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2023.07.08 – 08.03 Mexiko

Zsolt
Zsolt – 2023.07.08 – 08.03 Mexiko

Mexiko Mainland, Teil 4

Santa Maria del Tule

Eigentlich wollten wir uns für zwei Wochen im El Rancho RV Park bei Pepe einquartieren. Doch wir mussten unsere Pläne spontan anpassen: Da sich für das kommende Wochenende unglaubliche 40 Camper angemeldet haben, ist der Platz komplett ausgebucht und wir können nur bis Freitag bleiben.

Diese Zeit nutzen wir jedoch intensiv, um das nahegelegene Zentrum von Santa Maria del Tule zu besuchen. Dort steht ein Lebewesen, das jede Vorstellungskraft sprengt: der majestätische Ahuehuete-Baum.

Es ist kaum in Worte zu fassen, wenn man vor diesem Baum steht. Mit einem Alter von über 2000 Jahren zählt er nicht nur zu den ältesten Bäumen der Welt, sondern hält mit seinem gewaltigen Stammdurchmesser auch den weltweiten Rekord.

Steckbrief eines Giganten:

  • Name: Ahuehuete (Taxodium mucronatum)
  • Höhe: 42 m
  • Kronendurchmesser: 58 m
  • Stammdurchmesser: 14,05 m
  • Gewicht: ca. 636 Tonnen
  • Volumen: ca. 816 m³

Wenn man um den Stamm herumwandert, erkennt man in den bizarren Auswüchsen der Rinde mit etwas Fantasie verschiedene Tiergestalten – die Einheimischen zeigen einem gerne den „Elefanten“ oder den „Löwen“. Es ist ein tief beeindruckendes Erlebnis, die Energie dieses uralten Baumes zu spüren, der schon hier stand, lange bevor die ersten Europäer den Kontinent betraten.

Monte Albán

Wir haben uns einen entspannten Transport gegönnt: Der Taxifahrer Alvaro (+52 951 350 8083) aus Tule brachte uns für 200 Pesos direkt zur archäologischen Ausgrabungsstätte Monte Albán. Die ehemalige Hauptstadt der Zapoteken thront majestätisch auf einem künstlich abgeflachten Bergrucken hoch über dem Tal von Oaxaca.

Direkt am Eingang machten wir eine glückliche Entdeckung: Wir lernten die deutsche Fremdenführerin Kerstin kennen. Für einen Pauschalpreis von 600 Pesos führte sie uns zwei Stunden lang durch die weitläufige Anlage. Dank ihr erfuhren wir unglaublich viel über die Astronomie, die Architektur und das Leben in dieser einstigen Metropole.

Kerstin bietet ihre Touren nach Wunsch auf Deutsch, Spanisch oder Englisch an. Wir können sie wärmstens empfehlen! Falls ihr sie kontaktieren wollt:

  • WhatsApp: +52 951 125 6146
  • E-Mail: kristinatours@hotmail.com

Von der „Plaza Principal“ aus hat man einen atemberaubenden Rundblick auf die umliegenden Berge und Täler. Die präzise Anordnung der Tempel und die berühmten Reliefs der „Tänzer“ (Los Danzantes) haben uns tief beeindruckt. Es ist faszinierend zu sehen, wie hochentwickelt die zapotekische Kultur bereits vor Jahrtausenden war. Nach der Tour brachte uns Alvaro sicher wieder zurück.

Oaxaca

Mit dem rot-weissen Colectivo-Bus machen wir uns für gerade einmal 8 Pesos pro Person auf den Weg ins Stadtzentrum. Die Stadt vibriert vor Energie, denn die Vorbereitungen für das jährliche Fest der Zapoteken, die berühmte Guelaguetza, laufen auf vollen Touren. An jeder Ecke spürt man die Vorfreude: Wir beobachten Tanzgruppen, die für die grosse Eröffnung am kommenden Montag üben. Es ist das wichtigste kulturelle Ereignis im Bundesstaat Oaxaca, bei dem Musik, Tanz und regionale Köstlichkeiten die Vielfalt der sieben Regionen feiern.

Wir lassen uns durch die farbenfrohen Gassen treiben und geniessen das Ambiente. Ein absolutes Muss ist die Besichtigung des Templo de Santo Domingo de Guzmán. Der Bau dieser beeindruckenden Kirche begann bereits im Jahr 1575, doch es dauerte unglaubliche 150 Jahre, bis das Meisterwerk fertiggestellt wurde. Das Innere mit seinen goldenen Verzierungen ist schlichtweg atemberaubend und zeigt die ganze Pracht der kolonialen Architektur.

Centro Cultural de Santo Domingo

Direkt neben dem prächtigen Templo de Santo Domingo de Guzmán besuchen wir das Museum of Cultures of Oaxaca, das im beeindruckenden ehemaligen Kloster untergebracht ist. Es ist ein riesiges und unglaublich umfangreiches Museum, das die gesamte Geschichte von Oaxaca und der umliegenden Region abdeckt.

  • Architektonisches Juwel: Schon beim Durchschreiten der Kreuzgänge und der weiten Flure mit ihren dicken Steinmauern spürt man die Geschichte des Gebäudes. Die Ausblicke aus den Fenstern auf den botanischen Garten (Jardín Etnobotánico) sind fantastisch.
  • Der Schatz von Monte Albán: Das absolute Highlight der Sammlung ist der Goldschatz aus dem Grab Nr. 7, den wir nach unserem Besuch in Monte Albán nun in seiner vollen Pracht bewundern können. Die filigranen Arbeiten aus Gold, Jade und Türkis der Mixteken sind weltweit einzigartig.

Nach so viel Kultur und Trubel gönnen wir uns eine kulinarische Abwechslung. Auf der Dachterrasse eines italienischen Restaurants geniessen wir den Ausblick über die Dächer der Stadt. Bei einer leckeren Pizza, einem hausgemachten Tiramisu und einem kräftigen Espresso lassen wir die Seele baumeln.

Mitla

Wir verlassen den El Rancho RV Park – und im Nachhinein war das wohl die beste Entscheidung. Wenn am Samstag 40 Camper für zehn Tage einziehen, bedeutet das mindestens 80 Personen plus Kinder auf engem Raum. Mit der gewohnten Ruhe wäre es dort sicher vorbei gewesen. Nach einem strategischen Stopp beim Walmart, um unsere Vorräte aufzufüllen, tuckern wir entspannt über die MEX 190 nach Mitla.

Wir finden einen fantastischen Schlafplatz auf dem öffentlichen Parkplatz direkt oberhalb der Ausgrabungsstätte. Am späten Nachmittag unternehmen wir einen kleinen Spaziergang zur nahegelegenen Kirche. Wie durch Zufall werden wir Zeugen eines wunderschönen, traditionellen Umzugs, des Fiestas de la Virgen del Carmen. Die Farben, die Musik und die Hingabe der Menschen in ihren Trachten sind ein echtes Geschenk und zeigen uns einmal mehr das authentische Mexiko. Es ist eine Mischung aus indigener Symbolik und katholischer Liturgie

Punkt 10:00 Uhr, pünktlich zur Öffnung, stehen wir am Eingang der Ruinenanlage. Mitla ist im Vergleich zu Monte Albán kleiner und überschaubarer, aber von einer unglaublichen Detailverliebtheit.

  • Einzigartige Mosaike: Weltberühmt sind die geometrischen Steinmosaike, die ohne Mörtel so präzise zusammengesetzt wurden, dass sie seit Jahrhunderten jedem Erdbeben trotzen.
  • Der frühe Vogel…: Wir geniessen die Stille zwischen den antiken Mauern in vollen Zügen. Gerade als wir fertig sind und die ersten Busse mit hunderten von Touristen eintreffen, rollen wir mit dem Bodyduck bereits wieder durch die engen Gassen zurück auf die Hauptstrasse.

Hierve el Agua

Wir wählen die 179 Libre, eine wirklich tolle Passstrasse, die wohl früher die Hauptverbindung war. Es geht über Serpentinen durch eine beeindruckende Berglandschaft Richtung Hierve el Agua. Kurz vor dem Ziel wird eine Strassengebühr von 20 Pesos pro Person für den Unterhalt der Strecke fällig – eine faire Investition für den Zugang zu dieser weltberühmten Attraktion. Der Eintritt selbst kostet 50 Pesos pro Person, und wir planen, die Nacht direkt hier oben zu verbringen.

Nach unserer Ankunft machen wir einen ersten Rundgang. Die „versteinerten Wasserfälle“ sind ein faszinierendes Naturphänomen. Über Jahrtausende hinweg haben sich hier Mineralien – vor allem Kalziumkarbonat – aus stark mineralhaltigem Quellwasser abgelagert. Was aus der Ferne wie fliessendes Wasser aussieht, ist in Wahrheit massiver Stein, der sich wie riesige Stalaktiten über die Klippen ergiesst.

Die natürlichen Wasserbecken auf der Spitze der Klippen sind etwa 22–24 °C warm. Doch bei dem enormen Besucherandrang hat es uns nicht gereizt, ins Wasser zu steigen. Stattdessen haben wir uns für eine Wanderung unterhalb der Formationen entschieden – ein Volltreffer!

  • Einsamkeit pur: Bei schönstem Wetter waren wir fast alleine auf dem Pfad.
  • Perspektivenwechsel: Vom nächtlichen Gewitter war nichts mehr zu sehen. Von unten bietet sich eine prächtige Aussicht auf die gewaltigen, weissen Gesteinsformationen, die wie versteinerte Vorhänge an den Felswänden hängen.

Die MEX 175

Der Weg Richtung Playa war spektakulär, aber tückisch. Während die MEX 175 anfangs fast belanglos wirkte – abgesehen von den tückischen Topes – änderte sich das Bild in den Bergen schlagartig. Auf bis zu 2400 m ü.M. wurde es richtig kurvenreich.

Dann die Herausforderung: Der Himmel verdunkelte sich, heftige Regengüsse prasselten nieder und die Wolken hingen so tief, dass die Sicht unter 10 Meter sank. Mit Feuerwehrstroboskop und Nebelscheinwerfern tasteten wir uns im Schneckentempo voran. Doch mit jedem Höhenmeter abwärts verwandelte sich die Welt: Das kühle Gebirge wich üppig grünen Wäldern, Lianen und Bananenbäumen. Willkommen im Dschungel!

In Mazunte angekommen, fanden wir einen genialen Stellplatz mitten auf dem Fussballplatz – nur 5 Minuten vom Strand und 6 Minuten vom Dorf entfernt. Wir verbrachten zwei Tage in diesem entspannten Küstenort:

  • Artenschutz: Wir besuchten eine Aufziehstation für Schildkröten und lernten viel über den Schutz dieser Meeresbewohner.
  • Hitze-Check: Den Nachmittag verbrachten wir am Strand. Ein geplanter Ausflug zur Laguna de Chacahua fiel der Hitze zum Opfer – bei nahezu 40 °C war uns jede Bewegung zu viel.

Ein absolutes Highlight war das Treffen mit Steffi und Kersten von @dino.adventure. Es ist immer wieder schön, auf Reisen Gleichgesinnte zu treffen. Bei einem feinen Abendessen und ein paar kühlen Bierchen vergingen die Stunden wie im Flug – der perfekte Austausch über erlebte Abenteuer und kommende Ziele.

Chuparosa Garden

Nach vielen Empfehlungen sind wir bei Hannele und John im Chuparosa Garden RV Park gelandet. Die beiden Kanadier haben hier ein wahres Refugium geschaffen: Eine grüne Oase voller Früchte, Gemüse und verschiedenster Tiere. Wir geniessen hier unbeschwerte Tage zwischen Ausflügen in die Umgebung und einer willkommenen Abkühlung im hauseigenen Pool.

Obwohl der Pazifik nur wenige Minuten entfernt liegt, ist der Weg zum Wasser ein kleines Abenteuer. Da der Strand fast komplett zugebaut ist und es keine öffentlichen Gehwege gibt, schlängeln wir uns durch das Dorf direkt zwischen den Häusern hindurch. Die Belohnung ist grossartig: Wir können in der nahen Umgebung herrlich baden und schnorcheln.

Die Selbstversorgung klappt hier hervorragend. In den Gassen des Dorfes finden wir immer wieder frisches Gemüse und sonnengereifte Früchte. Ein besonderes Highlight war der Besuch beim lokalen Fischer:

  • Fangfrisch: Wir konnten einen prächtigen Kabeljau ergattern.
  • Direkt verarbeitet: Der Fisch wurde vor unseren Augen fachmännisch filetiert und wanderte für wenig Geld als erstklassiger Vorrat in unseren Tiefkühler – das nächste Festessen ist also gesichert!

Chiapas

Nach zwölf wohltuenden Tagen bei Hannele und John im Chuparosa Garden heisst es für uns wieder: „On the Road“. Die Panamericana (Carretera 190) führt uns stetig Richtung Süden. In San Pedro Tapanatepec legen wir einen Zwischenstopp ein und übernachten für 50 Pesos auf einem bewachten Parkplatz hinter einer PEMEX-Station. Es war überraschend ruhig und genau das Richtige für eine erholsame Nacht.

Die Gegend hier ist extrem windig, was die Region zum idealen Standort für riesige Windkraftanlagen macht. Während wir durch üppig grüne Dschungelgebiete die Berge überqueren und die Grenze nach Chiapas passieren, sehen wir unzählige Menschen am Strassenrand. Was wir zuerst für Backpacker hielten, sind in Wahrheit Migranten aus verschiedenen südamerikanischen Staaten, vor allem aus Venezuela. Sie bewältigen Tausende von Kilometern zu Fuss in der Hoffnung auf ein Leben in den USA – ein Anblick, der uns sehr nachdenklich stimmt.

In Chiapa de Corzo angekommen, mussten wir navigatorisch aufpassen: Die Stadt Tuxtla Gutiérrez muss weiträumig über die „Lib sur“ umfahren werden, da das Zentrum komplett für LKW gesperrt ist. Für den Bodyduck wäre das ohnehin kein Vergnügen gewesen. Nun stehen wir bereit für das nächste grosse Abenteuer: Morgen geht es mit dem Boot tief hinein in den majestätischen Sumidero-Canyon.

Sumidero-Canyon

Was für ein Tag! Wir haben die Bootstour auf dem Rio Grijalva durch den Canyon El Sumidero gemacht und sind immer noch tief beeindruckt. In einem Schnellboot brausen wir über das Wasser, während links und rechts die Felswände bis zu 1000 Meter steil in den Himmel ragen. Es ist kaum vorstellbar, dass Mutter Natur stolze 32 Millionen Jahre gebraucht hat, um dieses monumentale Kunstwerk zu erschaffen.

Die Natur zeigt sich hier von ihrer wildesten Seite. Wir konnten eine beeindruckende Tierwelt beobachten: Krokodile, die sich am Ufer sonnen, und unzählige Vögel, die in den Felsspalten nisten. Doch wo Licht ist, ist leider auch Schatten:

  • Müllproblem: Erschreckend viel Plastik und Unrat treiben im Wasser, was den Anblick der unberührten Natur immer wieder stört.
  • Bade-Tabu: An Baden ist in dieser Brühe absolut nicht zu denken – es ist unvorstellbar, wie sehr der Mensch diesen magischen Ort belastet.

Trotz der Verschmutzung überwiegt das Staunen. Wir sind unendlich dankbar, solche Erlebnisse auf unserer Reise sammeln zu dürfen. Die Fahrt durch diese engen Schluchten, vorbei an Formationen wie dem „Weihnachtsbaum“ (einem moosbewachsenen Wasserfall-Felsen), war so intensiv, dass wir diesen Ausflug definitiv in unsere Top 10 Erlebnisse aufnehmen.

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