2024.01.02 – 02.19 Mexiko
Mexiko zum zweiten, Teil 2
Gemeinsamer Start ins neue Jahr
Den Neujahrstag haben wir in einer besonders gemütlichen und geselligen Runde verbracht. Die Gäste von @Charly’s.rvpark haben sich zusammengetan und ein grosses, gemeinsames Raclette-Essen organisiert.
Es war ein wunderbares Beispiel für die Overlander-Gemeinschaft: Jeder hat etwas dazu beigetragen, sei es Käse, Beilagen oder gute Getränke. So entstand eine bunte Tafel voller Köstlichkeiten. In dieser fröhlichen Runde haben wir das neue Jahr gebührend begrüsst, gemeinsam gelacht und Pläne für die kommen
El Agua Caliente
Nach den gemütlichen Tagen bei Charly’s packen wir unsere Wanderschuhe für einen Ausflug ins benachbarte Dorf El Agua Caliente. Der Weg führt uns durch riesige, beeindruckende Agavenfelder. In der brühenden Hitze Mexikos marschieren wir dahin, immer die Aussicht auf eine heisse Quelle und ein entspanntes Bad im Kopf. Die Vorfreude auf das Wasser ist bei diesen Temperaturen unser grösster Antrieb.
Im Dorf angekommen, entpuppt sich das ersehnte Bad jedoch als eine kleine Enttäuschung. Die Becken befinden sich in einem sehr gewöhnungsbedürftigem Zustand und dienen den Frauen des Dorfes primär als gemeinschaftliche Wäscherei, um ihre Kleidung von Hand zu waschen. Statt Wellness-Atmosphäre erleben wir also den harten Alltag der Einheimischen – ein Bad zwischen Seifenlauge und Wäschebergen war dann doch nicht das, was wir uns erhofft hatten. Dennoch war der Einblick in das dörfliche Leben sehr interessant.
Casa siete Leguas
Heute hat uns Denis mit nach Atotonilco genommen, um tief in die Welt des mexikanischen Nationalgetränks einzutauchen. Wir besuchten die traditionelle Tequilafabrik Casa siete Leguas, und die Führung dort war absolut ausführlich und beeindruckend.
Seit 1952 ist dieses Familienunternehmen tätig und gehört zu den ganz wenigen Herstellern, die noch nach alter Tradition arbeiten. Hier wird nichts dem Zufall überlassen: Es kommt noch viel echte Handarbeit zum Einsatz, und sogar Maultiere helfen bei der Arbeit. Alles basiert auf rein natürlicher Basis, was in der heutigen Zeit eine Seltenheit geworden ist.
Der Prozess ist faszinierend zu beobachten:
- Die Agavenherzen (Piñas) werden von Hand geschnitten.
- Anschliessend werden sie gekocht und gepresst.
- Nach der Fermentierung folgt die Destillation.
Trotz der traditionellen Methoden werden hier täglich etwa 7000 Liter produziert. Diese Qualität ist im In- und Ausland hoch geschätzt. Nach diesen tiefen Einblicken in die Tequila-Herstellung schlenderten wir noch ein wenig durch die Stadt Atotonilco, bevor wir den Bus zurück nach Santa Elena nahmen. Ein rundum gelungener Tag voller neuer Erkenntnisse!
Ehrentag bei Charly’s
Heute steht alles im Zeichen von Emeses Geburtstag. Damit die Überraschung gelingt, lässt sich Denis etwas einfallen und lockt sie zuerst in die Stadt, gefolgt von einer kleinen Wanderung hinauf zum Kreuz, von wo aus man sicher einen tollen Ausblick hatte.
Als die beiden schliesslich zurückkehren, wartet bereits die grosse Überraschung: Die gesamte Belegschaft und alle Gäste haben sich versammelt und empfangen Emese mit einem herzlichen und lautstarken „Happy Birthday“. Die Freude ist riesig! Natürlich darf bei so einer Feier auch ein prächtiger Geburtstagskuchen nicht fehlen. Emese übernimmt das Anschneiden und verteilt die süsse Leckerei an die fröhliche Runde. Ein wunderbarer Moment, der einmal mehr zeigt, wie eng die Overlander-Familie hier zusammengewachsen ist.
Santa Cruz
Die Wanderung vom Refugio hinauf zum Santa Cruz auf 1920 m ü. M. erweist sich als eine mittelschwere, aber äusserst lohnenswerte Route. Der Weg führt uns durch sehr abwechslungsreiches Gelände: Zuerst wandern wir gemächlich durch ausgedehnte Agavenfelder, dann geht es durch hochgewachsene Gräser, bevor uns das letzte Stück über steiniges und steiles Terrain fordert.
Oben angekommen, werden wir mit einer fantastischen Aussicht über das gesamte Gebiet belohnt. So weit das Auge reicht, erstrecken sich die unzähligen Agavenfelder, die diese Region so prägen. Bevor wir den Abstieg in Angriff nehmen, stärken wir uns an dieser besonderen Pilgerstätte mit einem kulinarischen Highlight aus dem Rucksack: Charly’s legendäre Fleischkäse-Einklemte. So lässt sich das Panorama noch viel besser geniessen!
Zurück am Stellplatz erwartet uns bereits ein köstliches Mittagessen, das den Tag perfekt abrundet. Es gibt saftige Pouletschenkel an Honig und Sojasauce, serviert mit leuchtend gelbem Kurkumareis. Ein wahrer Gaumenschmaus nach der körperlichen Anstrengung!
Schön war’s… ein Tag voller Kontraste und Genuss! 😎
Tlaquepaque
Da unser Retarder eine Revision benötigt, nutzen wir die Zeit in Guadalajara für einen Ausflug nach Tlaquepaque. Seit 2018 trägt der Ort den Titel Pueblo Mágico, und das völlig zu Recht. Was einst als bescheidenes Töpferdorf begann, wandelte sich ab dem 19. Jahrhundert zum Rückzugsort reicher Familien, die hier prachtvolle Häuser und Haciendas errichteten. Viele dieser stattlichen Gebäude mit ihren wunderschönen Innenhöfen sind heute öffentlich zugänglich.
Ein besonderes Highlight unseres Besuchs ist das Keramikmuseum (Museo Regional de la Cerámica). In den historischen Räumen einer alten Hacienda wird die ganze Vielfalt der mexikanischen Töpferkunst lebendig. Von filigranen Figuren bis hin zu riesigen Prunkstücken – die Detailverliebtheit der Künstler ist schlicht überwältigend. Es ist faszinierend zu sehen, wie die verschiedenen Techniken über Generationen hinweg verfeinert wurden und bis heute Teil der lokalen Identität sind.
Tlaquepaque ist zudem weltbekannt für seine erstklassigen Künstlergalerien. Beim Schlendern durch die Gassen im Zentrum fallen uns sofort die vielen Kunstfiguren auf, die die Wege säumen. Zwischen den Galerien laden immer wieder charmante Gourmet-Restaurants und kleine Cafés in den schattigen Patios zum Verweilen ein. Wir geniessen diesen Tag voller künstlerischer Eindrücke und lassen uns von der besonderen Atmosphäre treiben.
Lago de Chapala
Nach dem langen und geselligen Camping-Feeling bei Charly’s RV Park zieht es uns wieder in die Einsamkeit. Wir verbringen ein ruhiges Wochenende auf dem Damm des Lago de Chapala, dem grössten Binnensee Mexikos. Doch die Idylle trügt: Vom Wasser ist kaum etwas zu sehen, da der Wasserstand einen dramatischen Tiefstand erreicht hat. Wo früher Wellen an den Damm schlugen, erstrecken sich heute oft nur noch trockene Flächen.
Die Situation des Sees ist besorgniserregend. Die Wasserqualität ist aufgrund von Schmutz, Abfall und massiven Düngemittelrückständen aus der Landwirtschaft sehr minderwertig. Hinzu kommt eine gefährliche Belastung mit Schwermetallen.
Es ist ein Paradoxon der modernen Infrastruktur: Obwohl der See ökologisch am Abgrund steht, ist er die wichtigste Wasserquelle der Region. Er versorgt die Millionenmetropole Guadalajara mit 80 % und sogar Mexiko-Stadt mit 20 % ihres Wasserbedarfs. Diese Zahlen verdeutlichen, wie kritisch der Zustand dieses Gewässers für das ganze Land ist.
Petatán
Wir verlassen unseren Platz am Damm und machen uns auf den Weg nach Ajijic. Die Route führt uns am Südufer des Lago de Chapala entlang – eine wunderschöne Strecke, die uns immer wieder mit fantastischen Ausblicken auf den riesigen See belohnt. Auch wenn der Wasserstand niedrig ist, bleibt die Weite der Landschaft beeindruckend.
Unser Zwischenstopp führt uns in das kleine Fischerdorf Petatán. Um ehrlich zu sein: Das Dorf selbst ist nicht unbedingt eine architektonische Schönheit, aber es beherbergt eine ganz besondere Attraktion. Hunderte von weissen Pelikanen haben sich hier niedergelassen.
Es ist ein beachtliches Schauspiel, diese riesige Kolonie aus nächster Nähe zu beobachten. Die Vögel kommen jedes Jahr aus dem hohen Norden hierher, um zu überwintern. Es ist fast schon surreal, so viele dieser grossen, weissen Vögel auf einem Haufen zu sehen – ein echtes Highlight für jeden Naturfreund!
Ajijic
In Ajijic angekommen, wird es erst einmal eng: Wir zwängen uns um Millimeter durch die schmalen Gassen, bis wir schliesslich den Malecon erreichen. Hier ist das Übernachten erlaubt, und die Lage ist unschlagbar – das Stadtzentrum ist in nur wenigen Minuten zu Fuss erreichbar.
Nach der Anspannung der Fahrt geniessen wir einen ausgiebigen Spaziergang. Erst geht es zum belebten Zócalo (Hauptplatz) und dann am Malecon entlang, während die Sonne langsam untergeht. Dabei fällt uns sofort auf: Ajijic ist fest in internationaler Hand – gefühlt 90 % der Menschen, denen wir begegnen, sind englischsprachige Touristen oder Auswanderer.
Am Dienstag besuchen wir den Farmers Market. Er ist klein, aber fein und bietet hauptsächlich hochwertige Bio-Produkte und frisches Gemüse an. Eine tolle Gelegenheit, unsere Vorräte mit gesunden Sachen aufzustocken!
Der anschliessende Bummel durch die farbenfrohen Gassen und über den Zócalo bleibt spannend. Überall gibt es etwas zu sehen, und wir haben das Glück, auf einer kleinen Bühne traditionelle Tänze zu beobachten. Die bunten Trachten und die Musik verleihen dem Ort trotz der vielen „Gringos“ eine wunderbare, mexikanische Seele.



















































































































































































