2023.09.07 – 10.15 El Salvador
El Salvador
Einreise El Salvador:
Guatemala, La Ermita – El Salvador, Anguiatú
06. September 2023
Gleich nach dem man Guatemala verlassen hat, teilt sich der Fahrbahn in zwei Spuren. Links ist für Personenwagen, rechts für kommerzielle Motorfahrzeuge. Wegen unsere Grösse müssen wir auch rechts fahren. Die Dame will die Pässe sehen, dann werden wir gebeten auf der linken Seite der Strasse in den Zollhof zu fahren.
Hier der Ablauf in Anguiatú:
→ 1. Im grossen, neuen und sehr modernen Gebäude links, sind die Schalter vom Zoll. Hier melden wir uns mit folgenden Papiere: original Pässe, original Fahrzeugpapiere und das Formular was wir auf der guatemaltekischer Seite erhalten haben (Kopie vom TIP Guatemala).
Wir erhalten ein Formular, was wir ausfüllen müssen. Hier werden Angaben vom Fahrzeug gefragt.
Die Dame ist sehr hilfsbereit und füllt uns gemäss TIP Guatemala alles aus. Sie kommt zum Fahrzeug und kontrolliert das Kennzeichen, VIN Nummer, die Farbe, Anzahl Türen, etc.
Danach gibt sie alle Daten in Computer ein. Wenn alles gut ist erhält man die Pässe und das „Autorizacion para el regime de Importation de vehiculo usado.“
Gültig für 60 Tage.
→ 2. Die Pässen werden hier nicht gestempelt.
Dauer im Normalfall ca. eine Stunde, .
Kosten, keine.
Danach ist die Fahrt frei für nach El Salvador.
Ein schwarzer Tag an der Grenze
Was als gewöhnlicher Grenzübertritt geplant war, entwickelte sich an der Grenze Anguiatú nach El Salvador zu einem absoluten Tiefpunkt unserer Reise. Nach der routinemässigen Fahrzeugkontrolle traf uns die Nachricht der Beamten wie ein Schlag: Unser Motorrad wird angeblich per Interpol gesucht.
Laut den Behörden stimmt die Fahrgestellnummer unseres Motorrads mit der eines gesuchten Fahrzeugs überein. Dass die Fakten eine ganz andere Sprache sprechen, schien die Beamten vor Ort nicht zu interessieren:
- Baujahr: Das gesuchte Motorrad stammt aus dem Jahr 1993, unseres ist von 1990.
- Farbe: Das gesuchte Fahrzeug ist weiss, unseres ist bunt.
Diese eklatanten Unterschiede wurden als irrelevant abgetan. Die Konsequenzen folgten sofort und unerbittlich: Unsere Pässe, Führerscheine, sämtliche Fahrzeugpapiere und sogar der Zündschlüssel wurden einbehalten.
Die aktuelle Lage ist mehr als angespannt. Das Motorrad soll morgen für weitere Untersuchungen nach Santa Ana transportiert werden. Uns wurde mitgeteilt, dass in den kommenden zwei bis drei Tagen ein Verfahren stattfinden soll, bei dem ein Richter über das weitere Vorgehen entscheiden wird. Wir sind nun zum Warten verdammt und hoffen, dass die Vernunft und die eindeutigen Papiere am Ende siegen werden.
Ein kleine Zwischenbilanz von uns.
Wir stehen in San Salvador auf einem Stellplatz bei Eddi und Irene. Wir haben vorgestern gleich mit der CH Botschaft Kontakt aufgenommen. Ein Antwort kam promt und positiv. Sie haben uns gleich einen Anwalt organisiert, wo wir gestern auch schon getroffen haben. Am Montag fahren wir dann zusammen nach Santa Ana zur Staatsanwaltschaft zu eine erste Anhörung……
Am liebsten würden wir das Motorrad einfach stehen lassen, wenn wir nicht nochmal nach Guatamala zurückkehren möchten, wo der TIP nur pausiert ist.
- Weiss jemand was passieren kann, wenn wir ohne Motorrad an die Grenze von Guatemala zurückfahren?
- Einfach den TIP nicht erwähnen?
- Ist der TIP mit dem Pass oder Namen verknüpft?
Das sind grosse Fragen, die uns im Moment beschäftigen. Denn, ich weiss nicht, ob das soviel Wert hat X Stunden für den Anwalt zu bezahlen, für ein Motorrad wo nur ein minimal an Wert hat……
Während wir händeringend auf die Dokumente warten, die uns bei der Staatsanwaltschaft vom Verdacht des Diebstahls entlasten sollen, haben wir einen echten Lichtblick gefunden. Über iOverlander sind wir auf Irene und Eddie gestossen. Eddie ist in Deutschland aufgewachsen und spricht fast perfekt Deutsch. In unserer aktuellen Situation ist das wie ein Geschenk des Habenichts: Er unterstützt uns enorm bei den Behördengängen und den Gesprächen mit dem Anwalt in San Salvador. Ohne seine Hilfe beim Übersetzen wären wir in diesem Verfahren verloren.
San Salvador
Um den Kopf frei zu bekommen, unternehmen wir mit den beiden Ausflüge, wie heute in das historische Zentrum der Hauptstadt. Das Bild, das sich uns bietet, ist faszinierend: belebte Fussgängerzonen, gepflegte Parks und tolle Bars prägen das Stadtbild.
Doch die friedliche Szenerie löst bei mir auch Schauder aus, wenn ich an die jüngste Vergangenheit denke. Bis vor etwa fünf Jahren wäre ein solcher Spaziergang – erst recht nach 18 oder 19 Uhr – undenkbar gewesen. Jeder Salvadorianer kann aus dem engsten Kreis von schrecklichen Erlebnissen berichten. Angst, Bedrohung und Gewalt gehörten zum Alltag; oft reichten kleinste Meinungsverschiedenheiten für blutige Taten aus.
Heute ist davon im Stadtzentrum nichts mehr zu spüren. Wir sehen freundliche Gesichter, lächelnde Menschen und fröhliche Kinder. In den Parks tanzen Menschen jeden Alters zu Live-Musik. Es ist tief beeindruckend zu sehen, wie sich ein Land innerhalb so kurzer Zeit von einer Atmosphäre des Schreckens zu dieser Lebensfreude wandeln kann – ein Kontrast, der uns in unserer eigenen unsicheren Lage sehr nachdenklich stimmt.
Vulkan Boquerón
Die Strasse, die uns hinauf zum Hausvulkan führt, ist steil – wirklich extrem steil. Es ist deutlich spürbar, dass der Vulkan ein beliebtes Ziel für die Bewohner der Hauptstadt ist. Ein Aussichtsrestaurant reiht sich an das nächste, und alle buhlen mit dem versprochenen Blick über die Stadt um die Gunst der Besucher.
Der Vulkan selbst zeigt sich heute jedoch von seiner schüchternen Seite. Er ist fast komplett in dichte Wolken gehüllt. Als wir die Aussichtsplattform erreichen, von der aus man normalerweise tief in den gewaltigen Krater blicken kann, stehen wir vor einer grauen Wand aus Nebel. Da die Wolken zusehends dunkler werden und uns auch die Sicht auf das Lichtermeer von San Salvador immer mehr verwehrt bleibt, entscheiden wir uns für den gemütlichen Teil des Abends.
Wir kehren in eines der Restaurants ein, um gemeinsam mit Irene und Eddie den Abend zu geniessen. Kaum haben wir das erste Bier und eine reichhaltige Aperoplatte vor uns, bricht der Himmel über uns auf. Ein heftiger Regenschauer prasselt nieder, begleitet von gleissenden Blitzen und kräftigem Donner. In diesem Moment sind wir mehr als froh, ein festes Dach über dem Kopf zu haben und in so guter Gesellschaft zu sein.
Es war trotz der fehlenden Fernsicht ein toller Abend – ein herzliches Danke an Irene und Eddie für diese schönen Stunden in all dem Trubel!
Ichanmichen
Heute ist es so weit: Wir verlassen nach vier intensiven Wochen das Grundstück von Irene und Eddie. Dieser Ort war für uns in einer schwierigen Zeit ein wahrer Zufluchtsort. Nun ist die Zeit zum Weiterreisen gekommen. Wir steuern den Bodyduck durch den regen Stadtverkehr von San Salvador in Richtung Süden. Schon während der Fahrt bemerken wir den Temperaturunterschied deutlich – die angenehme Kühle der Stadt weicht einer drückenden tropischen Hitze.
Unser Ziel ist der Parque Acuático Ichanmichen. Bei Aussentemperaturen von mittlerweile 33°C ist die Vorfreude auf eine Abkühlung riesig. Der Park bietet verschiedene Becken, die mit herrlich sauberem Quellwasser gefüllt sind. Ein Sprung in das klare Nass ist bei dieser Hitze genau das Richtige.
Die Anlage ist wunderbar weitläufig gestaltet, wobei riesige Bäume das gesamte Areal überspannen und den so dringend benötigten Schatten spenden. Zwischen den mächtigen Stämmen finden sich zahlreiche Tische und Sitzgelegenheiten, die förmlich zum Verweilen einladen. Auch für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt, da verschiedene Food-Buden mit lokalen Snacks auf dem Gelände nicht fehlen dürfen. Mit einem Eintrittspreis von nur 3 USD pro Person ist der Park zudem sehr preiswert, und als besonderes Highlight durften wir die Nacht sogar kostenlos auf dem Gelände verbringen.
Suchitoto
Suchitoto, oft als die „Kulturhauptstadt“ des Landes bezeichnet, hat uns mit seinem kolonialen Charme sofort verzaubert. Die Stadt liegt majestätisch über dem Suchitlán-See und bietet von ihren gepflasterten Gassen aus immer wieder atemberaubende Ausblicke auf das glitzernde Wasser und die umliegende Bergwelt.
Das Herzstück der Stadt ist zweifellos die strahlend weisse Kirche Santa Lucía, die den zentralen Platz dominiert. Mit ihren markanten Türmen und der klassischen Architektur ist sie ein beliebtes Fotomotiv, besonders wenn davor die Wasserfontänen des Brunnens in der Sonne glitzern. Auch das Innere der Kirche ist mit seinen hölzernen Altären, den kunstvollen Heiligenstatuen und der andächtigen Atmosphäre einen Besuch wert.
Beim Schlendern durch Suchitoto fühlt man sich in eine andere Ära versetzt:
- Gassen: Die Strassen sind fast durchgehend mit Kopfsteinpflaster ausgelegt, was der Stadt einen sehr authentischen Charakter verleiht.
- Architektur: Die Häuser sind in leuchtenden Farben gestrichen oder klassisch weiss gehalten, oft verziert mit kunstvollen Wandmalereien oder farbigen Akzenten an den Fassaden.
- Lebensart: Überall findet man kleine Kunstgalerien, gemütliche Cafés und versteckte Hinterhöfe. Besonders faszinierend ist der Blick in die steilen Seitenstrassen, die oft direkt auf den See hinunterführen.
Suchitoto hat es geschafft, seine historische Identität zu bewahren und strahlt eine Ruhe aus, die nach dem Trubel der Hauptstadt unglaublich gut tut.
Sacacoyo
Im Rancho Tadajas RV Park haben wir ein Plätzchen gefunden, an dem wir uns sofort wohlfühlen. Die grosse Anlage wird von Oskar, dem Platzwart, mit unglaublich viel Herz und Blut gepflegt – das merkt man an jeder Ecke. Von der Terrasse aus geniessen wir eine fantastische Aussicht über die Landschaft und auf den Vulkan Santa Ana. Auch wenn das Wetter momentan mehrheitlich bedeckt ist und es häufig regnet, hat die neblige Stimmung über dem See und den Bergen ihren ganz eigenen Reiz.
Das überschaubare Dorf Sacacoyo ist in nur 10 Minuten zu Fuss erreichbar, was unsere Versorgung sehr einfach macht. Wir schlendern regelmässig hinein, um uns mit frischen Früchten, Gemüse und anderen Lebensmitteln einzudecken. Ein besonderes Highlight sind die lokalen Köstlichkeiten: Es gibt nichts Besseres als direkt vor Ort frisch gebackene Pupusas oder Tortillas zu besorgen, die noch warm am besten schmecken.
Ruta de las Flores
Unsere Fahrt über die viel umworbene Ruta de las Flores verläuft leider anders als geplant. Da es ununterbrochen regnet, bleibt uns kein einziger der so oft empfohlenen Spaziergänge durch die blumigen Dörfer vergönnt. Wir setzen unsere Reise daher fort in Richtung Ahuachapán, wo uns ein ganz besonderes Highlight erwartet.
Termales de Santa Teresa
Unweit der Stadt stossen wir auf die Termales de Santa Teresa, und ein Besuch hier ist wahrlich ein Pflichtprogramm. Die Anlage ist ein Rundumwohlfühlparadies par excellence: An die 40 verschiedenen Becken mit unterschiedlich warmem Thermalwasser laden dazu ein, die Seele baumeln zu lassen. Ob es nun regnet oder nicht – im warmen Quellwasser zu entspannen, ist ein unvergleichliches Erlebnis.
Neben den zahlreichen Becken bietet das Resort alles, was das Herz begehrt. Es gibt gemütliche Cabanas zum Mieten, professionelle Massagen, reinigende Schlammpackungen und Saunen. Selbst als der Regen schliesslich aufhört, bleibt die Atmosphäre magisch. Es ist der ideale Ort, um die verpassten Wanderungen der Blumenroute mit purer Entspannung wettzumachen und neue Energie für die nächsten Kilometer im Bodyduck zu tanken.
Cerro Verde
Bevor uns die Nachrichten über die politische Lage erreichen, geniessen wir die Ruhe am Cerro Verde. Da an einem Sonntag auf dem Aussichtspunkt extrem viel los ist, verschieben wir unsere Pläne für den Santa Ana Vulcan Trail Head auf den nächsten Morgen. Ein Abendspaziergang belohnt uns schliesslich: Der Nebel verzieht sich pünktlich zum Sonnenuntergang und gibt einen herrlichen Ausblick über das Wolkenmeer frei – ein Moment des Friedens, bevor wir wieder in den Reise-Modus schalten.
Sobald unsere Antenne installiert ist, erreicht uns die Realität: Die Nachrichten aus Guatemala sind beunruhigend. Über 40 Strassenblockaden, vor allem rund um Guatemala City und Antigua, legen das Land teilweise lahm. Die Situation ist extrem angespannt und könnte jederzeit kippen, da eine Einigung zwischen den Demonstranten und der Regierung nicht in Sicht ist.
Diese Nachrichten zwingen uns zum Handeln. Da die Route Richtung Norden nach Belize aktuell frei zu sein scheint, treffen wir eine schnelle Entscheidung: Wir lassen die geplante Vulkanwanderung am Morgen sausen. Stattdessen werden wir früh aufbrechen und versuchen, Guatemala so zügig wie möglich zu durchqueren, um die Grenze nach Belize zu erreichen. Die Ungewissheit bleibt unser ständiger Begleiter, aber das Ziel ist klar.
Nach dem wir beschlossen haben Richtung Belize aufzubrechen, erreichen die Grenze El Salvador kurz nach dem Mittag.
Ablauf Ausreise El Salvador:
1. 500m vor der eigentliche Grenze gibt man den TIP mit einem Fotokopie im Zollgebäude mitten auf der Strasse, ab. Kopie erhält man gestempelt als Beleg zurück.
2. Man fährt dann weiter und vor dem Zollhof werden die Päasse und die Kopie vom TIP kontrolliert. Dann muss man in den Zollhof fahren um bei der Imigracion die Pässe auszustempeln.
Einreise Guatemala La Ermita: 1. Parkieren vor der Übergang, mit den Pässen ans Schalter der Imigracion um das Einreisedatum zu erhalten. 2. Wir haben bei der Einreise die SAT pausieren lassen. Hier muss man beidseitig eine Kopie und eine Passkopie mit Einreisestempel vom Fahrzeuginhaber machen lassen. Kopie-Shop gleich gegenüber (Kosten 1QZ / Kopie). SAT Büro ist ein blaue LKW-Büro, wo man original SAT und Kopien abgibt, um die Einreise des Fahrzeuges einzutragen. Kosten drei Seiten kopieren je 1QZ Zeitaufwand 30 Minuten
El Salvador in Zahlen:
• 41 Tage unterwegs
• 972 Km gefahren
• 36 Campgrounds
• 2 Pannen




























































































