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2024.05.26 – 06.06 Puebla

Zsolt
Zsolt – 2024.05.26 – 06.06 Puebla

Mexiko zum zweiten, Teil 6

Zwischen Maisfeldern und Vulkangiganten

Die Fahrt von Teotihuacán in Richtung Parque Nacional Iztaccíhuatl-Popocatépetl verläuft eher unspektakulär, doch das Ziel hat es in sich. Dank des Tipps von Branko & Ingrid finden wir einen fantastischen Stellplatz mitten zwischen Maisfeldern.

Gegen Abend schlägt das Wetter um: Dicke Wolken ziehen auf, ein Sturm zieht über uns hinweg und der Regen prasselt stundenlang lautstark auf das Dach unseres Bodyduck´s. Vom mächtigen Popocatépetl ist in diesem Moment nichts zu sehen – er ist komplett in Wolken gehüllt.

Am nächsten Morgen werden wir belohnt: Die Wolken sind wie weggeblasen, der Himmel ist kristallklar und die Sonne strahlt mit voller Kraft. Wir machen uns zu Fuss auf den Weg, wandern durch die Maisfelder und folgen der Strasse immer weiter bergauf.

Schliesslich erreichen wir eine Höhe von 3042 m ü. M. Von hier oben ist die Sicht phänomenal: Die beiden Vulkane liegen majestätisch vor uns. Es ist ein unbeschreiblicher Anblick, diese Giganten so friedlich in der Morgensonne stehen zu sehen.

Auf unserem Weg entdecken wir immer wieder kleine Kuriositäten – seien es ungewöhnliche Pflanzen, die in dieser Höhe gedeihen, oder kleine Fundstücke am Strassenrand, die von den Menschen erzählen, die hier oben leben und arbeiten. Diese Mischung aus gewaltiger Natur und kleinen, alltäglichen Entdeckungen macht die Wanderung zu etwas ganz Besonderem.

Apatlaco

Unsere Reise führt uns zum Parque Ecologico Apatlaco, einem wunderschönen Ökopark direkt am Fusse des mächtigen Vulkans Iztaccihuatl. Der Platz liegt auf stolzen 3580 m ü. M. – die Luft ist hier oben herrlich klar. Die Anfahrt von unserem letzten Stellplatz war zwar nur knapp 12 Kilometer lang, aber aufgrund der Piste haben wir eine gute Stunde dafür gebraucht. Doch die Anstrengung hat sich gelohnt: Für nur 200 Pesos (inklusive Eintritt) dürfen wir hier übernachten.

Gleich nachdem wir uns am kleinen See gemütlich installiert haben, hält uns nichts mehr im LKW. Wir ziehen die Wanderschuhe an und machen uns auf den Weg. Die Route führt uns zwischen uralten, charakterstarken Kiefern immer weiter den Berg hinauf in Richtung der Cascada Apatlaco.

Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite: Bei sommerlichen 27 °C und einer feinen Brise lässt es sich wunderbar wandern. Das Rauschen der Wasserfälle in dieser beeindruckenden Bergkulisse ist der perfekte Soundtrack für unseren Nachmittag. Es ist die ideale Mischung aus körperlicher Betätigung und tiefer Entspannung in der Natur.

Paso de Cortés

Wir erreichen den Paso de Cortés, der auf stolzen 3690 m ü. M. genau im Sattel zwischen den beiden Vulkan-Giganten Popocatépetl und Iztaccíhuatl liegt. Die Erwartungen waren hoch, doch die Ernüchterung folgt schnell: Das Besucherzentrum und die gesamte Umgebung wirken sehr vernachlässigt und wenig einladend.

Wandern ist heute nur eingeschränkt möglich. Die Wege zum Popocatépetl sind aufgrund der vulkanischen Aktivität komplett gesperrt, und der Aufstieg auf den Iztaccíhuatl wird uns wegen der unsicheren Wetterlage nicht empfohlen.

Ein junger Ranger gibt uns freundlich Auskunft, während draussen ein Grossaufgebot an Polizei steht. Was genau sie dort in dieser Abgeschiedenheit bewachen, bleibt uns ein Rätsel und hinterlässt ein mulmiges Gefühl.

Da die Wege zu den Gipfeln zu bleiben, entscheiden wir uns für die Weiterfahrt. Die Abfahrt in Richtung Amecameca ist eine Wohltat: Auf einer gut geteerten Strasse rollen wir talwärts und verlieren schnell an Höhe. In Amecameca auf 2470 m ü. M. angekommen, ist die Luft wieder dicker und die Atmosphäre deutlich entspannter als oben auf dem zugigen Pass.

Metepec

Gleich neben Atlixco liegt das eher einfache Dorf Metepec. Auch wenn der Ort selbst auf den ersten Blick nicht viel bietet, verbirgt sich hier ein spannendes Stück Zeitgeschichte: Von 1902 bis 1967 war hier eine bedeutende Textilfabrik ansässig. In den 1980er Jahren wurde das Areal zunächst in ein Rehabilitationszentrum für Arbeiter und später in ein weitläufiges Ferienzentrum umgewandelt.

Das heutige Zentrum ist eingebettet in eine wunderschöne Wald- und Parkanlage. Das Angebot ist riesig: Es gibt Innen- und Aussenschwimmbecken, Hotels, ein Kongresszentrum und natürlich einen Campingplatz. Wir stehen bei den Koordinaten 18.937986, -98.471410 und geniessen die Annehmlichkeiten.

Für unschlagbare 245 Pesos pro Nacht haben wir hier alles, was wir brauchen. Strom und Wasser sind im Preis enthalten, und das Beste: Die Benutzung des Balneario (Schwimmbad) ist ebenfalls inklusive. Es ist der perfekte Ort, um nach den staubigen Pisten der letzten Tage den Bodyduck stehen zu lassen und ein paar Runden im Wasser zu drehen.

Cholula

Wir erreichen Cholula und finden einen perfekten Stellplatz für unseren Bodyduck: Direkt im Zentrum, auf einem Parkplatz (+19.056953, -98.299370) unmittelbar unter der grossen Kirche, quartieren wir uns für faire 150 Pesos pro Nacht ein. Von hier aus haben wir das monumentale Bauwerk ständig im Blick.

Es ist kaum zu fassen: Wir stehen am Fusse der grössten Pyramide Mesoamerikas. Die Spanier errichteten einst eine Kirche direkt auf diesem gigantischen Bauwerk, um ihren Sieg zu zementieren. Cholula ist zudem berühmt für seine unglaubliche Dichte an Sakralbauten – man sagt, es gebe hier 37 verschiedene Kirchen, eine prachtvoller als die andere.

Nachdem wir ausgiebig durch die malerischen Gassen geschlendert sind und den lebendigen Zócalo (Hauptplatz) erkundet haben, stossen wir auf eine kleine Überraschung: Ein französisches Restaurant mitten in Mexiko. Wir lassen uns verwöhnen und stellen fest: Ein herzhaftes Fondue mit Chorizo (eine geniale mexikanisch-französische Fusion!) und ein klassisches Cordonbleu gehen einfach immer. Ein gelungener Abend in geschichtsträchtiger Umgebung.

Puebla

Für nur 139 Pesos lassen wir uns bequem mit dem Uber direkt zum Zócalo von Puebla bringen. Die Stadt empfängt uns mit einer beeindruckenden Kulisse aus prachtvollen Kolonialgebäuden, die uns bei unserem Spaziergang durch die Gassen völlig faszinieren. Besonders die Detailverliebtheit der Fassaden ist im Vergleich zu anderen Städten aussergewöhnlich.

Ein absolutes Highlight ist der Besuch der Capilla del Rosario. Für 80 Pesos Eintritt pro Person betreten wir das „Haus des Goldes“ – eine barocke Kapelle, die so reich mit Blattgold verziert ist, dass man kaum weiss, wohin man zuerst blicken soll. Nicht weniger imposant ist die Catedral de Puebla, die völlig zu Recht zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Ihre gewaltigen Ausmasse und der reich verzierte Innenraum lassen einen ehrfürchtig werden.

In der berühmten Calle de los Dulces (Strasse der Süssigkeiten) bestaunen wir die riesige Auswahl an regionalen Leckereien, von Camotes bis hin zu Tortitas de Santa Clara. Auch ein Blick in den Palacio Municipal (Rathaus) lohnt sich, da die Stadtverwaltung ihre Tore für eine gratis Besichtigung öffnet.

Den Nachmittag lassen wir am Zócalo beim Springbrunnen ausklingen. Wir probieren dort typische Gerichte aus der Region – doch ehrlich gesagt kommen diese bei uns nicht ganz so gut an. Manchmal ist die berühmte Mole Poblano oder andere lokale Spezialitäten eben doch eine sehr spezielle Geschmackssache.

Mirador de Cristal

Kurz vor Huajuapan biegen wir rechts ab nach La Junta und weiter in Richtung El Castillo. Gleich nach dem kleinen Laden (Tienda) in El Castillo halten wir uns links. Von dort führt uns eine gut ausgebaute Schotterpiste etwa 3,5 Kilometer weit den Berg hinauf bis zum Wendepunkt. Hier parkieren wir den Bodyduck und machen uns an den Rest des Weges: In etwa 20 Minuten laufen wir zu Fuss hoch zum Mirador de Cristal.

Der Ausblick auf 1900 m ü. M. ist schlichtweg beeindruckend. Man schaut tief hinunter über das weite Tal von Huajuapan. Um die Aussicht direkt vom Glasboden aus geniessen zu dürfen, zahlen wir 25 Pesos pro Person.

Doch Vorsicht ist geboten: Man muss die Schuhe ausziehen, bevor man das Glas betritt. Durch die starke Sonnenbestrahlung wird das Glas unheimlich heissss. Wir hoffen inständig, dass jeder Socken anhat, denn barfuss wäre der Aufenthalt auf der Plattform wohl eher eine Mutprobe für die Fusssohlen!

Nachdem wir die Aussicht lange genug genossen und unsere Füsse wieder in die kühlen Schuhe gesteckt haben, machen wir uns an den Abstieg. Um eine ruhige Nacht zu verbringen, fahren wir die Piste wieder hinunter, bis wir schliesslich unseren Schlafplatz am Wolfsparkplatz erreichen.

Tamazulápam

Nicht das bekannte Atonaltzin, sondern das Ecoturístico Piedra de Agua ist unser Ziel in Tamazulápam. Es ist eine wunderschöne, naturbelassene Anlage, die genau das bietet, was wir suchen: Ruhe und kristallklares Wasser. Die Kombination aus gepflegten Pools und den wilderen Naturbecken, die von einem malerischen Wasserfall gespeist werden, ist einfach herrlich.

Was diesen Ort so besonders macht, sind die riesigen, schattenspendenden Bäume. Sie bilden ein natürliches Dach über der Anlage und machen die extremen 38 °C Aussentemperatur erst erträglich. Wir haben uns direkt an diesem idyllischen Ort installiert und geniessen das sanfte Plätschern des Wassers.

Für 200 Pesos pro Person dürfen wir hier nicht nur die Becken zwei Tage lang nutzen, sondern auch mit unserem Bodyduck übernachten. Es ist ein friedlicher Stellplatz (+17.689351, -97.576184), an dem man nachts nur das Rauschen der Natur hört. Ein perfekter Ort, um die Seele baumeln zu lassen, bevor es für uns weitergeht.

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