2023.06.07 – 07.08 Mexiko
Mexiko Mainland, Teil 3
Playa Tenacatita
Wir haben unser Lager an der Playa Tenacatita aufgeschlagen. Der Strand ist schlichtweg traumhaft und bietet wunderbare Bedingungen, um ein paar entspannte Tage am Pazifik zu verbringen. Der kilometerlange Sandstrand lädt zu ausgiebigen Spaziergängen ein, bei denen man wunderbar den Kopf frei bekommt und die Seele baumeln lassen kann.
Die Atmosphäre hier wechselt mit dem Rhythmus der Woche:
- Unter der Woche: Wir geniessen die Weite fast für uns allein. Es ist ruhig, friedlich und perfekt, um die Natur in vollen Zügen aufzusaugen.
- Am Wochenende: Die Einheimischen lieben diesen Strand genauso sehr wie wir! Dann wird es lebhaft und bunt. Der Vorteil: Die vielen Verpflegungszelte werden aufgebaut und wir können preiswerte, warme Gerichte direkt am Wasser geniessen. Ein tolles Erlebnis, um in die mexikanische Lebensfreude einzutauchen. Es ist herrlich, sich durch die lokalen Köstlichkeiten in den Zelten zu probieren. Ob frischer Fisch oder Snacks – alles schmeckt mit den Füssen im Sand und der Meeresbrise in den Haaren doppelt so gut. Ein Ort, an dem wir die Zeit für einen Moment vergessen können.
Sierra de Amula
Wir verlassen die Küste und nehmen die MEX 80 zurück in Richtung Norden. Die Strecke durch die Sierra de Amula ist landschaftlich fantastisch und bietet uns spektakuläre Ausblicke. Doch die steilen Anstiege fordern den Bodyduck: Wir merken schnell, dass der Motor beim Berghochfahren immer wärmer wird. Da wir ohnehin für einen kurzen Check zu Scania wollten, planen wir nun fest ein, den Thermostat ersetzen zu lassen.
Ein obligatorischer Halt muss in Autlán de Navarro sein. Die Stadt ist der Geburtsort von Carlos Santana. Auf der nach ihm benannten Plaza steht sein Denkmal, und es ist ein besonderes Gefühl, an dem Ort zu stehen, wo die Wurzeln dieses Weltmusikers liegen. Ein kurzes Innehalten, bevor uns die Technik-Sorgen wieder einholen.
In Guadalajara angekommen, die Ernüchterung bei Scania: Keine kurzfristige Hilfe möglich. Die Teile müssen erst bestellt werden und treffen frühestens am nächsten Tag ein. Was als kurzer Stopp geplant war, zieht sich in eine unvorhergesehene Länge. Von Tag zu Tag müssen wir uns neue Hotels suchen und in fremden Betten schlafen, während unser geliebter Bodyduck in der Werkstatt verweilt.
Ein Abend mit gemischten Gefühlen
Heute bezogen wir ein Hotel nahe dem Zentrum von Guadalajara. Die Altstadt ist wunderschön herausgeputzt, doch die Atmosphäre ist seltsam. Die Polizeipräsenz ist extrem auffällig. Schon um 19:30 Uhr schliessen alle Läden und Fast-Food-Ketten ihre Pforten. Uns wurde sogar ausdrücklich nahegelegt, als Touristen den Abend nicht mehr in dieser Gegend zu verbringen. Ein krasser Gegensatz zur lebendigen Stimmung, die wir sonst aus Mexiko kennen.
Bodyduck ist geheilt
Nach den seelischen Strapazen der letzten Woche können wir endlich aufatmen. Unser Bodyduck ist wieder gesund! Es war ein steiniger Weg zur Diagnose:
- Der Thermostat: Wurde zuerst getauscht, brachte aber nur eine minimale Besserung.
- Lüftergehäuse & Wasserpumpe: Erst der Austausch dieser Komponenten brachte den Durchbruch.
Die Probefahrt bestätigte den Erfolg: Wo die Temperatur bisher auf kritische 97°C kletterte, bleibt sie nun bei entspannten 82°C. Wir sind überglücklich, wieder in unserem eigenen Heim auf Rädern zu sein. Es ist zwar extrem warm und schwül, aber wie man so schön sagt: Dahoam is dahoam…… 🥰😍
Zurück in Santa Elena geniessen wir die vertraute Gastfreundschaft bei Charly. Um uns für die Unterstützung zu bedanken, schwingen wir den Kochlöffel für die ganze Belegschaft. Es gibt deftiges ungarisches Gulasch und als krönenden Abschluss frisch gebackene Palatschinken. Ein Stück europäische Heimat mitten in Mexiko.
An einem Morgen raffen wir uns trotz der Hitze auf. Unser Weg führt uns zunächst durch weitläufige Agavenfelder. Es ist beeindruckend zu sehen, wie diese Pflanzen die Landschaft prägen. Hier lernen wir: Nur der Schnaps, der aus genau diesen blauen Agaven hier in der Region hergestellt wird, darf sich am Ende auch wirklich Tequila nennen.
Unser Ziel ist das Santa Cruz De Santa Elena, eine heilige Stätte auf einem Hügel oberhalb des Dorfes. Der stetig ansteigende Pfad ist bei den aktuellen Temperaturen fordernd, doch die Bedeutung des Ortes ist spürbar – oft führen feierliche Prozessionen der lokalen Gemeinschaft hierher.
Oben angekommen, bietet sich uns ein spektakulärer Rundblick über die weite Landschaft von Jalisco und das Dorf Santa Elena. Die Aussicht entschädigt für jeden vergossenen Schweisstropfen! Den Nachmittag lassen wir dann verdientermassen am Pool und in Charlys schöner Anlage ausklingen.
Abschied von Santa Elena: Schöön gsy bi euch!
Nach 11 Tagen heisst es für uns Abschied nehmen. Mit ein wenig Wehmut verlassen wir diesen wunderbaren Ort. Ein riesiges Dankeschön geht an Charly, Denise, Alex und die gesamte Crew. Wir haben uns bei euch sauwohl gefühlt, selten so viel gelacht und konnten nach dem Werkstatt-Stress richtig tief entspannen. Danke für die Unterstützung, die Hilfe und die guten Gespräche – es war einfach eine tolle Zeit!
Die Weiterfahrt hielt gleich zwei Premieren für uns bereit:
- Strömender Regen: Zum ersten Mal seit Monaten peitschte der Regen gegen die Scheibe – ein ganz neues Fahrgefühl.
- Polizeikontrolle: Unsere allererste Kontrolle in Mexiko! Die Beamtin prüfte Führerschein, Papiere und das originale TIP und lassen problemlos weiterfahren.
Unser Ziel ist die Ausgrabungsstätte Tzintzuntzan auf einem Hügel mit Blick auf den Lago de Pátzcuaro. Wie bei jeder Sehenswürdigkeit, an der viele Besucher erwartet werden, herrscht hier reges Treiben: Überall stehen Zelte mit Souvenirs, frischen Früchten und Gemüse. Die Verkäufer versuchen mit viel Charme, alles Mögliche an den Mann oder die Frau zu bringen. Es ist ein lebendiger Kontrast zu den stillen, halbkreisförmigen Yácatas-Pyramiden und dem kleinen, informativen Museum der Anlage. Den Abend genossen wir schliesslich bei einer ruhigen Nacht auf dem Parkplatz.
Isla de Janitzio
Wir tauschen den Bodyduck gegen ein Boot und setzen über zur Isla de Janitzio. Der Name stammt aus der Sprache der indigenen Purépecha und bedeutet so viel wie „Maisblüte“. Die Insel ist ein faszinierender Ort, der sich steil aus dem Wasser erhebt. Um sie zu erkunden, muss man gut zu Fuss sein: Unzählige Treppen winden sich durch die engen Gassen nach oben.
Die Bewohner von Janitzio leben traditionell von der Fischerei – bekannt sind vor allem die Schmetterlingsnetze der Fischer – und heute natürlich stark vom Tourismus. Praktisch in jedem zweiten Haus werden Souvenirs und allerlei Waren zum Verkauf angeboten. Es ist ein buntes, geschäftiges Treiben, das den ganz eigenen Charme dieser Insel ausmacht.
Auf dem höchsten Punkt der Insel thront das Wahrzeichen: die gigantische, 40 Meter hohe Statue von José María Morelos, einem der bedeutendsten Helden des mexikanischen Unabhängigkeitskrieges.
- Ein Monument mit Tiefgang: Die Statue ist nicht nur von aussen beeindruckend; man kann in ihrem Inneren bis nach oben in die erhobene Faust von Morelos steigen.
- Kunstvolle Geschichte: Die Innenwände sind mit beeindruckenden Wandgemälden (Murales) verziert, die das Leben und den Kampf des Freiheitskämpfers in leuchtenden Farben erzählen. Von oben wird man zudem mit einem unvergleichlichen Rundblick über den gesamten See belohnt.
Pátzcuaro
Nach unserem Inselausflug haben wir uns im kleinen Bootshafen von Pátzcuaro niedergelassen. Für unschlagbare 40 Pesos konnten wir dort sicher übernachten. Von dort aus machten wir uns auf, das Herz der Stadt zu erkunden. Pátzcuaro trägt den Titel „Pueblo Mágico“ völlig zu Recht: Die Stadt ist ein wahres Juwel voller touristischer und historischer Schätze.
Unser Spaziergang führte uns durch die prachtvolle Altstadt. Wir liessen uns von den gut erhaltenen Kolonialgebäuden, den imposanten alten Kirchen und der ehrwürdigen Basilika verzaubern. Die Atmosphäre in den Gassen ist einzigartig – man fühlt sich fast in eine andere Zeit versetzt, während man von einem grossen Platz zum nächsten schlendert.
Ein Highlight war der Besuch im lokalen Mercado. Wir nutzten die Gelegenheit, um unsere Vorräte an frischem Gemüse und Früchten aufzustocken. Der Markt ist ein Fest für die Sinne: Die Farben, die Gerüche und das geschäftige Treiben boten uns die perfekte Kulisse für einige wirklich skurrile Fotos. Manchmal sind es die kleinen, schrägen Details am Wegesrand oder die ungewöhnliche Präsentation der Waren, die die besten Erinnerungen schaffen.
Morelia
Zahlreiche Grünflächen und weitläufige Parkanlagen machen Morelia für uns zu einer der schönsten Städte Mexikos. Die Pracht der unzähligen Kolonialgebäude und alten Kirchen ist beeindruckend – alles ist in einem hervorragenden Zustand. Es macht einfach riesigen Spass, durch die Strassen zu spazieren, die Architektur zu bewundern und den Tag in dieser eleganten Atmosphäre zu geniessen.
Ein absolutes architektonisches Highlight ist das mächtige Aquädukt mit seinen über 250 Bögen, das sich majestätisch durch die Stadt zieht. Ein besonderes Spektakel erwartet Besucher jeden Samstagabend: Dann verwandelt sich der Platz vor der Kathedrale in eine Festmeile mit tausenden Zusschauern, gekrönt von einem grossen Feuerwerk, das die historische Kulisse hell erleuchtet.
Wir haben einen idealen Stellplatz für den Bodyduck gefunden: Wir stehen drei Tage lang absolut ruhig und sicher in der Calzada de los Poetas, Alfredo Maillefert. Von hier aus ist die Logistik denkbar einfach: Mit dem Colectivo-Sammelbus sind wir in nur zehn Minuten mitten im Zentrum. So können wir die Stadt erkunden, ohne uns Gedanken um einen Parkplatz für unser grosses Gefährt machen zu müssen.
Los Azufres
Wir befinden uns in Los Azufres, einem Ort, der buchstäblich unter Dampf steht. Der Name bedeutet übersetzt „Die Schwefelhaltigen“, und das ist hier Programm. Die gesamte Region ist geprägt von vulkanischer Aktivität, was sich nicht nur in den heissen Quellen, sondern auch in den beeindruckenden Geothermie-Anlagen in der Umgebung zeigt.
Das Erlebnis in Los Azufres ist einzigartig:
- Heilsamer Schlamm: Neben dem Thermalwasser findet man hier oft auch Becken mit mineralhaltigem Heilschlamm. Eine Packung auf die Haut soll wahre Wunder wirken – ein natürliches Spa-Erlebnis mitten in der Wildnis.
- Laguna Larga: In der Nähe gibt es wunderschöne Seen, die von den dichten Wäldern eingerahmt werden und in denen sich der Dampf der Quellen malerisch spiegelt.
Es ist faszinierend, wie hier Industrie und Natur koexistieren. Auf der einen Seite die riesigen Rohre und Anlagen zur Stromgewinnung aus Erdwärme, auf der anderen Seite die idyllischen Naturbäder, in denen wir bei kühlen 15 °C Lufttemperatur im heissen Wasser entspannen. Für den Bodyduck ist die dünne Luft auf fast 3000 Metern eine kleine Herausforderung, aber die Ruhe hier oben ist jede Anstrengung wert.
Tamazulápam
Wir setzen unsere Reise auf der MEX 190 Richtung Oaxaca fort. Die Strecke ist ein wahres Abenteuer: Es geht in unzähligen Kurven mal hoch, mal runter durch eine fantastische, von grünem Wald bewachsene Berglandschaft. Zwar bremsen uns die unzähligen Topes (Bremsschwellen) immer wieder aus, doch die Route führt uns durch herrlich authentische Dörfer. Überall am Strassenrand locken Verkäufer mit frischem Obst oder duftenden Tacos und Burritos – ein Schlaraffenland für unterwegs.
Das Wetter begleitete uns mit ständigem Regen, was der Landschaft ein sattes Grün verleiht. Doch es war harmlos im Vergleich zu gestern in Tepoztlán: Dort erlebten wir ein gewaltiges Gewitter mit Blitz, Donner und solchen Wassermassen, dass an eine Stadtbesichtigung nicht zu denken war. Wir mussten im Bodyduck ausharren und zusehen, wie die Gassen zu kleinen Bächen wurden.
Unseren Schlafplatz haben wir in Tamazulápam gefunden, direkt gegenüber der Balneario (dem Thermalbad). Nach einer ruhigen Nacht nutzten wir den Morgen für einen ausgiebigen Rundgang durch die Gassen der Stadt. Es ist herrlich, das Erwachen eines solchen Ortes zu beobachten, bevor wir uns wieder in die Kurven der Berge stürzen.









































































































































































































