2020.10.05 – 10.11. Polen
Durch Polen, Teil 3
Boxenstopp bei Scania
Zum ersten Mal müssen wir eine Scania-Werkstatt aufsuchen. Die Diagnose ist eindeutig: Die Starter-Batterien erbringen nur noch 25 % und 40 % ihrer Leistung. Kurzerhand kaufen wir zwei neue. Während das Fahrzeug über der Grube steht, fällt zudem eine undichte Dieselleitung auf, die sofort ersetzt wird. Für einen besonderen Moment sorgt der Werkstattchef: Er überrascht uns mit zwei Portionen Mittagessen – ein außergewöhnlicher Kundenservice! Kurz nach der Mittagspause setzen wir unsere Fahrt in Richtung Białowieża-Nationalpark fort.
Grabarka-Klasztor
Da im Osten die Sonne früher untergeht, suchen wir zeitig nach einer geeigneten Übernachtungsmöglichkeit. Dabei stoßen wir auf einen großen Parkplatz mitten im Wald. Er gehört zur orthodoxen Pilgerstätte Grabarka-Klasztor.
Bei einem Spaziergang über den heiligen Berg spürt man förmlich eine spirituelle Kraft. Wir bewegen uns zwischen tausenden von Kreuzen, die dort seit Jahrhunderten als Hilferufe in schwierigen Lebenssituationen aufgestellt werden. Am Fuße des Berges waschen sich Menschen mit dem heiligen Wasser aus dem Brunnen und füllen Trinkflaschen ab. Wieder einmal bestätigt sich für uns: Zufälle führen oft zu den schönsten Zielen.
Rezerwat Pokazowy Żubrów
Die Straße Nr. 689 führt von Hajnówka in Richtung Białowieża durch eine Baumallee von unbeschreiblicher Schönheit, bevor sie im letzten Urwald Europas endet. Kurz vor Białowieża entdecken wir das Schild „Rezerwat Pokazowy Żubrów“ mit praktischen Parkmöglichkeiten.
In diesem Reservat werden auf über 27 Hektar unter naturnahen Bedingungen unter anderem Wisente, Tarpanpferde, Hirsche, Elche, Wölfe und Luchse in grosszügigen Gehegen gehalten. Es ist faszinierend, diese Tiere in einer Umgebung zu beobachten, die ihrem natürlichen Lebensraum so nahekommt.
Vor dem Eingang bieten einheimische Imker verschiedene Honigsorten aus nahegelegenen Bienenstöcken an. Wir nutzen die Gelegenheit und decken uns für die Wintermonate mit besonderen Kreationen wie Honig-Schokolade und Honig-Himbeere ein. Wir freuen uns schon jetzt auf diese aussergewöhnlichen Geschmackserlebnisse.
Białowieża
Bei Białowieża erstreckt sich ein Naturschutzgebiet, das als der wahrscheinlich letzte unberührte Urwald Europas gilt. Während der Großteil des über 1500 Km2 grossen Gebietes für jedermann frei zugänglich ist, darf man die Kernzone ausschliesslich in Begleitung eines ausgebildeten Guides betreten. Wir buchen eine vierstündige Tour, die uns direkt in die Mitte des Urwaldes führt.
Unsere Begleiterin Maria vermittelt uns mit grossem Fachwissen unzählige Details über Flora und Fauna. Erstaunlicherweise kennt sie nicht nur die deutschen und lateinischen Namen der Pflanzen, sondern erklärt uns auch deren spezifischen Zweck und Nutzen in der Naturkunde.
Die Highlights unserer Tour sind beeindruckend:
- Gewaltige Stieleichen, die seit Jahrhunderten thronen.
- Die grösste Gemeine Esche der Welt.
- Eindrückliches Totholz, das als wichtiger Lebensraum im Wald liegt oder steht.
- Eine faszinierende Vielfalt an Pilzen, von denen einige Arten weltweit nur in diesem Wald vorkommen.
Auf dem Rückweg lassen wir unseren Gedanken freien Lauf und fühlen uns wie beim Verlassen einer Märchenwelt. Wir erkunden den Palastpark, der in der Neuzeit ein wesentlicher Bestandteil der privaten Jagdresidenz der russischen Zaren war. Ein Obelisk aus dem Jahr 1752 bezeugt zudem den Aufenthalt des polnischen Königs August III. in Białowieża und erinnert an die lange Geschichte dieses Ortes.
Augustów
Die Fahrt über Białystok in Richtung Litauen führt uns in die grösste Seenlandschaft Polens: die Masurische Seenplatte. In Augustów legen wir einen Zwischenstopp ein und entschließen uns nach einem kurzen Spaziergang, spontan zu bleiben. Trotz des kühlen Wetters lockt uns das Wasser, und wir planen einen Ausflug mit dem Katamaran.
Die vierstündige Schifffahrt beginnt um 10:00 Uhr und führt uns zunächst über den Necko-See. Ein besonderes Erlebnis ist die Passage durch eine historische Schleuse, die uns auf den Białe-See bringt. Dort legen wir für eine halbstündige Pause auf einer Halbinsel an. Wir nutzen die Zeit für einen kleinen Spaziergang zu einer Kapelle und zum Denkmal von Papst Johannes Paul II., um uns die Beine zu vertreten.
Nach der Rückfahrt spazieren wir noch ein wenig durch die Stadt. Ein technisches Highlight sticht dabei besonders hervor: der über 100 km lange Augustów-Kanal. Dieses beeindruckende Bauwerk verbindet mit insgesamt 18 Schleusen die Weichsel mit der Memel. Abgesehen von diesem Kanal finden wir im Stadtzentrum jedoch keine weiteren nennenswerten Sehenswürdigkeiten.
Wigierski Park Narodowy
Das Kloster der Kamaldulenser liegt spektakulär auf einer Halbinsel, die vom bis zu 72 Meter tiefen Wigry-See umschlossen wird. Von hier aus bietet sich ein traumhafter Blick auf die unberührte Landschaft des Wigry-Nationalparks. Schon die Fahrt durch diese wunderbare Naturkulisse erfüllt uns mit höchster Begeisterung.
Obwohl die Eremiten das Kloster bereits vor über 200 Jahren verlassen haben, ist die spirituelle Aura des Ortes noch immer spürbar. Die burgförmige Anlage, im barocken Stil mit Ziegelsteinen erbaut, wird im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört.
Im Jahr 1950 beginnt der mühsame Wiederaufbau dieses historischen Erbes. Seit 1973 ist die Anlage an den polnischen Staat vermietet und dient heute als lebendiges Kulturzentrum, das Geschichte und Natur perfekt miteinander verbindet.























































