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2025.02.22 – 03.04 Guatemala

Zsolt
Zsolt – 2025.02.22 – 03.04 Guatemala

Guatemala zum dritten, Teil 1

33°C / 23°C
124m ü.M
106 Km gefahren / 2.5 Std.

Flores


Tja, so ist das mit den Mythen über gute Strassen – die Realität zwischen der Grenze und Flores sieht oft anders aus. Auf den ca. 90 km treffen wir immer wieder auf riesige Löcher und völlig fehlende Betonierung. Es ist also nicht erstaunlich, dass wir für die Strecke über zwei Stunden gebraucht haben. Das Fahrwerk des Bodyduck wurde ordentlich durchgeschüttelt, aber wir sind ja nicht zum ersten Mal auf solchen Pisten unterwegs.

Der Stellplatz bei der Polizei in Flores ist uns noch vom letzten Jahr wohlbekannt, eine strategisch gute Variable in unserem System. Doch das Wasser hat sich seit unserem letzten Besuch ordentlich Platz verschafft: Der Lago Petén-Itzá ist weit über die Ufer getreten und hat etwa fünf Meter des Parkplatzes für sich beansprucht. Wo wir letztes Jahr noch trocken standen, herrscht jetzt „Land unter“. Wir richten uns ein, beobachten die Fluten und konstatieren: Passt schon.

Der Sonntag gehört der Versorgung auf dem Mercado Central. Hier bekommt man von frischen Früchten und Gemüse über Kleider und Ventilatoren bis hin zu Plastikbehältern in allen Formen eigentlich alles – sogar lebendige Hühner werden angeboten. Ein wuseliges, echtes Stück guatemaltekischer Alltag.

Am Abend zieht es uns auf die Insel Petén. Die Uferstrasse, die letztes Jahr nur ein wenig Gischt abbekam, ist nun komplett rundherum geflutet. Unser Restaurant TERAZZA ist nur noch über den Hintereingang zu erreichen. Bei einem leckeren Abendessen und einem saphirblauen Sonnenuntergang schliessen wir den ersten Tag in Guatemala ab.
Die Knochen kommen nach der Piste langsam zur Ruhe.

127m ü.M.
29°C/21°C
115 Km gefahren / 2 Std

So ist das manchmal mit der Streckenplanung – die besten Variablen sortieren sich oft per Zufall neu. Auf dem Weg Richtung Coban verbringen wir zunächst eine Nacht auf der Finca Ixobel. Ein solider Stellplatz für 100 GTQ inklusive Strom und Wasser, strategisch gut gelegen, um das System für die Weiterreise vorzubereiten.

Parque Natural Las Conchas

Etwa 6 km abseits der Hauptstrasse beim Dorf Chahal entdecken wir zufällig den Parque Natural Las Conchas. Für 60 GTQ pro Person bekommt man hier Wasserfälle über mehrere Stufen und Pools geboten, die von zauberhaftem Urwald umgeben sind. Die Anlage hat ihre besten Tage zwar schon hinter sich, aber die Brücken, die die verschiedenen Flussinseln verbinden, haben nach wie vor ihren Charme. Die Palapas am Ufer zeugen von vergangenen Zeiten, erfüllen aber ihren Zweck. Passt schon.

Die Natur zeigt uns hier jedoch ihre ungeschönte Kraft: Der Fluss führt nach den letzten Regenfällen so viel Wasser, dass Schwimmen in der Hauptströmung pure Lebensgefahr bedeuten würde. Doch wie so oft hilft ein lokaler Tipp: Einheimische lotsen uns zu einer kleinen Nebenquelle mit ruhigem Wasser. Tatsächlich finden wir dort unseren Privatpool zum Auffrischen und Geniessen. Übernachtet wird umsonst auf dem Parkplatz – allerdings unter dichtem Blätterdach, was bedeutet: wenig Sonne und absolute Funkstille beim Starlink-Empfang. Manchmal muss das System eben offline atmen.

1317m ü.M.
32°C / 17°C
205 Km gefahren 4.5 Std

Auch wir werden von weiteren Pannen nicht verschont – die Strassen Guatemalas fordern ihren Tribut. Kurz vor Coban platzt uns hinten links das Aussenrad. Wir können uns gerade noch zu einem Reifenladen retten, wo das Rad gewechselt wird. Ab diesem Moment fahren wir ohne Reserverad weiter und erreichen den Stellplatz in Coban gerade noch kurz vor Torschluss. Eine Punktlandung im dichten Nebel der Ungewissheit, aber am Ende zählt das Ergebnis.

Coban

Am Stadtrand von Coban liegt auf einem 82 Hektar grossen Gelände der Parque Nacional Las Victorias. Für Camper bietet sich hier eine hervorragende Möglichkeit zum Übernachten. Es sind super ruhige Nächte mitten in der Natur, und trotzdem ist das Zentrum der Stadt fussläufig zu erreichen – eine seltene und willkommene Kombination in diesem Teil der Welt.

Den nächsten Tag nutzen wir zur Regeneration der Nerven und Glieder. Auf Naturpfaden im dichten Wald laufen wir etwa vier Stunden lang hoch und runter. Wir geniessen die Flora und Fauna in vollen Zügen und lassen den Alltagsstress der Reifenpanne hinter uns. Der Wald schluckt die Geräusche der Stadt und lässt uns tief in das grüne Herz der Region eintauchen. Die Socken dampfen nach den Höhenmetern, aber das Knochengerüst ist zufrieden.

Coban

Heute nehmen wir uns die Zeit, Coban genauer unter die Lupe zu nehmen. In nur 20 Minuten Fussweg stehen wir mitten im Zentrum dieser Stadt, in der rund 250’000 Menschen leben. Es ist ein faszinierender Mix: Die Bewohner stammen hauptsächlich von den Maya ab, aber man spürt auch das Erbe deutscher Einwanderer. Auf den Strassen dominiert akustisch jedoch eindeutig Q’eqchi’, die meistgesprochene Maya-Sprache der Region.

Wir nehmen die Herausforderung an und steigen die 130 Stufen hoch zur katholischen Kirche El Calvario. Hier oben wird die Messe zweisprachig in Q’eqchi’ und Spanisch abgehalten – ein lebendiger Beweis für die kulturelle Verschmelzung. Die Anstrengung des Aufstiegs lohnt sich definitiv, allein schon wegen der hervorragenden Aussicht über die Stadt und das Umland. Passt schon, auch wenn die Waden danach kurz Pause brauchen.

Im Parque Central, direkt bei der Catedral de Cobán, erleben wir das klassische Guatemala: Familien flanieren, Jung und Alt treffen sich zum Austausch. Ein starker Kontrast dazu ist die vor kurzem eröffnete, riesige Shopping-Mall. Hier verbringen viele Familien ihren Sonntag mit „lädele“ oder speisen in den zahlreichen Fastfood-Ketten. Das Einkaufszentrum gleicht den amerikanischen oder europäischen Vorbildern bis ins Detail – leider gilt das auch für die Preise, die im Vergleich zum restlichen Stadtleben ordentlich gesalzen sind. Ein modernes System, das sich nahtlos in die alte Struktur schiebt.

322 m ü.M.
35°C / 23°C
66 Km gefahren / 2 Std

Lanquín

Die Fahrt von Coban nach Lanquín beansprucht etwa zwei Stunden. Die gut ausgebaute Bergstrasse führt uns auf rund 1.400 m ü.M. durch kleine Ortschaften, Maisplantagen und weite landwirtschaftliche Flächen. Kurz vor dem Ziel wird es fahrtechnisch interessant: Auf einer serpentinenartigen Passstrasse schrauben wir uns hinunter auf etwa 300 m ü.M. – ein Systemwechsel, den nicht nur die Bremsen, sondern auch das Thermometer registrieren.

Beim Hotel El Recreo finden wir einen äusserst komfortablen Stellplatz für 50 GTQ pro Person und Nacht. Das Paket ist stimmig: Saubere Duschen, Toiletten, Strom, Wasser und funktionierendes WiFi. Es ist einer dieser Momente, in denen sich die Logistik ohne grosse Reibungsverluste in den Reisealltag einfügt. Passt schon.

Das Dorf Lanquín ist in nur zehn Minuten zu Fuss erreichbar und präsentiert sich als sehr authentisches Maya-Dorf. Mitten im Ort herrscht reges Markttreiben: Neben Früchten und Gemüse werden Haushaltsartikel, Kleider und Schuhe feilgeboten. Besonders charakteristisch sind die Kakaobohnen, die zum Trocknen auf den heissen Steinen am Strassenrand ausgebreitet sind – ein olfaktorisches Highlight der Region. Unzählige Tuk-Tuks schwirren umher und bieten ihre Dienste an. Nach einem ausgiebigen Rundgang kehren wir zum Bodyduck zurück, um die Variablen für den morgigen Tag zu sortieren.

33°C /22°C
305m ü.M.


Semuc Champey

Die Empfehlung der Einheimischen war eindeutig: Finger weg von den Tuk-Tuks für die Strecke zu den Wasserfällen. Obwohl die Strasse mittlerweile betoniert ist, kam es zuletzt zu schweren Unfällen. Die teilweise extrem jungen Fahrer – wir haben Zehnjährige am Steuer gesehen – jagen die steilen Hänge hinunter, bis die Bremsen glühen und das System versagt. Wir entscheiden uns daher für den Collectivo mit einem (verhältnismässig) routinierten, zwanzigjährigen Fahrer(wer glaubt wird Seelig) Kostenpunkt: 25 GTQ pro Person – eine lohnende Investition in die Sicherheit.

Am Eingang angekommen (Eintritt 50 GTQ / P), steht zuerst der Aufstieg zum Mirador auf dem Plan. Auf einer Strecke von 500 Metern gilt es, rund 70 Höhenmeter auf 130 Stufen zu überwinden. Oben angekommen – zugegebenermassen ziemlich ausser Atem – entschädigt das spektakuläre Panorama für jede einzelne Stufe. Das System der Kalksteinterrassen liegt uns in seiner vollen Pracht zu Füssen. Passt schon, auch wenn die Lungenflügel kurzzeitig nach mehr Sauerstoff verlangen.

Der Abstieg geht eindeutig leichter von der Hand. Mitten im dichten Dschungel erreichen wir den Río Cahabón, der sich hier gewaltig durch die Schlucht gefressen hat. Zahllose kleine Wasserfälle plätschern über die Kalksteinfelsen in glasklare Naturpools, die förmlich zum Baden einladen. Das Wasser ist herrlich kühl, während über uns die Blätter rascheln und sich das Rauschen des Flusses mit den Vogelstimmen und dem Summen des Dschungels vermischt. Ein absolut stimmiger Moment, bevor uns der Collectivo um 13:00 Uhr planmässig wieder einsammelt.

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