auf eine Passhöhe von 1699 m ü. M. Sowohl uns als auch unserem Body macht es richtig Spass, diese Serpentinen zu bezwingen. Zur Belohnung geniessen wir während der Fahrt ein atemberaubendes Panorama über die umliegende Bergwelt.
In Frankreich ist es nicht schwer, mitten in der Natur zu übernachten. Das Land bietet unzählige Möglichkeiten, abseits der grossen Strassen Ruhe zu finden.
So finden wir immer wieder wunderschöne Plätze: Einmal übernachten wir an dem kleinen See Sainte-Hélène-du-Lac in der Nähe von Chambéry. Ein anderes Mal stehen wir oberhalb des Stausees Lac de Notre-Dame-de-Commiers, unweit von Grenoble, und geniessen die Aussicht. Diese naturnahen Orte sind genau das, wonach wir auf unserer Reise suchen.
Colorado Provençal
Der Colorado Provençal befindet sich bei Rustrel, wo aussergewöhnliche, von Gelb bis Rot leuchtende Felsformationen eine beeindruckende Wüstenlandschaft bilden. Man hat die Wahl zwischen einem Spaziergang auf dem blauen Weg (ca. eine Stunde) oder auf dem roten Weg (ca. zwei Stunden).
Wir entscheiden uns für die längere, rote Route. Diese trennt sich nach einiger Zeit vom blauen Weg ab und führt uns über die Felsen durch den Wald stetig in die Höhe. Die atemberaubende Aussicht von dort oben gibt uns das Gefühl, mitten im amerikanischen Westen zu sein. Wir sind sehr froh, diesen normalerweise stark touristischen Ort in der Nebensaison besucht zu haben. Die Parkplatzgebühr von 8 Euro (Übernachten ist dort verboten) empfinden wir angesichts der Eindrücke als absolut angemessen.
Mit diesen tollen Bildern im Kopf fahren wir zu unserem Schlafplatz in der nur zwei Kilometer entfernt gelegenen, verschlafenen Ortschaft Gignac, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen.
Gorges du Gardon
Von einem Wanderparkplatz bei Poulx aus starten wir zu einer unserer bisher schönsten Wanderungen. Unser Ziel ist La Baume, die Ruine einer alten Mühle, die direkt am Ufer des Flusses Gardon liegt.
Schon der Abstieg in die Schlucht bietet eine unglaubliche Aussicht, die uns fast die Sprache verschlägt. Unten angekommen, umgibt uns eine tiefe Ruhe. Die Schönheit der Landschaft und die historische Ruine verleihen dem Ganzen das Gefühl, an einem wahrhaft magischen Ort zu sein. Wir können uns gar nicht sattsehen an dieser Kulisse und geniessen die friedliche Atmosphäre am Wasser in vollen Zügen.
Pont du Gard
Von La Baume aus ist der Pont du Gard nur eine knappe Stunde entfernt. Wir parken auf dem offiziellen Parkplatz, der inklusive Eintritt und Museum 9,50 € pro Person kostet. Dieses Bauwerk ist schlicht grandios und gilt als das besterhaltene Aquädukt aus der römischen Zeit; seit 1985 gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Das antike Meisterwerk versorgte Nîmes über eine 50 km lange Wasserleitung täglich mit rund 20’000 Litern Frischwasser. Die Brücke selbst ist 273 m lang und 49 m hoch. Sie besteht aus drei gut erhaltenen Ebenen, wovon die mittlere für Touristen zum Überqueren offensteht. Die oberste Ebene ist nur im Rahmen einer Führung (6 € Aufpreis) begehbar.
Im zugehörigen Museum wird der Bau dieser antiken Wasserleitung sehr informativ nachgestellt und erklärt. Wir erkunden die gesamte Umgebung ausgiebig und schiessen unzählige Fotos von diesem architektonischen Highlight.
Camargue
Der Wunsch, eine Meeresbrise zu schnuppern und beim Rauschen der Wellen zu erwachen, führt uns direkt in die Camargue. Unseren Schlafplatz wählen wir dieses Mal über Park4Night aus.
Die Domaine Paul Ricard Méjanes stellt einen grossen Parkplatz für Wohnmobile zur Verfügung. Hier kann man die Tiere und die Rodeo-Arena besichtigen. Leider hat das Restaurant geschlossen – schade, wir hätten die lokale Küche gerne ausprobiert! Dennoch bietet die Camargue viel Schönes, das es zu entdecken gilt.
Wir nehmen den Plage de Piémanson ins Visier. Im November scheint es kein Problem zu sein, hier direkt am Strand ein paar Tage zu verbringen. Sogar die Gendarmerie stört sich bei ihren regelmässigen Kontrollrunden nicht an unserer Anwesenheit. Trotz des Windes fühlen wir uns an dieser Ecke der Camargue sicher und pudelwohl.
Les Orgues d’Ille-sur-Têt
Nach ein paar Tagen am Meer fahren wir weiter Richtung Süden. Unser nächstes Ziel ist Ille-sur-Têt, das etwa eine halbe Stunde vor Perpignan liegt. Eingebettet in eine üppige, grüne Natur liegen hier die „Orgues d’Ille-sur-Têt“ vor der imposanten Kulisse der Pyrenäen.
Es handelt sich um faszinierende Gesteinsformationen aus Sand und Lehm, die über Jahrtausende durch Erosion entstanden sind. Beim Anblick dieser bizarren Säulen fühlt man sich ein bisschen wie im Bryce Canyon in den USA.
Obwohl man in einer knappen Stunde bereits alles gesehen hat, lohnt es sich definitiv, diesen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen. Die Kombination aus den hellen Erdtönen und dem Blick auf die teils schneebedeckten Berge im Hintergrund ist einfach beeindruckend.
Abschied von Frankreich
Wir fühlen uns in Frankreich sehr wohl. Sicherlich könnten wir hier noch viel mehr Zeit verbringen, um die vielseitigen Regionen zu erkunden, doch der Wunsch nach Wärme zieht uns nun weiter unaufhaltsam nach Süden.
































































