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2022.09.30 – 11.06 Utah

Zsolt
Zsolt – 2022.09.30 – 11.06 Utah

Das faszinierende Utah

Salt Lake City

Auf dem Highway 89, vorbei am markanten Wyoming Peak, führt uns unsere Reise direkt nach Utah. Wir haben uns riesig auf diesen Bundesstaat gefreut, der für seine fantastischen Landschaften und seine unglaubliche Farbenvielfalt bekannt ist. Einen idealen Stellplatz finden wir bei einem Cracker Barrel etwas ausserhalb von Salt Lake City, wo wir unkompliziert und kostenlos übernachten können. Von dort aus machen wir uns auf, die Hauptstadt des Mormonenstaates zu erkunden. Wir nutzen die TRAX Green Line, was absolut einfach funktioniert. Das Schienennetz ist mit der grünen, roten und blauen Linie super organisiert und bringt uns stressfrei ins Zentrum.

Zu Fuss erkunden wir die Stadt und laufen entlang der State Street bis hoch zum State Capitol. Der Aufstieg lohnt sich: Von hier oben haben wir eine hervorragende Aussicht auf die gesamte Stadt und die beeindruckende Umgebung mit den umliegenden Bergen. Es ist faszinierend zu sehen, wie die streng strukturierte Architektur der Stadt auf die raue Natur der Wasatch-Kette trifft. Wir geniessen die Atmosphäre und die ersten warmen Sonnenstrahlen Utahs, während wir unsere weiteren Ziele in diesem farbenfrohen Bundesstaat planen.

Die Buckhorn Draw Road

Nachdem wir von einem Einheimischen viel über die Sehenswürdigkeiten von Utah erfahren, brechen wir auf. Wir wissen, dass uns spärlich bewohntes Gebiet erwartet, und füllen daher vorher unsere Reserven gründlich auf. In dieser wunderbaren Naturlandschaft befahren wir die Buckhorn Draw Road. Sie ist eine etwa 90 Kilometer lange, befestigte Schotterpiste (Graded Gravel Road), die den Norden dieses Wüstengebiets mit der I-70 verbindet. Die Einsamkeit hier ist beeindruckend; wir geniessen die Ruhe und die weite Sicht, während unser Fahrzeug über den trockenen Boden rollt.

„Little Grand Canyon“ am Wedge Overlook

Es folgt ein lohnenswerter Abstecher zum Wedge Overlook. Hier bietet sich uns ein spektakuläres Bild: Der San Rafael River frisst sich seit Millionen von Jahren zwischen massiven Felsplatten aus Schiefer, Sand- und Kalkstein hindurch. Nicht umsonst wird dieser Ort auch als „Little Grand Canyon“ bezeichnet. Die Tiefe und die verschiedenen Farbschichten der Felsen sind atemberaubend und lassen uns einmal mehr über die gewaltige Kraft der Erosion staunen.

Buckhorn Wash Pictograph Panel

Im weiteren Verlauf der Strecke stossen wir auf das über 2’000 Jahre alte, farbige Buckhorn Wash Pictograph Panel. Über die Menschen, die diese Bilder malten – die sogenannten Barrier Canyon People –, weiss man heute leider nur wenig. Bekannt ist lediglich, dass sie vorwiegend als Jäger und Sammler lebten. Da sie Pfeil und Bogen noch nicht kannten, benutzten sie zum Jagen ihrer Beute den Atlatl, eine Art Schleuderspeer. Die lebensgrossen, geisterhaften Figuren an der Felswand wirken fast so, als würden sie uns aus einer längst vergessenen Zeit beobachten.

Moab

In Moab können wir nach einer Woche im Backcountry endlich unsere Vorräte auffüllen, das Trinkwasser ergänzen und tanken. Die Stadt ist der ideale Ausgangspunkt, da von hier aus gleich mehrere weltberühmte Ziele erreichbar sind: der Arches National Park, der Canyonlands National Park und der Dead Horse Point State Park. Es herrscht eine lebendige Atmosphäre, und man trifft Reisende aus aller Welt, die alle das gleiche Ziel haben: die roten Felsen Utahs zu erkunden. Wir nutzen die Zeit in der Zivilisation, um alles für die nächsten Abenteuer vorzubereiten.

Arches National Park

Der Arches National Park ist für seine über 2’000 natürlichen Steinbögen bekannt und ein absolutes Muss auf unserer Reise. Wir bestaunen diese faszinierenden Formationen auf zahlreichen Wanderwegen, die uns zwischen den Aussichtspunkten hindurchführen. Die leuchtend roten Felsen gegen den tiefblauen Himmel bieten Kontraste, die fast unwirklich erscheinen. Besonders beeindruckend ist es zu sehen, wie die Erosion über Jahrmillionen hinweg solch filigrane Kunstwerke wie den Delicate Arch oder den Landscape Arch geschaffen hat. Jeder Schritt durch diesen Park fühlt sich an wie ein Gang durch eine gigantische Freiluftgalerie der Natur.

Canyonlands

Die Canyonlands sind der grösste Nationalpark Utahs und ein einmaliges Naturparadies inmitten des Colorado-Plateaus. Markante rote Felsen, natürlich entstandene Felsbögen und eine Aussicht, die unendlich bis zum Horizont zu reichen scheint, machen diesen Park zu einem der schönsten in den gesamten USA. Die gewaltigen Ausmasse der Schluchten, die der Colorado und der Green River hier in das Gestein gegraben haben, lassen uns ehrfürchtig staunen. Es ist eine Wildnis, die in ihrer rohen Schönheit kaum zu übertreffen ist.

Der Shafer Trail

Ein absolutes Highlight unserer Reise ist die Fahrt auf dem berühmt-berüchtigten Shafer Trail. Wir starten oben am Plateau und schlängeln uns über die engen Serpentinen hinunter. Die Strecke führt uns über die Potash Road den ganzen Weg zurück bis nach Moab. Dabei bietet sich uns ein ständiger Wechsel aus spektakulären Tiefblicken und bizarren Gesteinsformationen. Diese Fahrt erfordert volle Konzentration, belohnt uns aber mit Eindrücken, die wir so schnell nicht vergessen werden.

Den Film über dieser Fahrt könnt ihr hier nachschauen

Mesa Verde

Auf unserem Weg in Richtung Blanding machen wir einen kleinen Umweg nach Colorado. Unweit der Grenze liegt der Mesa Verde National Park, ein Ort von unschätzbarem archäologischem Wert. Funde in dieser Region belegen, dass hier bereits seit 7’500 v. Chr. Menschen leben. Ab dem Jahr 650 n. Chr. entstehen die ersten Pueblos, die stetig weiterentwickelt werden. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden diese Siedlungen schliesslich um die grossen, massiven Klippenwohnungen erweitert, die heute so berühmt sind.

Wir bestaunen die kunstvoll in die Felsnischen gebauten Behausungen, die einen faszinierenden Einblick in die Architektur und das soziale Leben der frühen Bewohner bieten. Doch die Geschichte nimmt eine dramatische Wendung: Im Jahr 1285 verlassen die Pueblo-Indianer das Gebiet nach einer verheerenden Dürreperiode fluchtartig in Richtung Süden. Zurück bleiben diese beeindruckenden Bauwerke unter den Felsüberhängen, die uns heute als stumme Zeugen einer hochentwickelten Kultur dienen. Es ist ein bewegendes Erlebnis, zwischen diesen uralten Ruinen zu stehen und über das Schicksal ihrer Erbauer nachzudenken.

Four Corners

Von Colorado aus in Richtung Bluff passieren wir das Four Corners Monument. Es ist der einzige Ort in den Vereinigten Staaten, an dem sich vier Bundesstaaten an einem einzigen Punkt kreuzen: Utah, Colorado, New Mexico und Arizona. Im Südosten von Utah gibt es dutzende sehenswerte Gebiete. Zwischen Sandsteinfelsen und dem San Juan River, auf dem Trail of the Ancients Scenic Byway, liegt Bluff. Hier beginnen wir unsere Entdeckungstour durch diese geschichtsträchtige Region.

Bluff Fort

Im Visitor Center in Bluff tauchen wir tief in die bewegende Ausstellung über die Pioniere ein. Hier erfahren wir viel über die Entbehrungen der damaligen Zeit. Wir schreiben das Jahr 1879: Damals brechen 250 Pioniere der Kirche „Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ auf, um das Gebiet am San Juan River zu kolonisieren. Ihr Ziel ist es, Frieden mit den Navajo-Indianern zu schliessen und ihr „Königreich Zion“ auszudehnen. Es ist eine Mission, die von extremem Glauben und Durchhaltewillen geprägt ist.

Was ursprünglich als ein sechswöchiger Trip geplant ist, entwickelt sich zu einer sechsmonatigen Odyssee über 260 Meilen unter härtesten winterlichen Bedingungen. Besonders beeindruckend ist das Schicksal am Hole-in-the-Rock: Die Männer meisseln und sprengen sechs Wochen lang unter grösster Anstrengung einen Pfad durch einen 350 Meter hohen, fast senkrechten Abhang in den Sandsteinklippen. Nur so ist es möglich, ihre schweren Wagen durch die Klippen zum Fluss hinunterzubringen. Diese Spur ist als Zeugnis menschlicher Entschlossenheit noch heute am Lake Powell sichtbar.

Comb Ridge

Vom Ranger in Bluff erhalten wir eine detaillierte Karte der Lower Butler Wash Road entlang des Comb Ridge. Auf unseren Wanderungen entdecken wir faszinierende Zeugnisse der Vergangenheit: gemalte Handabdrücke, hunderte Piktogramme und Felsen mit sogenannten Metaten (Mahlvertiefungen für Getreide). Wir finden Keramikscherben und verschiedene Klippenwohnungen, die in den Felsnischen versteckt liegen. Immer wieder treffen wir auf Offroad-Enthusiasten mit ihren ATVs oder Side-by-Side-Fahrzeugen, die hier ihr Hobby ausleben.

Das Campieren ist hier unproblematisch, da das Gebiet dem BLM (Bureau of Land Management) untersteht. Wir nutzen diese kostenlosen Übernachtungsmöglichkeiten und geniessen die völlige Abgeschiedenheit. Die absolute Stille der Wüste wird nur manchmal durch das ferne Heulen von Wölfen unterbrochen – ein Gänsehautmoment unter dem weiten Sternenhimmel Utahs.

Valley of the Gods

Wir können uns an diesen atemberaubenden Naturschönheiten einfach nicht sattsehen. Das Valley of the Gods zieht uns völlig in seinen Bann. Die Übernachtung inmitten dieser roten Felsmonolithen werden wir so schnell nicht vergessen. Es herrscht eine unbeschreibliche Stille, während sich über uns ein funkelnder Sternenhimmel ausbreitet, wie man ihn nur in der Wüste findet. Die dunklen Silhouetten der riesigen Felsformationen gegen das Sternenzelt wirken fast wie Wächter aus einer anderen Welt. Es ist einer dieser Momente, in denen man die Zeit völlig vergisst.

Mexican Hat und Goosenecks State Park

Unsere Reise führt uns weiter zum Mexican Hat, einer kuriosen Felsformation, die exakt wie ein auf dem Kopf stehender Sombrero aussieht. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Natur solche Skulpturen formt. Nur ein kurzes Stück weiter erreichen wir den Goosenecks State Park. Hier blicken wir hunderte Meter tief in die gewaltigen Windungen des San Juan River. Der Fluss hat sich hier in engen Kehren, den sogenannten „Goosenecks“ (Gänsehals-Schlingen), tief in das Gestein gegraben. Das Panorama ist schwindelerregend und zeigt uns einmal mehr die unbändige Kraft der Erosion über Millionen von Jahren.

Bryce Canyon

Der Besuch im Bryce Canyon National Park gehört zum Pflichtprogramm aller Utah-Besucher. Kurz vor dem Parkeingang finden wir einen wunderschönen Übernachtungsplatz auf BLM-Land – mehr brauchen wir nicht, um glücklich zu sein. Am nächsten Morgen wandern wir den Doppel-Loop. Unsere „Eulenperspektive“ von ganz unten lässt die riesigen Hoodoos noch gigantischer wirken. Die geologischen Gesteinsformationen sind durch die Auswaschungen von Wind und Wasser in ihren Farbtönen, aber auch durch verschiedene Sand- und Salzeinlagerungen, hervorragend zu erkennen. Es ist ein Labyrinth aus Farben und Formen.

Als wir schliesslich den höchsten Punkt im Nationalpark, den Rainbow Point, erreichen, ändert sich die Stimmung schlagartig. Schwarze Wolken ziehen auf und es beginnt stürmisch zu winden. Wir befinden uns hier auf 2’760 m ü. M., und die Temperaturen sinken rapide unter den Gefrierpunkt. Wir entscheiden uns daher für eine schnelle Runde zu den verschiedenen Aussichtspunkten und fahren zügig wieder in tiefere Lagen hinunter. Die Kraft der Natur ist hier oben, so nah am Himmel, unmittelbar spürbar und gebietet uns Respekt.

Page

In Page treffen wir Tanja, Gunnar und Baloo und verbringen einige wunderschöne Tage zusammen. Es ist herrlich, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Pünktlich zum Wochenende findet die jährliche Page Lake Powell Balloon Regatta statt – ein Ereignis, das die ganze Stadt in Atem hält. An die 50 farbenfrohe Heissluftballone steigen bei Sonnenaufgang auf und schweben majestätisch über die beeindruckende Landschaft von Arizona. Der Anblick der bunten Punkte vor dem roten Sandstein und dem blauen Himmel ist einfach magisch.

„Balloon Glow“

Freitag und Samstag geniessen wir die ausgelassene Stimmung auf der Street Fair. Es gibt verschiedene Leckereien und Livemusik, die sich vom Nachmittag bis in den späten Abend hineinzieht. Der absolute Höhepunkt ist jedoch am Samstagabend: die traditionelle Balloon Glow Veranstaltung. Die Piloten zünden regelmässig ihre Propangasbrenner, um die Ballons mit heisser Luft aufgeblasen zu halten. Dadurch leuchten die riesigen Hüllen in der Dunkelheit wie gigantische Glühbirnen oder chinesische Laternen. Es ist ein spektakuläres Schauspiel, das uns und das restliche Publikum völlig verzaubert.

Der Grand Canyon

Der Grand Canyon sprengt alle Vorstellungen: Er ist etwa 450 Kilometer lang, zwischen 6 und 30 Kilometer breit und bis zu 1’800 Meter tief. Wir geniessen die Aussicht vom North Rim hinunter auf den Colorado River, der sich in der Tiefe wie ein kleiner Faden durch das Gestein windet. Der Anblick ist schlichtweg gigantisch. Im Vergleich zum oft überlaufenen South Rim erleben wir hier oben eine deutlich ruhigere Atmosphäre, die es uns erlaubt, die monumentale Stille dieses Weltwunders richtig aufzusaugen.

„The Wave“

Eine weitere sensationelle Naturschönheit ist The Wave. Um dem enormen Besucheransturm Herr zu werden, muss man mittlerweile online an einer Verlosung teilnehmen. Der Einsatz beträgt 10 Dollar; gewinnt man, wird dieser Betrag auf den Ticketpreis angerechnet. Bei einer Niete verbleibt das Geld beim Veranstalter. Wir versuchen unser Glück zweimal und unterstützen beide Male die Veranstalter, ohne ein Ticket zu ergattern. Doch wir lassen uns die Laune nicht verderben.

Utah in Zahlen:
 • 41 Tage unterwegs
 • 3´834 Km gefahren
 • 3 Campgrounds
 • 0 Pannen

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