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2024.08.10 – 08.18 Chiapas

Zsolt
Zsolt – 2024.08.10 – 08.18 Chiapas

Mexiko zum zweiten, Teil 8

  • 2134 m. ü. M.
  • 29°C / 19°C
  • 9,5 Km gefahren/ 1/4 Std

Wir verabschieden uns von der Naturruhe der Grutas und siedeln um auf den Camping San Nicolàs. Kaum haben wir den Bodyduck sicher abgestellt und uns eingerichtet, entlädt sich ein heftiges Gewitter über uns. Es regnet seeeehr viel – eine typische chiapanekische Dusche! Doch so schnell der Spuk kam, so schnell ist er nach einer Stunde auch wieder vorbei.

Die frische Luft nach dem Regen ist perfekt für den Weg ins Zentrum. Nach etwa 20 Minuten Fussmarsch erreichen wir die belebten Gassen. In der Fussgängerzone geniessen wir erneut die quirlige, farbenfrohe Atmosphäre von San Cristóbal. Es ist immer wieder schön, sich einfach treiben zu lassen, wenn die Stadt nach dem Regen wieder zum Leben erwacht.

Chamula

Wir verbinden den Besuch der heiligen Kirche mit dem bunten Markttag zu einem zutiefst beeindruckenden Erlebnis. In Chamula, dem Zentrum der Tzotzil-Kultur, tauchen wir in eine Welt ein, die nach ganz eigenen Regeln funktioniert. Es ist eine Reise in die lebendige Geschichte der Mayas, die hier so präsent ist wie an kaum einem anderen Ort.

Zuerst betreten wir die Kirche – ein Ort der absoluten Mystik. Zwischen den Kiefernadeln auf dem Boden und den tausenden Kerzen scheint die Zeit stillzustehen. Fragenstellen und Fotografieren sind streng verboten, was die Konzentration auf das Wesentliche schärft. Doch kaum tritt man wieder hinaus ins Freie, wird man von der Energie des Marktes empfangen. Überall bieten Einheimische ihre Waren an, es wird gefeilscht und gelacht. Der Kontrast könnte nicht grösser sein: Drinnen die meditative Verbindung zu den Ahnen und Heiligen, draussen das geschäftige Treiben des Alltags. Die Frauen in ihren markanten schwarzen Wollröcken prägen das Bild. Es ist faszinierend zu sehen, wie diese Gemeinschaft ihre Traditionen sowohl im Gebet als auch im Handel mit Stolz und Selbstverständlichkeit pflegt. Ein Tag, der uns eine völlig andere Kultur hautnah spüren liess.

Maya-Ruinen Chinkultic

Diese beeindruckende Ruinenstätte der Maya liegt direkt auf unserem Weg Richtung Süden, weshalb wir uns einen kurzen Besuch nicht entgehen lassen. Es ist der perfekte Ort, um in die Geschichte einzutauchen, während wir uns gleichzeitig in der Natur bewegen.

Wir folgen dem gekennzeichneten Rundweg und laufen eine gute Stunde stetig bergauf. Der Pfad führt uns durch dichte Vegetation, bis wir schliesslich die imposante Tempelpyramide erreichen. Der Weg ist zwar fordernd, aber die Vorfreude auf die Aussicht treibt uns voran.

Oben angekommen, werden wir mit einem fantastischen Rundblick belohnt. Soweit das Auge reicht, erstreckt sich der sattgrüne Dschungel unter uns. Es ist eine fast schon ehrfürchtige Stille hier oben, die nur durch die Geräusche des Waldes unterbrochen wird. Ein kurzer, aber unvergesslicher Abstecher, bevor unsere Reise weitergeht.

MEX 307

Die MEX 307 ist eine Bundesstrasse mit zwei Gesichtern: Ein Teil führt durch Quintana Roo, doch wir befahren den 194 km langen Abschnitt von La Trinitaria nach Palenque. Unsere Route führt uns direkt entlang der guatemaltekischen Grenze, einmal rund um das beeindruckende Reserva de la Biósfera Montes Azules. Es ist eine Fahrt durch abwechslungsreiche Kulissen, die jedoch auch einige massive fahrerische Tücken bereithält.

Unser erster grosser Stopp sind die Lagunas de Montebello. In dieser einzigartigen Landschaft verteilen sich an die 60 Seen und Cenoten, die in den unterschiedlichsten Blau- und Grüntönen schimmern. Wir finden einen traumhaften Platz beim Centro Ecoturístico Las Peñitas und stellen uns direkt ans Ufer.

Zwei Tage lang geniessen wir dieses Naturparadies in vollen Zügen. Wir wandern durch die dichten Wälder zu versteckten Cenoten und unternehmen eine Bootsfahrt zur Insel Cerro Nivil. Die Ruhe und die unberührte Natur sind einfach überwältigend – ein perfekter Start für diesen wilden Abschnitt unserer Reise, bevor die Strasse enger und der Urwald dichter wird.

Las Nubes

Der Weg wird anspruchsvoller. Die Strasse verengt sich zusehends, und man hat das Gefühl, dass der Urwald sich Meter für Meter den Asphalt zurückerobert. Wir verlassen die Hauptroute und biegen in eine Seitenstrasse ab. Über eine 14 km lange, aber erstaunlich gut ausgebaute Schotter- und Betonpiste kämpfen wir uns vor bis zu den spektakulären Las Nubes Wasserfällen.

Wir finden einen fantastischen Stellplatz auf dem Campingplatz direkt bei den Wasserfällen (+16.19829, -91.33066). Zwei Tage lang geniessen wir die unglaubliche Kraft der Natur. Der Name „Las Nubes“ (die Wolken) ist hier Programm – die Gischt der herabstürzenden Wassermassen bildet einen feinen Nebel, der in der tropischen Hitze für eine hochwillkommene Abkühlung sorgt.

Wir kehren zurück auf die MEX 307. Die Neugier treibt uns an den kleinen Grenzübergängen nach Guatemala vorbei, doch ob Touristen hier passieren dürfen, bleibt ein ungeklärtes Rätsel. Ab hier ändert sich der Charakter der Strasse massiv: Der bisher gute Belag weicht einer Kraterlandschaft aus tiefen Löchern, Deformationen und Abschnitten, auf denen der Asphalt gänzlich fehlt.

Die Route folgt nun dem Grenzfluss Rio Chixoy. Die Landschaft ist geprägt von Rinderzucht und einfacher Landwirtschaft. Wir durchfahren kleine Dörfer mit sehr bescheidenen Behausungen, doch eines haben alle gemeinsam: Vor praktisch jedem Haus lauert ein Topes der schlimmsten Sorte. Da Tankstellen Seltenheitswert haben, wird Treibstoff hier oft ganz pragmatisch in Kanistern direkt bei den Wohnhäusern verkauft.

Wir passieren die Abzweigung nach Frontera Corozal und steuern unser nächstes Ziel an: die Cascadas Las Golondrinas (+16.83734, -91.26306). Diese versteckte Kaskaden-Reihe ist ein wahres Naturwunder. Das absolute Highlight erleben wir pünktlich um 18:00 Uhr: Wie von einem unsichtbaren Magneten angezogen, stürzen sich hunderte Schwalben gleichzeitig in ihre verborgenen Höhlen hinter den herabstürzenden Wassermassen. Ein magischer Moment, der alle Schlaglöcher vergessen lässt.

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