2021.12.23 – 2022.01.13 Spanien
Durch Spanien, Teil 2
Almería
Auf dem Weg nach Süden durchqueren wir das Gebiet um Almería. Hier erstreckt sich ein unendlich scheinendes Plastikmeer aus Gewächshäusern. Um dreimal im Jahr ernten zu können, werden die Plantagen mit Folien bedeckt und das Grundwasser für die Bewässerung entzogen. Billige Erntehelfer leben hier in notdürftigen Baracken unter schrecklichen Bedingungen. Das ist der Preis dafür, dass wir das ganze Jahr über frisches Gemüse möglichst günstig in unseren Läden erhalten.
Roquetas de Mar
Weihnachten steht vor der Tür und unsere To-do-Liste ist lang:
- Unser Body verliert Öl am Retarder.
- Die Wäsche muss dringend gewaschen werden.
- Im Kühlschrank herrscht gähnende Leere.
Roquetas de Mar liegt optimal, um all dies unter einen Hut zu bringen. Wir stellen uns zu den hunderten anderen Wohnmobilen auf den Parkplatz direkt am Meer. Um die Vorräte aufzufüllen, haben wir die Wahl zwischen Carrefour, Lidl, Mercadona und diversen kleinen Läden. Zudem findet jeden Donnerstag unweit vom Platz ein grosser Markt mit frischem Gemüse, lokalen Produkten und Kleidung statt.
Wir haben grosses Glück: Für die Reparatur unseres Bodys bekommen wir gleich am nächsten Tag einen Termin. So können wir die Weihnachtstage entspannt hier verbringen, bevor wir schliesslich Richtung Sierra Nevada aufbrechen.
Tabernas
Wer sich einmal wie im Wilden Westen fühlen möchte, sollte unbedingt nach Tabernas fahren! Nur 23 km von Almería entfernt liegt diese faszinierende Wüstenlandschaft. Sie ist nicht nur die einzige echte Wüste Europas, sondern auch weltberühmt als Drehort unzähliger Westernklassiker der 60er- und 70er-Jahre.
Wir starten am Parkplatz von „Oasys Mini Hollywood“, das bei unserem Besuch allerdings geschlossen ist. Direkt hinter dem Parkplatz führen Holztreppen hinunter in die sogenannten Ramblas – die meist trockenen Flussbetten. Wir wandern durch diese beeindruckende Kulisse bis zur berühmten Oase von Tabernas. Hier wurden unter anderem Szenen für den Monumentalfilm „Lawrence von Arabien“ gedreht.
Die spektakuläre Landschaft mit ihren bizarren Felsformationen zieht uns sofort in ihren Bann. Es ist ein einmaliger Ort zum Wandern und bietet unzählige Motive zum Fotografieren. Wir sind von dieser wilden, rauen Schönheit sehr angetan und geniessen die Stille der Wüste.
Fort Bravo
Fort Bravo ist ein mit Westernkulissen aufgebautes Dorf, in dem man sich wunderbar in Nostalgie versetzen lassen kann. Überall entdecken wir Gebäude und Requisiten aus den Lieblingsfilmen unserer Generation, wie zum Beispiel „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ oder „Der Schuh des Manitu“.
Im Saloon wird zweimal täglich eine unterhaltsame Westernszene vorgeführt. Danach gibt es das Angebot, eine Kutschenfahrt zwischen den Filmkulissen zu unternehmen. Trotz unserer spärlichen Spanischkenntnisse amüsieren wir uns prächtig. Das leidenschaftliche Engagement der Schauspieler kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses „Dorf“ seine goldenen Zeiten hinter sich hat. Alles wirkt ziemlich vernachlässigt und dem Verfall überlassen.
Mit 20 Euro ist der Eintritt nicht gerade günstig. Es ist schade, dass offensichtlich nur wenig Geld in die Aufrechterhaltung der Anlage investiert wird. Nach diesem ereignisreichen Tag suchen wir uns einen ruhigen Platz zwischen den markanten Felswänden, wo sich einst „Indianer“ und „Cowboys“ in den Filmen verfolgten, und geniessen die einsame Stille der Wüste.
Canjáyar
Canjáyar ist ein charmantes Dorf mit etwas mehr als 1000 Einwohnern am Fusse der Sierra Nevada. Eigentlich wollen wir bei der Feuerwehrstation nur die gratis Ver- und Entsorgung nutzen, doch es kommt anders: Wir treffen überraschend Uschi und Christoph wieder, die wir bereits aus Tabernas kennen.
Schnell vergrössert sich unsere kleine Camper-Gruppe um Romi, Heiko, Achim und Birgit. Gemeinsam feiern wir Silvester und stossen beim Feuerwerk der Gemeinde um Mitternacht auf ein glückliches neues Jahr an.
Beim Neujahresspaziergang durch das festlich dekorierte Dorf entdecken wir eine Kuriosität: einen riesigen, handgestrickten Weihnachtsbaum – ein echtes Gemeinschaftswerk der einheimischen Frauen! Durch verwinkelte Gassen steigen wir zur kleinen Kapelle oberhalb des Dorfes auf und geniessen das Panorama. Auf dem Rückweg decken wir uns bei der „Olivarera la Santa Cruz“ im Fabrikladen mit hochwertigem Olivenöl und Essig ein.
Padules
Mit dem Motorrad erkunden wir die Umgebung und besuchen die Naturschönheit von Padules (Las Canales). Ein steiler Weg führt uns hinunter zum Fluss, wo wir entlang des Wassers bis zu einem Wasserfall mit Naturpool wandern. Ein einheimischer Hund begleitet uns treu den ganzen Weg zurück bis zum Parkplatz – leider haben wir kein Leckerli für unseren vierbeinigen Begleiter dabei.
Sierra Nevada
Mit der Zeit verändert sich unser Reisetempo komplett. Wir nehmen es viel gemütlicher, denn unsere Reise ist nicht mehr auf wenige Ferienwochen im Jahr eingeschränkt. Es ist uns nicht wichtig, schnell viele Sehenswürdigkeiten abzuklappern – für uns ist der Weg das Ziel. Nach zehn Tagen in Canjayar brechen wir schliesslich Richtung Sierra Nevada auf.
Unsere Route führt uns über die A348 und weiter über die kurvenreichen Bergstrassen A4130 und A4132. Für Januar ist es ungewöhnlich warm; das Thermometer zeigt 30 °C in der Sonne an. Überall am Wegrand ziehen unzählige blühende Mandelbäume an uns vorbei. Wie schön diese Landschaft ist, lässt sich kaum in Worte fassen – unsere Bilder sprechen hier für sich.
In Trevélez, einem der höchsten Dörfer Spaniens, legen wir einen Halt ein. Wir nutzen die Gelegenheit und decken uns mit dem berühmten lokalen Serranoschinken und feinen Käsesorten ein, bevor wir unsere Fahrt durch die beeindruckende Bergwelt fortsetzen.
Pampaneira
Wir freuen uns sehr auf unser Abendessen mit den lokalen Köstlichkeiten. In Pampaneira schlafen wir zwei Nächte auf einem öffentlichen Parkplatz oberhalb der Ortschaft. Das Wetter ist zwar nicht mehr so warm, doch das dämpft unsere Lust keineswegs, das kleine Dorf und die Umgebung zu entdecken.
Die engen, steilen Gassen zwischen den weissen Häusern sind typisch für diese Bergregion und versprühen einen besonderen Charme. Von hier aus führt uns ein Wanderweg am Río Poqueira entlang bis zu einem Wasserfall. Dort lassen sich noch die Ruinen einer alten Mühle erkennen, die hier früher betrieben wurde.
Bei einer Brücke führt ein steiler Pfad hoch auf das Plateau zu einer Rundwanderung. Da sich das Wetter jedoch sichtlich verschlechtert, entscheiden wir uns für die Rückkehr ins Dorf. Das ist ein Glück, denn kaum kommen wir an, fängt es auch schon heftig an zu regnen. Wir machen es uns in unserem Body gemütlich.
Granada
Granada ist eine Stadt in der Region Andalusien in der Nähe zu Sierra Nevada. Berühmt für seine mittelalterliche Architektur, vor allem die Alhambra. Es ist eine der bedeutendste und meistbesuchte Stadtburg Spaniens aus dem maurischen Zeitalter, im Stil der islamischen Kunst gebaut.
In der Hauptsaison wird empfohlen Tickets im Voraus zu kaufen, da der Andrang sehr gross ist. In der Nebensaison müssen wir nicht lange an der Kasse warten, es geht schnell voran. Pass oder ID darf man nicht vergessen mitzunehmen, ohne das kommt man nicht rein. Es gibt verschieden Arten vom Tickets, wir wählen den Tagesbillet für 14 €/P, mit dem man alle Teile der Palast frei besichtigen kann. Einzig der Einlass zum Nasridenpalast wird man zu einer festen Zeit zugewiesen.
Wir folgten die Route nach dem extra zugemietete Audioguide, der diese Zeitepoche sehr interessant und informativ darstellt. Man sollte für diese riesige Burganlage genügend Zeit einplanen, man könnte hier den ganzen Tag verweilen.





































































