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2023.05.19 – 06.06 Mexiko

Zsolt
Zsolt – 2023.05.19 – 06.06 Mexiko

Mexiko Mainland, Teil 2

Juchipila

In Apozol angekommen, traf uns der Preisschlag: 300 Pesos pro Person und Nacht für das Thermalbad fanden wir absolut überrissen. Da gute Alternativen in der Gegend rar gesät waren, entschieden wir uns für die Weiterfahrt bis nach Juchipila. Dort fanden wir ein Plätzchen direkt an der Strasse bei einer Kinderparkanlage. Es war zwar etwas laut durch den vorbeiziehenden Verkehr, aber für eine Nacht war es die pragmatische Lösung – eben echtes Reiseleben.

Der nächste Morgen entschädigte uns für die unruhige Nacht. Wir machten einen Spaziergang ins Zentrum von Juchipila und landeten mitten im bunten Geschehen: Es war Markt! Zwischen den Ständen mit frischem Obst, Gemüse und handgemachten Waren liessen wir uns treiben. Die authentische Atmosphäre eines mexikanischen Dorfmarktes ist immer wieder ein Erlebnis und zeigt das wahre Leben abseits der Touristenpfade.

Santa Elena

Für den Bodyduck steht ein wichtiger Termin an: Wir haben uns bei Scania Guadalajara für einen grossen Service angemeldet. Da es etwa zwei bis drei Tage dauert, bis alle speziellen Teile und Filter vor Ort sind, haben wir den perfekten Ort zum Warten gefunden: Charly’s RV Park.

Das Beste an diesem Ort ist die Gemeinschaft. Wir sind nicht allein, sondern treffen auf bekannte Gesichter der Overlander-Szene: Rolf und Yvette (@reisemit.tfortwo) sowie Susanne (@henriette2.0_on_tour) sind ebenfalls hier. Gemeinsam mit Denise und Alex, die Charly tatkräftig bei der Bewirtschaftung unterstützen, verbringen wir die Abende in einer unglaublich lustigen und bereichernden Runde. Es tut gut, Erfahrungen auszutauschen und einfach mal wieder in Ruhe durchzuschlafen.

Gastgeber Charly ist vor über dreissig Jahren aus der Schweiz nach Mexiko ausgewandert. In all diesen Jahren hat er sich hier etwas Beeindruckendes aufgebaut: Ein ansehnliches Restaurant, gemütliche Cabañas und grosszügigen Platz für Overlander. Dank seiner hervorragenden Connections konnte er uns sogar einen Schlosser vermitteln, der uns einige Kleinigkeiten am Fahrzeug schweisste – Service pur!

Scania Guadalajara

Der 25. Mai war für den Bodyduck als grosser Servicetag markiert. Wir standen pünktlich bei Arbeitsbeginn vor dem grossen Tor, doch Mexiko lehrte uns wieder einmal Geduld: Erst gegen 12 Uhr erhielten wir Einlass. Der Hof war komplett voll, und wir mussten warten, bis sich eine Lücke für unser grosses Gefährt ergab.

Nach der Übergabe an die Mechaniker startete das volle Programm:

  • Wechsel aller Flüssigkeiten (Öl, Kühlwasser etc.).
  • Austausch sämtlicher Filter.
  • Komplette Überprüfung des gesamten Fahrzeugs.

Während die Fachleute schraubten, nutzten wir die Zeit für einen Ausflug ins Zentrum von Tonalá. Wir spazierten die Hauptstrasse entlang und begutachteten die unzähligen Marktstände, die links und rechts die Wege säumten – ein schöner Zeitvertreib, um die Wartezeit zu überbrücken.

Obwohl man uns versprochen hatte, bis 18 Uhr fertig zu sein, wurde es schliesslich 19 Uhr, bis wir den Bodyduck wieder in Empfang nehmen konnten. Für die Rückfahrt nach Santa Elena zu Charly war es nun definitiv zu spät. Wir improvisierten und suchten uns in der Nähe einen bewachten LKW-Parkplatz. Nicht ganz so idyllisch wie der RV Park, aber sicher und zweckmässig nach diesem langen Tag in der Werkstatt.

Balneario El Rincón

Wir haben einen wunderbaren Platz im Balneario El Rincón in Teuchitlán gefunden. Die Anlage ist grosszügig gestaltet und bietet mit zahlreichen Palapas, Tischen und Stühlen viel Raum zum Verweilen. Ob Action auf den grossen und kleinen Rutschen oder entspanntes Bahnenziehen im Schwimmbecken – hier kommt jeder auf seine Kosten.

Das absolute Highlight ist der Naturpool mit echtem Quellwasser. Das Wasser ist glasklar und bietet ein ganz besonderes Extra: eine natürliche Fisch-Pediküre. Sobald man ruhig im Wasser verweilt, knabbern die kleinen Fische eifrig an den Füssen – ein kitzliges, aber schönes Erlebnis.

Leider hat die Idylle einen bitteren Beigeschmack. Wir müssen auch hier feststellen, wie gleichgültig viele Besucher ihren Abfall einfach liegen lassen. Überall findet man Müll in der schönen Anlage. Es ist offensichtlich, dass es hier noch massiv an Aufklärung und einem Bewusstsein für den Umweltschutz fehlt, was angesichts dieser Naturjuwelen wirklich traurig ist.

Guachimontones

Nur ein kurzes Stück oberhalb des Balnearios erreichen wir zu Fuss den Hügel von Guachimontones. Dieser Ort war einst das machtvolle Leitzentrum der Teuchitlán-Kultur (ca. 300 v. Chr. bis 900 n. Chr.). Die Anlage unterscheidet sich grundlegend von allem, was wir bisher in Mexiko gesehen haben: Statt eckiger Bauten dominieren hier kreisrunde Strukturen.

Wir spazieren zwischen den beeindruckenden Grundrissen der verschiedenen Tempelanlagen. Das Herzstück sind die konzentrischen Stufenpyramiden, die einst für religiöse Zeremonien genutzt wurden. Auf dem Gelände befinden sich zudem:

  • Zwei Ballplätze: Wo einst das rituelle Ballspiel stattfand.
  • Ein Amphitheater: Das auf eine ausgeprägte soziale Gemeinschaft hindeutet.
  • Die Aussicht: Neben der Geschichte ist auch der Blick vom Hügel aus schlichtweg wunderschön. Man überblickt das gesamte Tal und den glitzernden See von La Vega – ein Panorama, das zum Verweilen einlädt.

Bevor wir das Gelände wieder verlassen, besuchen wir das kleine, aber sehr informative Museum am Eingang. Es hilft uns dabei, die komplexe Architektur dieser besonderen Kultur besser zu verstehen.

Teuchitlán

Nachdem wir die Rundpyramiden erkundet haben, führt uns ein kurzer Fussmarsch am Nachmittag direkt in das Städtchen Teuchitlán. Der Weg dorthin ist gesäumt von beeindruckender StreetArt, die das Dorfbild belebt. Wir spazieren an der altehrwürdigen Kirche vorbei bis ins Zentrum, wo uns in den Gebäuden weitere kunstvolle Wand- und Deckenmalereien erwarten.

Die Geschichte dieses Ortes ist gewaltig: Zwischen 1000 v. Chr. und 500 n. Chr. blühte hier am Fusse des majestätischen Vulkans Tequila eine Zivilisation auf, die eng mit der präkolumbianischen Teuchitlán-Kultur verknüpft ist. Kaum vorstellbar, dass in dieser Hochphase bis zu 40’000 Menschen in dieser Region lebten und arbeiteten – eine wahre Metropole der damaligen Zeit.

Neben der Kultur gab es auch ein sehr praktisches Erfolgserlebnis: Wir mussten unsere Barbestände aufstocken. An einem lokalen Automaten bezogen wir Bargeld und zahlten eine Gebühr von lediglich 17.40 Pesos – so billig sind wir in ganz Mexiko noch nie an Bargeld gekommen! Ein kleiner, aber erfreulicher Sieg für die Reisekasse.

Batanga

Wir verlassen Tepic über die MEX 15 libre. Die Strecke führt uns durch beeindruckende Berglandschaften, die uns mit fantastischen Aussichten belohnen und einige aussergewöhnliche Bilder für unsere Sammlung einbringen. Allmählich flacht das Gelände ab und wir fahren an unzähligen Tabakplantagen vorbei, bis wir schliesslich die Anlegestelle Batanga erreichen.

An der Anlegestelle dürfen wir auf dem Parkplatz übernachten. Die Lage am Wasser ist zwar praktisch, bringt aber eine grosse Herausforderung mit sich: unzählige, aggressive Mücken. Es war ein wahrer Kampf, doch die Vorfreude auf die Insel liess uns durchhalten 🦟🦟🦟

Am nächsten Morgen geht es mit dem Boot hinaus auf die Insel. Eine Besonderheit hier ist das Wasser: In der Regenzeit ist es durch die Zuflüsse süss, während es in der Trockenzeit durch den Ozean salzig wird. Die Insel selbst ist fast kreisrund mit einem Durchmesser von nur etwa 400 Metern. Auf diesem kleinen Raum leben rund 1200 Menschen in einer ganz eigenen, vom Wasser geprägten Welt.

Aticama Pazifik-Feeling

Endlich haben wir die Küste erreicht! Der Himmel zeigt sich leicht bewölkt und eine sanfte Brise weht uns um die Nase – doch bei 33 °C ist das Klima trotzdem herrlich tropisch. Wir haben uns entschieden, zwei Tage lang komplett abzuschalten und die Ankunft am Ozean in vollen Zügen zu geniessen.

Unser Alltag besteht derzeit aus den schönsten Dingen, die die Küste zu bieten hat:

  • Strandspaziergänge: Wir lassen uns den Wind um die Ohren wehen und geniessen das Rauschen der Wellen.
  • Chiringuiti de Palo: Wir nutzen die tolle Anlage mit ihren Pools für eine willkommene Abkühlung.
  • Kulinarik: Ein Muss an der Küste sind natürlich frische Mariscos (Meeresfrüchte) – ein wahrer Gaumenschmaus direkt am Wasser.

Auch ein Spaziergang ins nahegelegene Dorf darf nicht fehlen, um ein wenig lokale Luft zu schnuppern und die Vorräte zu ergänzen. Es ist die ideale Mischung aus purer Entspannung und kleinen Entdeckungen.

Altavista RV Park

Um der drückenden Hitze an der Küste zu entfliehen, zieht es uns wieder ein Stück in die Höhe. Auf dem Weg zum Altavista RV Park nutzen wir die Gelegenheit, an den vielen Marktständen entlang der Strasse unsere Vorräte mit frischen Früchten und Gemüse aufzustocken. Unser Ziel ist das wunderschöne Grundstück von Susy und Nacho, wo uns angenehme Temperaturen und eine herrliche Ruhe erwarten.

Wir geniessen einen fantastischen Ausblick auf den Pazifik, während wir tief in das Landleben eintauchen. Jasmin und Luis, die Verwalter der Ranch, kümmern sich rührend um uns. Wir werden mit frischen Bio-Früchten direkt vom Land beschenkt und erhalten wertvolle Tipps für unsere geplanten Wanderungen. Unser Stellplatz gleicht einem kleinen Streichelzoo: Wir stehen mitten zwischen Truthähnen, Kaninchen, Hühnern, Enten, Hunden, Eseln und Pferden.

Die Petroglyphen von Altavista

Jasmin und Luis haben uns den Weg gewiesen, und so machen wir uns auf zu einer ganz besonderen Wanderung. Unser Ziel ist eine heilige Stätte der Wixaritari (in Mexiko oft Huicholes genannt). Der Name bedeutet in ihrer Sprache so viel wie „Zauberer“ oder „Heiler“. Der Weg dorthin führt uns über einen unbeschilderten Pfad entlang eines ausgetrockneten Flussbetts. Man kann sich gut vorstellen, wie das Wasser hier zur Regenzeit die Becken zwischen den Felsen füllt und die Szenerie verwandelt.

Am Ziel angekommen, tauchen wir in eine andere Welt ein. Wir finden die berühmten, tief in den Stein gravierten Petroglyphen. Diese uralten Symbole haben einen rätselhaften Charme und wirken an diesem abgeschiedenen Ort unglaublich kraftvoll. Überall zwischen den Felsen entdecken wir kleine Opfergaben der Huichols – bunte Perlenarbeiten, kleine Gaben und Symbole ihrer tiefen Verbundenheit mit der Natur und ihren Ahnen. Es ist ein Ort voller Energie und Stille.

Als wäre der Besuch der Stätte nicht schon magisch genug, hält der Rückweg eine ganz besondere Überraschung für uns bereit: Wir treffen tatsächlich einen Wixaritari-Zauberer. In einem Moment tiefer Verbundenheit hält er inne und gibt uns seinen Segen mit auf den Weg. Es ist ein Erlebnis, das uns tief berührt und uns mit einem Gefühl von Frieden und Dankbarkeit zurück zum Bodyduck wandern lässt.

Nuevo Ixtlán

Unsere Weiterfahrt zu den Aguas Termales de Nuevo Ixtlán stellt den Bodyduck und unsere Geduld auf die Probe. Die Landstrasse ist eng, staubig und mit tiefen Schlaglöchern übersät. Nur im Schritttempo kommen wir voran, während der Staub in jede Ritze kriecht. Doch wir wissen aus Erfahrung: Zu den schönsten und eindrucksvollsten Orten führen oft die miserabelsten Wege.

Am Ziel angekommen, vergessen wir die mühsame Anfahrt sofort. Nuevo Ixtlán ist ein echter Geheimtipp und tief in der Natur versteckt. Inmitten von dichtem Grün liegen zahlreiche, mit Stein eingefasste Becken, die von natürlichem, heissem Quellwasser gespiesen werden.

Es ist ein riesiger Spass, von einem Becken zum nächsten zu wechseln und die unterschiedlichen Temperaturen zu geniessen. Die Atmosphäre unter den riesigen Bäumen ist magisch und das Erlebnis, in diesem klaren Thermalwasser zu entspannen, ist einfach toll. Ein Ort, der beweist, dass sich jeder Umweg und jedes Schlagloch lohnt, wenn man am Ende so belohnt wird.

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