2023.01.08 – 02.27 USA Südstaaten
Durch die Südstaaten der USA, Teil 3
Die State Route 89A ist eine landschaftlich beeindruckende Strasse, die uns durch einige der schönsten Regionen Arizonas führt. Sie erstreckt sich von Flagstaff über Sedona bis nach Prescott. Unsere Entscheidung, diese Strecke zu wählen, wird mit spektakulären Ausblicken auf tiefe Canyons und dichte Wälder belohnt. Die Strasse ist gut ausgebaut, aber äusserst kurvenreich – ein echtes Erlebnis für jeden Fahrer.
Interessanterweise sehen wir hier oben zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Schnee. Die Temperaturen sind spürbar gesunken und liegen nun unter 10 °C. Der Kontrast zwischen den weissen Flocken auf den grünen Ponderosa-Kiefern und dem späteren Übergang in die roten Sandsteinformationen ist faszinierend.
Sedona
In Sedona legen wir einen Halt ein und besuchen das Tlaquepaque Arts & Crafts Village. Diese wunderschöne, im mexikanischen Stil gestaltete Einkaufs- und Kunstgemeinde wurde bereits in den 1970er Jahren gegründet. Der Name stammt aus dem Nahuatl und bedeutet sinngemäss „das Beste von allem“ – und das passt perfekt.
Die gesamte Anlage ist von riesigen, alten Platanen umgeben, die den charmanten Innenhöfen Schatten spenden. Mit ihren Kopfsteinpflasterwegen, den kunstvollen Brunnen und der einzigartigen Architektur aus Stuck und Schmiedeeisen versprüht die Siedlung eine ganz besondere Atmosphäre. Wir schlendern gemütlich durch die Galerien und finden sogar noch einige kleine Mitbringsel für unsere Familie in der Schweiz.
Auf der „Mother Road“: Von Williams nach Kingman
Bei Flagstaff biegen wir endlich auf die historische Route 66 ab. Die Strasse führt uns nach Westen bis nach Williams. Wir erreichen den Ort kurz vor Einbruch der Dunkelheit und haben Glück: Wir finden gerade noch einen geöffneten Campground für die Nacht. Williams ist bekannt als das Tor zum Grand Canyon und hat sich seinen ursprünglichen Charme mit den vielen Leuchtreklamen und alten Diners hervorragend bewahrt.
Kingman
Am nächsten Morgen folgen wir der historisch alten Strasse weiter bis nach Kingman. Die Siedlung, die bereits im Jahr 1882 gegründet wurde, entwickelte sich rasch zu einer bedeutenden Stadt mit einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt. Mit der Eröffnung der Route 66 in den 1920er Jahren erlebt Kingman einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Stadt wird zu einem zentralen Halt für Reisende entlang der berühmten „Mother Road“.
Heute halten zahlreiche Museen – wie das berühmte Arizona Route 66 Museum – und viele gut erhaltene Gebäude die reiche Geschichte der Region lebendig. Wir geniessen die Fahrt durch die Stadt, vorbei an Lokomotiven und klassischen US-Cars, die hier zum Stadtbild gehören.
Chloride
Die letzte Nacht vor unserer Ankunft in Las Vegas verbringen wir in Chloride, der ältesten kontinuierlich bewohnten Bergbaustadt Arizonas. Gegründet in den 1860er Jahren, als hier reiche Silbervorkommen entdeckt wurden, versprüht der Ort heute eine wunderbare Ruhe. Wir kommen spät an, haben aber Glück: Im einzigen Restaurant des Dorfes werden wir kurz vor Ladenschluss noch freundlich empfangen und geniessen ein feines Steak zum Abendessen.
Las Vegas
Während unseres Aufenthalts in Las Vegas bereiten wir uns intensiv auf die bevorstehende Heimreise vor. Wir haben einen Stellplatz im Oasis RV Park bezogen. Mit 86 USD pro Nacht ist der Aufenthalt zwar kein Schnäppchen, doch dafür sind die monatlichen Lagerkosten für unser Fahrzeug hier etwas günstiger.
Wir nutzen die Zeit effizient: Nachdem wir unsere Fahrzeuge und die gesamte Kleidung gründlich gereinigt haben, packen wir die Koffer. Sorgfältig bereiten wir das Innere unseres Wohnmobils „Bodyduck“ darauf vor, nun vier Wochen lang allein zu bleiben. Alles wird winterfest gemacht und sicher verstaut.
Heimaturlaub
Am Flugtag wird Bodyduck auf einem geschlossenen, sicheren Areal umparkiert. Wir verabschieden uns für eine Weile von unserem treuen Begleiter und fahren mit einem UBER zum Flughafen. Unser Flug mit der Swiss führt uns über eine weite Strecke: von Las Vegas (LAS) über San Francisco (SFO) und Frankfurt (FRA) bis nach Basel (BSL).
Wir freuen uns riesig darauf, die kommenden Tage mit unserer Familie und unseren Freunden in der Schweiz in vollen Zügen zu geniessen. Diese Zeit ist uns besonders kostbar. Dennoch wissen wir schon jetzt: Wir fliegen nach diesen vier Wochen gerne wieder zurück, um unser Abenteuer und unsere Reise mit frischer Energie weiterzuführen.
Bodyduck wartet
Nach vier ereignisreichen Wochen in der Schweiz kehren wir nach Las Vegas zurück und finden unseren Bodyduck zum Glück völlig unversehrt vor. Um in Ruhe aus- und einzupacken, stellen wir uns für die erste Zeit wieder auf einen normalen Stellplatz im Oasis RV Park. Es fühlt sich gut an, wieder in den eigenen vier Wänden auf Rädern zu sein. Erst am nächsten Tag verlassen wir den Park endgültig und fahren direkt zum grossen Lebensmitteleinkauf, um unsere Vorräte für die nächsten Abenteuer aufzufüllen.
Fremont Street
Am Abend zieht es uns ins alte Herz von Las Vegas: auf die Fremont Street. Spätestens hier, unter dem gigantischen LED-Himmel und inmitten der lauten Musik, der Strassenkünstler und der blinkenden Casinos, wird uns schlagartig bewusst: We are back in the USA! Die Energie dieses Ortes ist überwältigend und bildet den perfekten, wenn auch schrillen Kontrast zu unseren ruhigen Wochen in der Heimat. Wir geniessen das bunte Treiben und lassen uns von der typisch amerikanischen „Over-the-top“-Atmosphäre mitreissen.
Zurück auf der Mother Road: Kurs West
Nachdem alle Vorräte aufgefüllt sind, verlassen wir diese verrückte, aber tolle Stadt Las Vegas und steuern genau den Punkt an, an dem wir unsere Reise vor vier Wochen unterbrochen haben. Bei Kingman biegen wir wieder auf die legendäre Route 66 ab. Unser Ziel ist klar: Wir wollen dieser geschichtsträchtigen Strasse folgen, solange sie existiert.
Die Fahrt führt uns über den spektakulären Sitgreaves Pass. Die Strasse windet sich hier in engen Kehren durch die Black Mountains und bietet uns atemberaubende Ausblicke auf die schroffe Wüstenlandschaft. Unser Ziel ist die ehemalige Goldgräberstadt Oatman, die uns mit ihrer authentischen Western-Atmosphäre empfängt.
Besonders charmant sind die wildlebenden Esel (Burros), die frei durch die Strassen spazieren und darauf warten, von den Besuchern mit Karotten verwöhnt zu werden. Man fühlt sich wie in eine andere Zeit versetzt, wenn man zwischen den alten Holzfassaden flaniert.
Die letzten Meilen in den USA
Unser grosses Ziel rückt näher: Bis Ende Februar wollen wir die USA verlassen und nach Mexiko ausreisen. Vor uns liegen noch etwa 300 Kilometer bis zur Grenzstadt Tecate, die uns von vielen Reisenden als kleiner und unkomplizierter Grenzübergang empfohlen wurde. Bevor wir jedoch die Grenze überqueren, geniessen wir noch zwei Übernachtungen auf US-Boden.
Riverside
Unser erster Halt führt uns nach Riverside. Wie empfohlen, unternehmen wir einen ausgiebigen Spaziergang im Stadtpark. Es ist eine willkommene Abwechslung, sich in einer gepflegten Parkanlage die Beine zu vertreten, bevor es wieder auf die Strasse geht. Die entspannte Atmosphäre der Stadt lässt uns noch einmal tief durchatmen.
Julian: Ein verschneiter Abschied
Der zweite Stopp führt uns hoch in die Berge nach Julian, an der malerischen Bergstrecke der CA-79. Julian ist berühmt für seinen Apfelkuchen und seinen historischen Goldgräber-Charme. Als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster blicken, erwartet uns eine Überraschung: Es hat über Nacht geschneit! Die kleine Stadt ist in ein weisses Kleid gehüllt. Wir wissen: Dieser Schnee wird voraussichtlich für sehr lange Zeit der letzte sein, den wir auf unserer Reise sehen werden.
Den Ablauf der Grenzübertritt haben wir hier dokumentiert.
Südstaaten in Zahlen:
• 104 Tage unterwegs (abzüglich 4 Wochen Heimaturlaub)
• 6´209 Km gefahren
• 12 Campgrounds
• 5 Pannen
























































































