2023.08.04 – 08.22 Mexiko
Mexiko Mainland, Teil 5
San Cristóbal de las Casas
Die Ankunft in San Cristóbal fühlt sich an wie ein Wechsel der Welten. Auf über 2000 Metern Höhe ist die Luft klar und frisch. Wir geniessen angenehme 20 °C am Tag und kuschelige 15 °C in der Nacht – endlich wieder tief schlafen, ohne dass der Schweiss die Nachtruhe stört! Die Stadt empfängt uns mit ihrem ganz eigenen Rhythmus: Vormittags wärmt uns die Bergsonne bei unseren Erkundungen, bevor uns pünktlich zum Mittagessen ein heftiges Gewitter in die gemütliche trockene Stube eines Restaurants treibt.
Die Stadt ist wunderschön und unglaublich fotogen. Wir schlendern durch die langen, farbenfrohen Fussgängerzonen (Andadores), die von prächtigen Kolonialbauten gesäumt sind. Überall gibt es hübsche Läden, die zum ausgiebigen „Lädelä“ einladen. Doch die Idylle hat eine intensive Seite:
- Überangebot: An jeder Ecke, in jeder Gasse wird einem etwas zum Kauf angeboten. Von handgewebten Stoffen bis zu Schmuck – die Dichte an Verkäufern ist enorm.
- Die Kehrseite: Man spürt deutlich, dass das Angebot die Nachfrage bei weitem übersteigt. Die ständige Präsenz der fliegenden Händler kann manchmal etwas „to much“ werden, da man kaum einen Schritt tun kann, ohne angesprochen zu werden.
Am östlichen Ende der Fussgängerzone Real de Guadalupe blicken wir auf eine beeindruckende Herausforderung: Die lange Treppe hinauf zur Iglesia de Guadalupe. Stufe um Stufe steigen wir empor, während uns die dünnere Höhenluft ein wenig aus der Puste bringt. Doch oben angekommen, werden wir fürstlich belohnt. Der Blick schweift über das Meer aus roten Ziegeldächern, die zahlreichen Kirchtürme und die tiefgrünen Pinienwälder, die die Stadt wie einen Schutzwall einrahmen.
San Cristóbal ist ein Ort der Kontraste. Wir beobachten das bunte Treiben der indigenen Tzotzil- und Tzeltal-Frauen in ihren traditionellen Trachten, während wir uns in einem der vielen Cafés einen der weltbesten Kaffees aus der Region gönnen. Trotz des touristischen Trubels bewahrt sich die Stadt eine tiefe Mystik, die besonders in den Momenten spürbar wird, wenn der Nebel nach einem Gewitter durch die Gassen zieht.
El Chiflón
Nach der kühlen Höhe von San Cristóbal zieht es uns wieder Richtung Natur. Unser Ziel sind die Wasserfälle von El Chiflón. Es gibt zwei Möglichkeiten, zu den Fällen hochzulaufen: einen Weg links und einen rechts des Flusses. Wir entscheiden uns für die linke Seite und nehmen die erste Einfahrt.
Unsere Entscheidung erweist sich als Glücksgriff. Für gerade einmal 30 Pesos Eintritt pro Person erhalten wir Zugang zum Areal. Direkt rechts befindet sich zudem ein idealer Übernachtungsplatz für 100 Pesos pro Person und Nacht.
- Der Aufstieg: Ein sehr gut ausgebauter Wanderweg führt uns an insgesamt fünf Wasserfällen vorbei. Auf einer Strecke von etwa 1,5 km überwinden wir rund 90 Höhenmeter.
- Das Naturschauspiel: Der Fluss ist nach den vielen Regenfällen der letzten Tage zwar braun und trüb, doch das mindert die Gewalt des Wassers nicht. Schliesslich erblicken wir den majestätischen Chiflón, der mit einer Fallhöhe von 120 Metern wie ein gigantischer Brautschleier über die Felsen stürzt.
Vom Wanderweg aus beobachten wir das Treiben am gegenüberliegenden Ufer. Dort gehört das Land einem anderen Betreiber, der 80 Pesos Eintritt verlangt. Zwar ist der Weg dort etwas länger ausgebaut und bietet eine grössere Fotoplattform direkt vor dem Hauptfall, doch der Preis ist hoch: Hunderte Besucher drängen sich dort, und man muss lange anstehen, um einen Platz auf der Plattform zu ergattern. Wir dagegen geniessen die Aussichtspunkte auf unserer Seite in aller Ruhe.
Cenote Chucumaltik
Wir verbringen zwei unvergessliche Tage an diesem offenen Cenote. Umgeben von tropisch grünem Wald und majestätischen Palmen, fühlt sich der Ort für uns wie eine versteckte Oase an. Das Wasser ist von einer unglaublichen Qualität – so kristallklar, dass man problemlos bis auf den Grund in die Tiefe sehen kann.
Während am Sonntag viele lokale Familien den Ort belebten und für eine typisch mexikanische, fröhliche Atmosphäre sorgten, gehörte uns das Paradies am Montagvormittag fast ganz allein. Erst am Nachmittag füllte sich das Gelände wieder langsam. Es ist ein Ort, an dem man die Zeit einfach vergessen kann.
Was genau ist eigentlich ein Cenote?
Geologisch betrachtet ist ein Cenote ein faszinierendes Phänomen, das über riesige Zeiträume hinweg entsteht. Die Grundlage bildet das poröse Kalkgestein der Region, welches wie ein Schwamm fungiert. Wenn leicht säuerliches Regenwasser über Jahrtausende in den Boden sickert, lüst es den Kalkstein allmählich auf. In der Tiefe entstehen dadurch gewaltige Höhlensysteme und unterirdische Flussläufe, die vollständig mit Grundwasser gefüllt sind.
Ein Cenote entsteht schliesslich in dem Moment, in dem die Decke einer solchen Höhle durch fortschreitende Erosion zu dünn wird und unter ihrem eigenen Gewicht einstürzt. Das Wort selbst stammt aus der Sprache der Maya, die diese Orte als heilige Zugänge zu ihrer Unterwelt verehrten. Beim Chucumaltik handelt es sich um einen sogenannten offenen Cenote, bei dem die gesamte Decke eingestürzt ist, sodass er heute wie ein kreisrunder, tiefblauer See in der Landschaft liegt.
Uninajab
Nur vier Kilometer vom Cenote Chucumaltik entfernt, stossen wir auf das charmante Dorf Uninajab. Es ist ein Ort, der sein grösstes Gut direkt oberhalb der Siedlung hütet: eine sprudelnde Quelle mit kristallklarem Wasser. Die Schüttung ist so gewaltig, dass sie nicht nur das gesamte Dorf mit Trinkwasser versorgt, sondern auch die Grundlage für ein herrlich angelegtes Naherholungsgebiet bildet.
Auf kommunalem Grund hat die Gemeinschaft verschiedene Platschbecken, gemütliche Palapas mit Grillstellen und massive Picknicktische errichtet. Das Besondere an den Pools ist das System: Sie werden ständig mit frischem Quellwasser im Durchfluss gespeist. Das garantiert, dass man selbst bei vielen Besuchern immer in absolut sauberem und angenehm kühlem Wasser badet. Ein Tagesticket kostet faire 25 Pesos pro Person, und auf dem grossen Parkplatz ist das Übernachten für uns sogar kostenlos.
Gleich um die Ecke der Badeanlage befindet sich ein Restaurant, das die lokale Wasserquelle auf die schmackhafteste Weise nutzt. Hier werden frische Fische zubereitet, die man sich als Gast sogar selbst im Becken aussuchen kann. Unsere Wahl fiel auf den Tilapia, einen Süsswasserfisch, der in dieser Region hervorragend gedeiht.
Wir warteten gerne ein Weilchen auf das Ergebnis, während der Fisch in der Küche frisch zubereitet wurde. Das Warten hat sich gelohnt: Goldbraun gebraten schmeckt der Tilapia einfach köstlich und ist der ideale Abschluss für einen Tag am Wasser.
Lago Tziscao
Wir erreichen den Lago Tziscao und finden einen traumhaften Platz für unser Nachtlager direkt am Seeufer. Die Stille des Wassers und die kühle Bergluft versprechen eine erholsame Nacht im Bodyduck. Da der Wetterfrosch für den nächsten Vormittag strahlenden Sonnenschein prophezeit, planen wir bereits unseren kleinen Ausflug über die Grenze.
Pünktlich zum angekündigten Kaiserwetter machen wir uns auf den Weg. Unser Ziel ist der Lago International, ein See, durch dessen Mitte die Staatsgrenze verläuft. Da es hier keine befestigte Strasse gibt, fehlen auch die üblichen Grenzkontrollen. Wir spazieren ganz gemütlich einmal aus Mexiko raus und wieder rein – ein kleiner „illegaler“ Ausflug der entspannten Sorte.
- Natur pur: Wir geniessen die Zeit am Wasser und springen sogar noch für ein kurzes Bad in den See, bevor sich am Horizont bereits die ersten dunklen Wolken zusammenbrauen.
- Guatemala-Feeling: Auf der guatemaltekischen Seite des Dorfes erwartet uns das gewohnte Bild touristischer Hotspots: Ein Überfluss an Souvenir-Ständen und Getränke-Shops säumt den Weg, wo wir das bunte Treiben beobachten können.
Unsere Reise führt uns heute direkt an der Grenze zu Guatemala entlang. Die Landschaft ist geprägt von sanften Hügeln, die mit einem tiefen, tropischen Grün überzogen sind. Überall am Wegesrand ragen Bananenbäume in den Himmel – mal sind es wild gewachsene Exemplare, mal riesige, geordnete Plantagen, die uns unweigerlich an bekannte Marken wie Chiquita erinnern.
Der Weg selbst erweist sich als äusserst abwechslungsreich und hält immer wieder merkwürdige Phänomene bereit, die uns regelrecht zum Staunen bringen. Wir fühlen uns zeitweise wie in einem Hindernislauf, während wir riesige, abgebrochene Felsbrocken passieren, die wie Mahnmale auf der Fahrbahn liegen, oder umgestürzten Bäumen ausweichen müssen, die sich den Asphalt zurückerobern wollen. Gelegentlich säumen ausgebrannte Autowracks die Strecke und zeugen stumm von Zwischenfällen in dieser wilden Grenzregion. Besonders faszinierend sind jedoch die Fahrzeuge, die uns auf der schmalen Strasse entgegenkommen. Manche sind so abenteuerlich mit Waren beladen, dass sie dreimal so hoch wie breit wirken und damit fast schon die Gesetze der Physik herausfordern.
Reforma Agraria
Wir sind in Reforma Agraria angekommen, einem kleinen Dorf, das direkt an einem Zufluss zum Rio Usumacinta im Biosphärenreservat Montes Azules liegt. Das Dorf ist weit über die Grenzen hinaus für sein engagiertes Schutzprogramm für die vom Aussterben bedrohten roten Ara-Papageien, die Guacamayo escarlata, bekannt. Seit der Gründung dieses Reservates ist es den Verantwortlichen gelungen, die Population dieser farbenprächtigen Vögel in dieser Gegend auf stolze 120 Paare zu vergrössern.
Dass auf Reisen nicht immer alles nur rosarot ist, erfahren wir bei unserer ersten Erkundung direkt am eigenen Leib. Wir werden zwar von einer prachtvollen Kulisse aus unzähligen Bananenbäumen, Kokospalmen und einer Vielzahl farbiger Blumen empfangen – und auch die Dorfbewohner sind ausgesprochen freundlich –, doch wir teilen uns diesen Platz mit weniger angenehmen Zeitgenossen. Abertausende aggressive Mücken und kleine, beissende rote Ameisen machen uns das Leben schwer.
Doch wir lassen uns nicht entmutigen! Mit ausreichend Moskitoschutz gewappnet, begeben wir uns auf einen ersten Rundgang durch das Dorf.
Die Belohnung für unsere Ausdauer lässt nicht lange auf sich warten. Am späteren Nachmittag erscheinen bereits die ersten Aras, um auf den Bäumen mit ihren Lieblingsfrüchten zu landen. Es ist ein herrlicher Anblick, diesen farbenfrohen Geschöpfen zuzusehen, wie sie geschickt auf den Ästen herumturnen, um selbst die entlegensten Beeren zu erreichen. Das leuchtende Rot ihrer Federn gegen das tiefe Grün des Waldes ist einfach unbeschreiblich.
Sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, ändert sich die Geräuschkulisse in Reforma Agraria schlagartig. Die Brüllaffen beginnen ihr nächtliches Konzert, das meilenweit über die dichten Baumkronen hinweg zu hören ist. Sie gelten völlig zu Recht als die lautesten Landtiere der Welt. Das durchdringende Geschrei lässt einen unwillkürlich an alte Tarzan-Filme erinnern, und im ersten Moment zuckt man unweigerlich zusammen, so gewaltig und urzeitlich klingt dieser Lärm.
Während die Brüllaffen für die Akustik zuständig sind, gehört die Bühne am Tag den Klammeraffen. Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit schwingen sie sich durch das Geäst. Wir haben das grosse Glück, sogar Mütter mit ihren Jungen auf dem Rücken zu beobachten. Es ist erstaunlich, mit welch sicherem Geschick sie von Ast zu Ast springen, selbst wenn sie zusätzliche Last tragen.
Das Interessante dabei ist ihre Gelassenheit. Die Affen lassen sich von unserer Anwesenheit kaum beeindrucken. Im Gegenteil: Oft haben wir das Gefühl, dass sie uns genauso neugierig beobachten wie wir sie. Wahrscheinlich schauen sie auf uns herab und denken sich ihren Teil dabei, wie man als Wesen nur so ungeschickt und lange auf zwei Hinterbeinen stehen kann, anstatt elegant durch die Wipfel zu turnen.
Das Biosphärenreservat Montes Azules ist ein Ort, der alle Sinne fordert und gleichzeitig mit einer unglaublichen Artenvielfalt belohnt. In dieser paradiesischen Umgebung gibt es ständig etwas zu entdecken: Viele Arten von bunten Schmetterlingen flattern durch die feuchte Luft, Spechte hämmern in den Stämmen, und Kolibris schwirren flink von Blüte zu Blüte. Es heisst, dass hier sogar Tapire, Krokodile und Jaguare beheimatet sind. Ob wir nun traurig oder eher froh sein sollen, dass wir diesen majestätischen Raubkatzen nicht persönlich begegnet sind, bleibt dahingestellt – der Respekt vor der Wildnis ist jedenfalls allgegenwärtig.
Da wir uns mitten in der Regenzeit befinden, begleiten uns immer wieder heftige Regenfälle, die sich glücklicherweise meistens auf die Nachtstunden beschränken. Das Klima ist jedoch eine echte Herausforderung: Tagsüber klettert das Thermometer auf etwa 35 °C bei einer Luftfeuchtigkeit von 70 %. Nachts sinken die Temperaturen zwar auf ca. 25 °C, doch sobald die Sonne weg ist, steigt die Luftfeuchtigkeit auf über 90 % an. In solchen Momenten sind wir wieder einmal unendlich froh über unseren Bodyduck – dank der Klimaanlage können wir trotz der tropischen Schwüle entspannt schlafen und Kraft für den nächsten Tag sammeln.
Frontera Corozal
Wir erreichen Frontera Corozal und parkieren auf dem grossen öffentlichen Parkplatz. Es ist eine Erleichterung zu sehen, dass unser Aufenthalt hier niemanden stört und wir unbehelligt übernachten können. Kaum angekommen, werden wir jedoch von den Lancha-Fahrern regelrecht überrannt. Die Rufe „Yaxchilan, Yaxchilan!“ hallen uns entgegen. Als wir nach dem Preis fragen, nennen sie uns stolze 1400 Pesos für zwei Personen. Wir lehnen dankend ab – mit der Gewissheit, dass wir am nächsten Morgen ein besseres Angebot finden werden.
Kaum sind wir zurück in unserem „Zuhause“ auf Rädern, ziehen bedrohlich schwarze Wolken auf. Was folgt, ist ein Gewitter der Superlative, das die Luftfeuchtigkeit schlagartig auf 95 % nach oben treibt. Einmal mehr sind wir froh um unseren Rückzugsort.
Da kein Weg über Land zu den Ruinen führt, begeben wir uns am nächsten Morgen zum Bootssteg. Der Zufall meint es gut mit uns: Wir treffen Stefan und Daniela – er Chilener, sie Mexikanerin, beide wohnhaft in Madrid. Wir verstehen uns auf Anhieb und beschliessen, uns ein Boot zu teilen. So zahlen wir schlussendlich 1400 Pesos für vier Personen – ein wesentlich besserer Deal!
Die Fahrt auf dem Fluss ist bereits ein Erlebnis für sich, doch die Ruinen von Yaxchilan selbst übertreffen unsere Erwartungen. Wir wandern zwei Stunden lang durch den dichten Regenwald und besichtigen die sehr gut erhaltenen Bauwerke. Die Stätte ist berühmt für ihre kunstvollen Steinreliefs und Hieroglyphen, die in der feuchten Dschungelluft eine ganz besondere Mystik ausstrahlen. Das satte Grün der Natur umschliesst die grauen Steine der Tempel und erinnert uns daran, wie machtvoll sich der Urwald sein Territorium zurückerobert.
Cascadas Roberto Barrios
Seit Tagen, ja sogar Wochen, kämpfen wir mit konstanten Temperaturen um die 35 °C. Selbst nachts sinkt das Thermometer selten unter 25 bis 27 °C. Während die Luftfeuchtigkeit tagsüber bei etwa 60 % liegt, steigt sie nach Sonnenuntergang auf drückende 90 % an. Unter diesen Bedingungen stossen auch unsere technischen Hilfsmittel an ihre Grenzen: Elektrische Geräte beginnen bereits nach wenigen Minuten zu überhitzen. An körperliche Aktivitäten ist kaum zu denken, und selbst die Besichtigung geschichtsträchtiger Ruinen verwandelt sich in ein extrem schweisstreibendes Unterfangen.
Auf unserem Weg nach Palenque suchen wir händeringend nach einer Möglichkeit zur Abkühlung. So landen wir bei den Cascadas Roberto Barrios. Was ursprünglich nur als kurzer Badestopp geplant war, entwickelte sich zu einem viertägigen Aufenthalt. Wir haben dieses kleine Naturparadies mit seinen unzähligen terrassenförmigen Becken und der traumhaften Umgebung sofort in unser Herz geschlossen. Das klare, türkisfarbene Wasser in den verschiedenen Pools bietet genau die Erfrischung, nach der wir uns so lange gesehnt haben.
Besonders schätzen wir die unkomplizierte und faire Organisation vor Ort. Die Kosten sind absolut moderat und ermöglichen es uns, ohne schlechtes Gewissen ein paar Tage länger zu bleiben. Wir zahlen eine Gemeindeabgabe von 20 Pesos pro Person sowie 40 Pesos Eintritt pro Person. Für die Übernachtung werden 100 Pesos pro Nacht fällig – ein kleiner Preis für so viel Lebensqualität inmitten der Hitze.
Palenque
In Palenque angekommen, führte uns der erste Weg zum Chedraui, um die Vorräte aufzustocken. Danach machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Stellplatz. Auf iOverlander hatten wir das Hotel Mayabell entdeckt, das mit seiner Lage besticht: Nur 600 Meter zu Fuss sind es bis zur Billettverkaufsstelle der archäologischen Anlage. Wir hatten uns bereits darauf eingestellt, dass dieser strategisch günstige Platz seinen Preis haben würde.
Doch wir wurden eines Besseren belehrt! Für zwei Nächte, inklusive Poolnutzung und WiFi, verlangte man von uns lediglich 200 Pesos pro Person. Vielleicht haben wir einen besonders netten Eindruck hinterlassen, denn wir wissen von anderen Reisenden, die dort stolze 400 Pesos bezahlen mussten. Über das gesparte Geld freuten wir uns so sehr, dass wir beschlossen, es direkt in ein schönes Abendessen zu investieren.
Da ab 15:00 Uhr die Holzofenpizza angepriesen wurde, liessen wir uns nicht zweimal bitten. Unsere kulinarische Bilanz fiel jedoch gemischt aus:
- Top: Die Pizza 4 Queso war hervorragend! Knusprig aus dem Holzofen und wirklich empfehlenswert für jeden, der hier einkehrt.
- Flop: Weniger Glück hatten wir mit dem Rindsfilet. Es war viel zu dünn geschnitten und zudem „zu Tode gegrillt“ – zäh und leider gar kein Genuss. Davon sollte man lieber die Finger lassen.
Palenque
Unser Tag beginnt mit dem Gang zur Kasse, wo wir zwei verschiedene Gebühren entrichten: Einmal 104,16 Pesos pro Person für den Nationalpark und an einem weiteren Schalter 90 Pesos pro Person für die eigentliche Ruinenanlage. Um uns den zweikilometerlangen Aufstieg in der Hitze zu sparen, nehmen wir ein Colectivo direkt zum Haupteingang.
Die Ruinenstadt liegt tief eingebettet im tropischen, immergrünen Urwald. Auf weiten Lichtungen und mitten im dichten Dschungel erheben sich unzählige Gebäude, Tempel und gewaltige Pyramiden. Es ist unbestritten eine der schönsten archäologischen Anlagen in Mexiko mit ausserordentlich gut erhaltenen Bauwerken.
Allerdings müssen wir feststellen, dass das mystische Flair dieses Ortes etwas unter dem Massentourismus leidet. Unzählige Verkäufer säumen die Wege in der gesamten Anlage, und laufende Bauarbeiten trüben an manchen Stellen das Bild dieser ehrwürdigen Stätte. Dennoch bleibt die architektonische Leistung der Maya tief beeindruckend.
Der Rückweg führt uns über viele Treppen hinunter, vorbei an den ehemaligen Badewasserstellen und natürlichen Becken der Maya, bis wir schliesslich den Ausgang erreichen. Dort besuchen wir das Museum, dessen Besuch im Eintrittspreis inbegriffen ist. Die Ausstellung ist äusserst interessant und bietet aufschlussreiche Einblicke in die Hinterlassenschaften dieser Kultur. Das absolute Highlight ist der Original-Sarkophag von König Pakal mit seinem mehrere Tonnen schweren, kunstvoll verzierten Deckel. Ein wahrhaft monumentales Stück Geschichte, das man einmal mit eigenen Augen gesehen haben muss.
Tenosique
Unsere vorläufig letzte Übernachtung in Mexiko verbringen wir in Tenosique (Koordinaten: 17.461054, -91.433562). Wir haben uns auf einem grossen Parkplatz direkt neben dem Centro de Convenciones einquartiert. Das Besondere hier: Der Platz wird von der Polizei rund um die Uhr, also 24/24 Stunden, bewacht. Es scheint niemanden zu stören, dass wir hier stehen, und dieses Gefühl von Sicherheit ist ein schöner Abschluss für unseren ersten grossen Mexiko-Block. Morgen früh geht es dann direkt weiter in Richtung des Grenzübergangs El Ceibo nach Guatemala.
Resümee über Mexiko
Am 28. Februar 2023 haben wir die Grenze bei Tecate überschritten. Den Anfang machte die Baja California, oft auch als „Mexiko Lite“ bezeichnet. Wir erlebten sie als äusserst abwechslungsreich: einsame Strände, die Weite des Backcountrys, touristische Grossstädte und eine beeindruckende Tierwelt blieben uns in tiefer Erinnerung.
Vom mexikanischen Festland hatten wir anfangs grossen Respekt. Man hört im Vorfeld oft negative Berichte, doch je tiefer wir in das Landesinnere vorstiessen, desto schneller schwanden unsere Bedenken. Überall begegneten uns die Menschen mit einer Herzlichkeit und Freundlichkeit, die uns sofort willkommen hiess. Selbst die Herausforderungen der Regenzeit konnten die wunderschöne Zeit nicht trüben.
Die letzte Etappe durch Chiapas hat uns jedoch ganz besonders verzaubert. Wir tauchten ein in den üppig grünen Regenwald, umgeben von Bananenbäumen, Palmen und exotischen Gewächsen. Die Begegnungen mit der Tierwelt waren einmalig: Frei lebende Aras und Tukane in den Baumwipfeln, Brüllaffen, die uns morgens weckten, sowie Klammeraffen, Krokodile und Kolibris.
Auf Wiedersehen, Mexiko!
Da unser Visum nun ausläuft, verlassen wir dieses wunderschöne Land. Doch es ist kein endgültiger Abschied: In drei Monaten werden wir über Belize zurückkehren, um hoffentlich für weitere sechs Monate unsere Entdeckungsreise fortzusetzen. Mexiko hat unser Herz im Sturm erobert.
Ausreise:
Mexico – Guatemala El Ceibo
(22. August 2023)
300m vor der eigentlichen Grenze ist die Strasse gesperrt und man wird links in den Zollhof (Puerto Fronterizo El Ceibo) eingeleitet. Es gibt kein Parkplatz auf der Ausreise-Seite, drum wird man angewiesen vorne umzudrehen und in der Spur Einreise nach Mexiko zu parkieren.
Hier der Ablauf in El Ceibo:
1. Im grossen Gebäude links, zweite Schalter links, Banjercito TIP für Fahrzeuge, die keine 10 Jahre
bekommen haben, zu löschen. Die Kaution wird auf die Kreditkarte, mit der es bezahlt wurde, überwiesen.
Wir mussten unser Motorrad herunternehmen, weil die Beamtin Fotos vom Kennzeichen und die VIN Nr. kontrollieren wollte.
BENÖTIGTE DOKUMENTE:
→ Original TIP (Temporary Import Permit für das Fahrzeug)
→ Original Reisepass + eine Kopie abgeben
*Wer kein solches Fahrzeug dabei hat, kann Nr. 1 auslassen und gleich mit Nr. 2 anfangen,
muss auch nicht umdrehen und parkieren….
2. Zu Fuss weiter zum Büro für Immigrations Office. Hier wird im Pass das Datum der Ausreise gestempelt.
(Eintritt nur einzeln, nach Aufforderung)
Danach kann Mexiko verlassen werden.
Adios Mexico, hasta pronto….
Alle Grenzübergänge hier nachlesen
Mexiko in Zahlen:
• 175 Tage unterwegs
• 9´800 Km gefahren
• 69 Tage Campgrounds
• 2 Pannen














































































































































































































































