2023.02.28 – 03.10 Mexiko
Baja California (Mexico light), Teil 1
Hola México
Nach dem Grenzübertritt fahren wir sofort los Richtung Süden – in der Hoffnung, dass das Wetter bald sommerlich wird. Doch momentan regnet es ununterbrochen. Wir rätseln noch: Sind das Trauertränen, weil wir die USA verlassen haben, oder Freudentränen für die neuen Abenteuer, die vor uns liegen?
In der leicht hügeligen Umgebung kommt uns auf der Landstrasse der erste SCANIA entgegen. In diesem Moment wird uns wieder bewusst, dass wir mit unserem Bodyduck in ein Land eingereist sind, in dem diese Marke bestens vertreten ist. Ein schönes Gefühl von Heimat in der Fremde!
Kurz vor Ensenada entdecken wir abseits der Carr. 3 ein besonderes Restaurant: La Cocina de Doña Esthela. Sowohl die holprige Zufahrt als auch das fantastische Essen sind typisch mexikanisch. Es ist ein herzlicher, authentischer Empfang für unsere Gaumen – an diese Intensität der Gewürze werden wir uns sicher schnell gewöhnen! 🤣🤣
Ensenada
In Ensenada regnet es leider immer noch in Strömen. Unsere Suche nach Bargeld gestaltet sich zudem äusserst harzig. Entweder spucken die Geldautomaten (ATM) nur US-Dollar aus, sie funktionieren schlichtweg nicht, oder sie verlangen unverschämte Gebühren von 150 bis 170 Pesos… 🤯 Das ist ein kleiner Dämpfer zum Start, aber wir lassen uns nicht entmutigen.
Unsere allererste mexikanische Nacht verbringen wir schliesslich ruhig und sicher im Hafen von Ensenada. Das sanfte Schaukeln der Boote und das Prasseln des Regens begleiten uns in den Schlaf.
Der erste Morgen in Mexiko begrüsst uns mit etwas Sonnenschein. Wir nutzen die Gelegenheit für einen kurzen Spaziergang Richtung Zentrum von Ensenada. Da das Wasser nach dem Dauerregen auf den Strassen noch immer knöcheltief steht, wird jede Strassenüberquerung zu einem kleinen, ziemlich abenteuerlichen Balanceakt.
Doch das Ziel lohnt sich: Der lokale Fischmarkt übt auf uns eine magnetische Anziehungskraft aus. Da wir beide Fisch und Meeresfrüchte lieben, steht das heutige Abendessen schnell fest. Wir decken uns reichlich ein und füllen sogar unseren Tiefkühler mit einem Vorrat an fantastischen Riesencrevetten auf.
La Bufadora: Der fauchende Meeresgeysir
Unweit von Ensenada, auf der Halbinsel Punta Banda, befindet sich La Bufadora. Dieses spektakuläre Naturphänomen wollen wir uns als Nächstes ansehen.
Was ist La Bufadora? Es handelt sich um eines der grössten „Blowholes“ (Meeresgeysire) der Welt. Anders als echte Geysire ist La Bufadora nicht vulkanisch. Das Phänomen entsteht, wenn Meereswellen mit Wucht in eine teilweise unter Wasser liegende Felshöhle gepresst werden. Die darin eingeschlossene Luft wird extrem komprimiert und schiesst dann explosionsartig zusammen mit dem Wasser durch eine schmale Öffnung nach oben.
In Mexiko gibt es in den wenigsten Häuser Trinkwasser und Kühlschrank. Die Bewohner müssen sich von der zentrale Wasserabgabestelle Trinkwasser und Eis besorgen. Da gibt es in den meisten Ortschaften auch für uns die Möglichkeit unseren Tank zu füllen. Eigene Schlauch mit Wasserdieb ist natürlich erforderlich…. Pro 5Liter haben wir 17.50 MXP bezahlt….
Es gibt Momente auf der Reise, in denen man sich fragt, ob sich der Weg gelohnt hat. Die Zufahrt zu unserem jetzigen Stellplatz besteht aus 20 Kilometern übelster Waschbrett-Piste. Es rüttelt und schüttelt alles durch – eine Belastungsprobe für den Bodyduck und unsere Nerven. Ehrlich gesagt: Diese Strecke würden wir kein zweites Mal mehr auf uns nehmen. Doch kaum ist der Motor aus, ändert sich die Stimmung schlagartig.
Dünen und Meeresrauschen
Es ist einfach herrlich, mit dem stetigen Meeresrauschen einzuschlafen und am nächsten Morgen wieder davon geweckt zu werden. Wir unternehmen einen ausgiebigen Spaziergang am endlosen Strand entlang und wandern über die sanften Dünen. Die Weite und die salzige Luft sind die perfekte Entschädigung für die holprige Anreise. Hier spüren wir die Freiheit der Baja California so richtig.
Kulinarik aus der Bodyduck-Küche
Heute verwöhnen wir uns selbst mit kleinen Köstlichkeiten:
- Mittagessen: Es gibt frisch panierte Pilzköpfe – sie sind ausgezeichnet gelungen und eine tolle Abwechslung. 👩🍳
- Das Highlight: Wir haben ein Dinkelbrot selbst gebacken. Der Duft im Wohnmobil ist sagenhaft und der Geschmack einfach nur herrlich. 🥳 Es gibt kaum etwas Besseres als eine frische Scheibe Brot, während man auf den Ozean blickt.
Valle de los Cirios
Wir haben einen wunderschönen, absolut ruhigen Platz für die Nacht inmitten der uralten Kakteen gefunden. In dieser kargen Wüstenlandschaft wachsen die Giganten unter extremen Bedingungen nur etwa 4 Zentimeter pro Jahr. Wenn man vor einem der 15 Meter hohen Exemplare steht, wird einem die Ehrfurcht erst richtig bewusst: Ein solcher Baum müsste demnach über 350 Jahre alt sein. Sie haben Stürme, Dürren und Jahrhunderte überdauert und stehen nun als stumme Zeugen der Geschichte um unseren Bodyduck herum.
Das Valle de los Cirios ist nach dem Boojum Tree (Cirio) benannt, der aussieht wie eine riesige, umgedrehte Karotte mit kleinen Zweigen. Zusammen mit den mächtigen Cardón-Kakteen bilden sie eine Kulisse, die fast surreal wirkt. Die Stille hier draussen ist absolut – kein Zivilisationslärm, nur das leise Pfeifen des Windes zwischen den Dornen.
Der Cardón-Kaktus
| Merkmal | Detail |
| Wachstum | Durchschnittlich nur ca. 4 cm pro Jahr. |
| Maximale Höhe | Kann bis zu 20 Meter erreichen (grösster Kaktus der Welt). |
| Wasserspeicher | Ein ausgewachsener Kaktus wiegt mehrere Tonnen, davon ein Grossteil Wasser. |
| Ökosystem | Bietet Lebensraum für zahlreiche Vogelarten, die in den Stamm höhlen. |
Laguna Ojo de Liebre
Wir überqueren die Grenze zum Bundesstaat Baja California Sur, und die Temperaturen werden endlich immer angenehmer. Die Reise verläuft reibungslos: Zwei Militärkontrollen passieren wir völlig ohne Probleme. Kurz vor Guerrero Negro steht die obligatorische Agrarkontrolle an – für eine kleine „Spende“ wird unser Bodyduck mit Desinfektionsgas eingesprüht, damit wir offiziell einreisen dürfen. 🤣🤣
In der Stadt gönnen wir uns den bisher teuersten Diesel der Reise für 25.60 Pesos pro Liter. Danach führt uns der Weg durch die grösste Salzmine der Welt direkt an die Laguna Ojo de Liebre. Die Natur zeigt sich hier von ihrer bizarren Seite mit faszinierenden Salzblumen-Bildungen am Ufer.
Wir beziehen einen Stellplatz mit einer Palapa (einem strohgedeckten Unterstand) für 200 Pesos. Leider ist es extrem windig und kühl, sodass gemütliches Draussensitzen oder Kochen nicht möglich ist. Wir ziehen uns in den schützenden Bodyduck zurück und freuen uns auf den nächsten Morgen.
Whalewatching in der Lagune
Am nächsten Morgen geht es los: Gemeinsam mit Margrit und Walter aus Hedingen mieten wir zu viert ein Boot. Die Begegnung mit den Grauwalen ist tief beeindruckend und lässt uns die kühle Nacht sofort vergessen.
Wanderung der Giganten: Die Reise der Grauwalen
Die Grauwale vollbringen eine der längsten Wanderungen im Tierreich. Jedes Jahr legen sie bis zu 20’000 Kilometer zurück.
- Die Route: Sie starten im herbstlichen Alaska (Beringmeer) und schwimmen entlang der Küste bis in die geschützten Lagunen der Baja California.
- Der Zweck: Hier im warmen, salzhaltigen Wasser bringen die Weibchen ihre Kälber zur Welt und paaren sich erneut. Das hohe Salzgehalt der Lagunen gibt den Kälbern mehr Auftrieb beim Schwimmenlernen.
- Die Interaktion: Bekannt sind die Grauwale hier als „The Friendlies“. Oft suchen sie aktiv den Kontakt zu den Booten, lassen sich streicheln und zeigen ihre Kälber voller Stolz.
San Ignacio
Nach dem umwerfenden Naturschauspiel am Meer nehmen wir Kurs auf die östliche Küste der Halbinsel. Unterwegs besuchen wir San Ignacio. Dieser Ort ist wie eine Fata Morgana: Tausende von Dattelpalmen umgeben den charmanten Dorfplatz, den „Zócalo“. Wir spazieren gemütlich um den Platz und bewundern die wunderschön erhaltene spanische Missionskirche Misión San Ignacio Kadakaamán aus dem 18. Jahrhundert. Bevor wir weiterfahren, stocken wir im Dorf noch unsere Lebensmittelvorräte auf.
RV Park Eco Tours: Am Fusse der Vulkane
Unser nächstes Ziel ist der RV Park Eco Tours. Die Lage ist schlichtweg umwerfend: Wir stehen direkt am Fusse des beeindruckenden Tres Virgenes Volcanic Complex. Die mächtigen Vulkankegel dominieren das Panorama und verleihen dem Ort eine fast mystische Atmosphäre.
Für 200 Pesos pro Nacht geniessen wir hier eine tolle Infrastruktur. Das Essen im zugehörigen Restaurant ist ausgezeichnet. Ein kleiner Wermutstropfen: Wir haben zwar überall WiFi-Empfang, aber die Verbindung ist seeeehr laaaangsam – eben typisch für die Abgeschiedenheit der Baja.
Wir nutzen die Zeit für die Erkundung der Umgebung:
- Wandern: Wir laufen den 8 Kilometer langen Rundwanderweg, der uns mitten durch die faszinierende Kakteenlandschaft führt. Die Vielfalt der Pflanzen und die Aussicht auf die Vulkane sind sehr schön.
- Genuss: In der Küche von Bodyduck duftet es herrlich – es gibt einen frischen Butterzopf. Hmmm… einfach sagenhaft gut!
Der Golf von Kalifornien
Nach nur kurzer Fahrt erblicken wir zum ersten Mal den Golf von Kalifornien. Die Strasse Mex 1 führt uns nun malerisch an der Küste entlang Richtung Süden. Unser erster Stopp ist Santa Rosalía. Hier haben wir endlich Erfolg bei der Bargeldsuche: Bei der Citibanamex kostet der Barbezug nur gerade 34.74 Pesos Gebühr – ein echtes Schnäppchen im Vergleich zu unseren bisherigen Erfahrungen! Allerdings liegt das Limit pro Bezug bei 9’000 Pesos.
Bei einem kurzen Spaziergang durch die von französischer Architektur geprägte Stadt entdecken wir sogar einen gut erhaltenen 68´er Käfer. Ein schöner Anblick, bevor es uns wieder weiter in die Natur zieht.
Mulegé
In Mulegé finden wir einen wunderschönen Platz direkt am Strand mit freier Aussicht auf das Meer. Wir entscheiden uns, hier gleich drei Tage zu bleiben. Tagsüber herrscht reger Betrieb durch Einheimische und Hundebesitzer, doch nachts hören wir nur das beruhigende Rauschen des Wassers.
Die Zeit nutzen wir für kleine Optimierungen an unserem Zuhause: Eine neue Wäscheleine wird montiert, damit die Meeresbrise unsere Kleidung künftig noch besser trocknen kann. Es sind oft diese kleinen Handgriffe, die das Leben im Bodyduck noch komfortabler machen.
Ein Spaziergang ins Dorf führt uns hinauf zur Iglesia „La Montaña“ (Misión Santa Rosalía de Mulegé). Von dort oben bietet sich uns eine traumhafte Aussicht auf die weite Palmenoase und die umliegende Hügellandschaft. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich das satte Grün der Dattelpalmen durch das trockene Flusstal zieht.
























































































































