2026.07.25 – 08.08 Kolumbien
Kolumbien Teil 2
34°C / 25°C
39m ü.M.
45% Humidity
Camping O Jardin
Die Fahrt heraus aus Cartagena ist das absolute Highlight des Tages. Vor jeder roten Ampel bildet sich eine lange Autoschlange. Sobald es grün wird, müssen allerdings zuerst gefühlt 29’427 Rollerfahrer loskommen, die sich zuvor an der ganzen Kolonne vorbeigedrängelt haben. Und das sind nur die Vorne: Weitere 362’587 Rollerfahrer, die ebenfalls die wartenden Autos überholt haben, sind schlichtweg direkt bei Rot über die Kreuzung durchgebraust…
Unterwegs legen wir einen Stopp bei einer Terpel-Tankstelle ein und fragen nach Gas, doch sie besitzen keinen passenden Adapter für unsere Flaschen. Wasser bekommen wir immerhin – der Wasserhahn läuft allerdings so extrem langsam, dass wir über eine Stunde dort stehen. In der Zwischenzeit öffnet der Himmel seine Schleusen und giesset Unmengen an Regen über uns aus.
In Santa Rosa angekommen, steuern wir den Camping O Jardin an. Dort empfängt uns Fabian herzlich. Seine Frau befindet sich derzeit wegen gesundheitlicher Probleme in Frankreich. Die beiden leben bereits seit elf Jahren hier, davor waren sie in Peru zu Hause, was auch das peruanische Kennzeichen an seinem Auto erklärt. Da wir drei Nächte bleiben, zahlen wir mit 60T COP pro Nacht einen um 5T COP reduzierten Preis.
Hier nutzen wir die Zeit, um den Motorradträger wieder zu montieren, den wir für die Verladung auf das Flat-Rack demontieren mussten. Auch sonst bringen wir alles wieder in den Originalzustand, was für die Verschiffung angepasst wurde.
Fabian erzählt uns zudem einiges über das Land – besonders, dass am 7. August die Vereidigung des neu gewählten Präsidenten ansteht und derzeit vermehrt mit Guerilla-Attentaten sowie Demonstrationen zu rechnen ist.
Na, das ermutigt nicht gerade für den Aufbruch in dieses noch unbekannte Land…
Mompós
38°C / 27°C
23m ü.M.
45% Humidity
Unser erstes grosses Ziel auf der Route ist Mompox – oder Mompós, wie der Ort auch oft geschrieben wird. Die Fahrt durch die Dörfer und Städte bietet das gewohnte Bild: Abertausende Motorräder drängeln sich von allen Seiten und quetschen sich durch Lücken, die kaum grösser als ein Mückenpantoffel sind. Die Autofahrer fahren im Gegenzug überaus vorsichtig, was dazu führt, dass sie von regelrechten Motorradlawinen förmlich überrollt werden.
Die Strasse führt uns durch das beeindruckende Magdalena-Becken, eine weitläufige flache Sumpflandschaft (Ciénaga), die als immens wichtiges Ökosystem für unzählige Fisch- und Vogelarten dient.
Schliesslich erreichen wir das magische Mompós, das wie aus der Zeit gefallen wirkt.
Als Stellplatz nutzen wir einen bewachten Parkplatz, der uns günstige 10’000 COP pro Nacht kostet. Es ist brütend heiss bei 39 °C, doch wir lassen uns nicht abhalten und spazieren entlang des Flusses Brazo de Mompós ins Zentrum.
Gegründet im 16. Jahrhundert am Arm des Río Magdalena, stieg die Stadt einst zu einem bedeutenden Handelszentrum der Kolonialzeit auf und gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Da die Hauptschifffahrtsroute später verlegt wurde, blieb der historische Stadtkern fast unberührt und konserviert bis heute eine ganz besondere, fast verträumte Atmosphäre. Auf den ersten Blick reiben wir uns die Augen, als wir an einem historischen Gebäude ein vertrautes Motiv entdecken: Ein weisses Kreuz auf rotem Grund! Doch was verblüffend nach einer Schweizer Fahne aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als die offizielle Stadt- und Gemeindeflagge von Santa Cruz de Mompox. Ein wirklich erstaunlicher Zufall, der einen für einen kurzen Moment schmunzeln lässt. Die Stadt begeistert uns ein Mal mehr mit ihren fantastisch erhaltenen Kolonialbauten und imposanten Kirchen. Wie es der Zufall will, werden wir sogar Zeugen einer traditionellen Prozession, die feierlich durch die engen Gassen zieht.
Mit einem feinen Essen feiern gebührend unseren allerersten echten Reisetag in Kolumbien.
Camino Real
39°C / 27°C
168m ü.M
55% Humidity
Morgens um 8:00 Uhr machen wir uns auf den Weg Richtung Área Natural Única Los Estoraques. Wir folgen der Ruta 78 bis zur Verzweigung mit der Hauptverkehrsachse Santa Marta – Bucaramanga, der Ruta 45. Schon an der Einmündung erwartet uns eine riesige Baustelle mit entsprechend langen Wartezeiten. Kaum sind wir auf die Ruta 45 abgebogen, erreichen wir die Zahlstelle Peaje Pailitas. Dort teilt man uns mit, dass die Strasse etwa eine halbe Fahrstunde weiter vorne wegen einer Demonstration komplett gesperrt ist. Ein Durchkommen ist absolut unmöglich.
Da diese Region im Vorfeld der bevorstehenden Vereidigung des neu gewählten Präsidenten ohnehin als angespannt gilt und wir keinesfalls in eine ernsthafte Konfliktsituation geraten wollen, fällen wir einen schnellen Entschluss: Wir drehen um. Die Ausweichroute führt uns zurück über Mompox und schliesslich auf die Hauptachse Ruta 25 in Richtung Medellín. Im Nachhinein erfahren wir, dass Bewohner einer nahegelegenen Stadt die Strasse blockiert haben, um gegen die mangelhafte Wasserversorgung zu demonstrieren.
Entlang der Ruta 25 entdecken wir schliesslich ein gemütliches Restaurant mit Pool, das auch Übernachtungsmöglichkeiten für Overlander anbietet. Für fair bemessene 30T COP pro Nacht sind Strom und Wasser sogar inklusive. Wir fühlen uns hier auf Anhieb so wohl, dass wir spontan beschliessen, gleich vier Tage zu bleiben und die ungeplante Pause vollends zu geniessen.
24°C / 15°C
2219 m ü.M
55% Humidity
Yarumal
Hinter Sampués führt uns die Ruta Nacional 25 zunächst durch die flache und heisse Landschaft der Karibik. Über Planeta Rica und Caucasia folgen wir dem Tal des Río Cauca, während die Umgebung zusehends grüner wird. Ab Tarazá beginnt schliesslich der lange, beeindruckende Aufstieg in die majestätischen Anden.
Die Strasse windet sich in extrem engen Kurven den Berg hinauf. Steile Passagen, zahlreiche schleichende Lastwagen und immer wieder auftauchende Baustellen verlangen meine volle Aufmerksamkeit am Steuer. An einigen Stellen fehlt noch die Betonierung der Fahrbahn komplett, sodass wir nur im Schritttempo vorankommen. Immer wieder überraschen uns schwere Strassenschäden: Deformierte Fahrbahnbeläge, knöcheltiefe Schlaglöcher und komplett ausgewaschene Abschnitte fordern höchste Konzentration. Wer hier einen Moment unaufmerksam ist, riskiert heftige Schläge, die Fahrzeug und Insassen gleichermassen durchschütteln.
Mit jedem gewonnenen Höhenmeter verändert sich die Natur um uns herum dramatisch: Die tropische Hitze weicht einer angenehm kühlen Bergluft, dichter Nebel zieht phasenweise über die steilen Hänge und spektakuläre Ausblicke begleiten unsere Fahrt. Als wir schliesslich Yarumal auf über 2’300 Metern Höhe erreichen, haben wir innerhalb eines einzigen Tages mehrere Klimazonen durchquert – eine unglaublich eindrucksvolle Etappe auf dieser berühmten Troncal de Occidente.
Für die Nacht steuern wir einen bewachten Truckparkplatz an. Die Hoffnung auf eine ruhige Übernachtung erfüllt sich jedoch keineswegs: Ununterbrochen rollen tonnenschwere Lastwagen an und ab, die Motoren dröhnen im Leerlauf, Druckluftbremsen zischen lautstark und rangierende Lkw sorgen bis in die frühen Morgenstunden für eine ohrenbetäubende Geräuschkulisse. An wirklich erholsamen Schlaf ist in dieser Nacht kaum zu denken…
Santa Elena
25°C / 13°C
2’585m ü.M
87% Humidity
Nach einer kurzen Nacht verlassen wir Yarumal und setzen unsere Fahrt auf der Ruta Nacional 25 in Richtung Medellín fort. Die Strasse führt durch eine überraschend idyllische Landschaft mit saftig grünen Wiesen, sanften Hügeln und unzähligen weidenden Kühen. Immer wieder fühlen wir uns an die Schweizer Alpenregion erinnert. Gepflegte Bauernhöfe und die weit verbreitete Milchwirtschaft vermitteln den Eindruck eines deutlich höheren Lebensstandards. Gleichzeitig ist die Strassenqualität deutlich besser als auf den vergangenen Etappen, und auch der Verkehr rollt wesentlich flüssiger. So können wir die wunderschöne Landschaft umso mehr geniessen.
An der Verzweigung Zamora verlassen wir die Ruta 25 und wechseln auf die Umfahrungsautobahn Ruta Nacional 60. Nach einem Zwischenstopp bei Scania Medellín klären wir den Termin für den Einbau der bestellten Ersatzteile. Anschliessend folgen wir der alten Bergstrasse Sta. Elena – Aeropuerto José María Córdova. Die Strasse wird schmaler und kurvenreicher, führt durch dichte Wälder, vorbei an Blumenfarmen und kleinen Häusern. Auf über 2’586 m Höhe ist die Luft angenehm kühl und der Trubel der Millionenstadt scheint plötzlich weit entfernt.
Am späten Nachmittag erreichen wir schliesslich das Al Bosque Camping in Santa Elena. Umgeben von hohen Bäumen empfängt uns eine wohltuende Stille. Die frische, kühle Bergluft lässt uns sofort durchatmen und macht Lust, diese wunderschöne Gegend zu erkunden.
Nachdem wir uns eingerichtet haben, unternehmen wir noch einen kurzen Spaziergang durch die Umgebung.
Parque Arví
Gleich hinter dem Campingplatz führt ein schöner Wanderweg direkt in das geschützte Waldreservat des Parque Arví. Schon kurz nach dem Betreten präsentiert sich uns unweit des Pfades ein wunderschöner Andenmotmot, der sich von unserer Anwesenheit erstaunlich wenig beeindrucken lässt. Der Weg selbst ist spürbar von Auswaschungen gezeichnet, und die tiefen Spuren im Boden deuten darauf hin, dass dieser Trail auch bei Mountainbikern überaus beliebt ist. Nach etwa zwei Stunden Wanderung durch den dichten Wald erreichen wir schliesslich ein kleines Dorf. Von dort aus folgen wir der Hauptstrasse wieder stetig bergauf zurück zu unserem Ausgangspunkt.
Die Bushaltestelle Richtung Santa Elena liegt praktisch direkt vor unserer Haustür. Die Fahrt kostet 3’700 COP, und nach etwa 20 Minuten erreichen wir das Zentrum – froh und erleichtert, heil angekommen zu sein. Die extrem enge und kurvenreiche Bergstrecke meistert der Busfahrer mit einer erstaunlichen Seelenruhe und Lockerheit.
Santa Elena gilt als das grüne Herz der antioquenischen Blumenkultur und ist die Wiege der berühmten Silleteros. Aus diesem beschaulichen Bergdorf stammen die Bauernfamilien, die seit Generationen in traditioneller Handarbeit die gigantischen, oft über 50 Kilo schweren Blumengestecke (Silletas) anfertigen. Wegen des anstehenden Blumenfestes, der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Feria de las Flores, ist hier im Ort alles wunderschön dekoriert. Überall stehen zahlreiche Stände und noch mehr Strassenverkäufer, die aufgeweckt allerlei Dinge an die Besucher zu bringen versuchen. Einheimische und auswärtige Gäste feiern gemeinsam ein riesiges Fest mit einer einfach mitreissenden Bombenstimmung.
Die Rückfahrt mit dem Bus entwickelt sich zu einer echten Anekdote: Da wir dem Fahrer mangels Spanischkenntnissen nicht genau erklären können, wo wir aussteigen möchten, hoffen wir schlicht darauf, dass er bei Druck auf den Halteknopf an der nächsten regulären Haltestelle stoppt. Doch das Bussystem funktioniert hier etwas direkter: Sobald man den Knopf drückt, haut der Fahrer augenblicklich auf die Bremse und hält punktgenau dort an, wo das Fahrzeug gerade steht. So müssen wir schliesslich das letzte Stück spontan zu Fuss nach Hause spazieren…
Desfile de Autos Clásicos y Antiguos, Medellin
Heute steigt eine der absoluten Hauptattraktionen der ganzen Festwoche in Medellín: das «Desfile de Autos Clásicos y Antiguos» – die spektakuläre Oldtimer-Parade, die wir uns auf keinen Fall entgehen lassen wollen.
Wir nehmen wieder den Bus, dieses Mal jedoch in die andere Richtung bis zur Metrocable-Station im Parque Arví. Mit der Seilbahn schweben wir von dort aus hinunter in die Stadt und geniessen bei herrlichstem Sonnenschein eine fantastische Aussicht über die riesige Metropole. Von der Talstation Santo Domingo geht es mit einem Uber weiter bis in die Nähe des Zielgeländes, wo die Teilnehmer der Parade eintreffen werden.
Da die geplante Ankunft der Fahrzeuge zwischen 15:00 und 17:00 Uhr liegt, müssen wir uns noch etwa zweieinhalb Stunden gedulden. Zum Glück ergattern wir ein halbwegs schattiges Plätzchen. Entlang der gesamten Strecke drängeln sich unglaublich viele Zuschauer. Viele haben ihre eigenen Musikboxen mitgebracht und beschallen die Menge aus allen Himmelsrichtungen. Es wird gelacht, gesungen und getanzet – ein Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes!
Gegen 16:30 Uhr treffen schliesslich die ersten Oldtimer ein und werden von den Massen mit ohrenbetäubendem Jubel, Klatschen und Zurufe empfangen. Es ist eine absolute Gänsehaut-Atmosphäre, wie wir sie bisher nur selten erlebt haben – das Ganze erinnert uns faszinierend stark an die ausgelassene Stimmung der Basler Fasnacht…
Heute ist der grosse Tag für die Blumenbauern in dieser Region: Sie fertigen in leidenschaftlicher Feinarbeit die gigantischen, oft über 50 Kilo schweren Blumengestecke (Silletas) für das grosse Defilee am Sonntag.
Dieses Fest geniesst weit über die Landesgrenzen hinaus Kultstatus – kein Wunder, schliesslich gehört Kolumbien zu den weltweit grössten Exporteuren von Schnittblumen und begeistern mit einer unglaublichen Vielfalt an Nelken, Rosen, Orchideen und Hortensien.
Die Tradition der Silleteros reicht tief in die Geschichte zurück: Ursprünglich trugen die Landarbeiter auf Holzgestellen auf ihrem Rücken Lasten, Kranken und Waren durch die steilen Andenhänge. Später brachten sie so ihre farbenprächtigen Blumensträusse hinunter auf die Märkte von Medellín, woraus sich dieser einzigartige Brauch entwickelte.
Wir besuchen eine der zahlreichen Fincas, auf der die Arbeiten an den Kunstwerken in vollem Gange sind. Die ganze Finca gleicht einem einzigen bunten Fest mit köstlichem Essen, kühlen Getränken, Musik, Tanz und Gesang. Der Eintritt von 20’000 COP pro Person lohnt sich absolut, um diese fantastische Handwerkskunst einmal hautnah mit eigenen Augen mitzuerleben.
Ganz früh am Sonntagmorgen, bei Nacht und Nebel, werden die fertigen Silletas zusammen mit den Bauern hinunter nach Medellín transportiert, wo sie stolz ihre Werkschau präsentieren. Schon hier werden sie durch zahlreiche Zuschauern angefeuert und beklatscht.
Insgesamt nehmen 530 Silleteros in verschiedenen Kategorien teil, ehe eine Jury schliesslich das eindrucksvollste Blumengesteck prämiert.
Wir entscheiden uns jedoch bewusst dagegen, am Sonntag vor Ort im Getümmel zu sein: Hunderttausende Besucher werden erwartet, und der gigantische Menschenandrang am Freitag hat uns für dieses Wochenende vollkommen gereicht…











































































































































































