Durch den Norden der USA
Welcome in the States
Nach dem erfolgreichen Grenzübergang steuern wir direkt die nächste Einkaufsmöglichkeit an. Es ist ein gutes Gefühl, die Vorräte wieder aufzufüllen und uns für die kommenden Wochen im Nordwesten der USA zu rüsten. Die Aufregung ist gross, da uns nun 150 Tage bevorstehen, in denen wir die Vielfalt der „Lower 48“ erkunden können. Der Wechsel der Umgebung ist sofort spürbar, und wir freuen uns auf alles, was dieser Roadtrip noch für uns bereithält.
Wanderung am Horseshoe Bend
Schon am nächsten Tag zieht es uns wieder hinaus in die Natur. Wir entscheiden uns für eine kurze Wanderung auf dem Horseshoe Bend Trail. Der Weg führt uns direkt am Ufer des North Fork Nooksack River entlang. Das Rauschen des Wassers und die frische Waldluft sind der perfekte Einstieg für unsere Reise durch den Bundesstaat Washington. Es ist eine herrliche Strecke, um die Beine nach der langen Fahrt durch British Columbia wieder in Schwung zu bringen und die ersten Eindrücke der amerikanischen Wildnis zu sammeln.
Olympic National Park
Unser nächstes Ziel ist der Olympic National Park. Um den dichten Verkehr in Seattle zu umgehen, wählen wir die Fährverbindung von Coupeville auf Whidbey Island nach Port Townsend auf dem Festland. Im Visitor Center des Nationalparks erfahren wir leider, dass die Hurricane Ridge Road wegen Bauarbeiten geschlossen ist. Kurzentschlossen steuern wir daher den westlichen Parkeingang an und fahren zum Hoh Rain Forest. Von der Küste aus in Richtung der Berghänge wirkt der Regenwald wie eine gewaltige grüne Mauer, die alles umschliesst.
Hoh Rain Forest
Verschiedene Trails führen uns durch diesen Märchenwald, der von einer wahren Wachstumsorgie befallen scheint. Das Licht fällt nur gedämpft durch das dichte Laubdach der Urwaldriesen, die bis zu 90 Meter hoch aufragen. Vermodernde Stämme liegen kreuz und quer übereinander und sind bereits von neuen Pflanzen besiedelt. Stämme und Äste der Bäume sind dick mit Moos gepolstert, das in langen Schleiern überall herunterhängt. Als ich den Weg kurz verlassen will, versinkt mein Fuss tief im weichen Boden. Es herrscht eine kirchenstille Atmosphäre – fast schon unheimlich, aber tief beeindruckend.
On the Road: Quer durch den Nordwesten
Der Highway 90 führt uns von Washington über Idaho und Montana direkt nach Wyoming. Wir fahren vorbei an unendlich scheinenden Weidelandschaften, auf denen die berühmten Black-Angus-Rinder gezüchtet werden. Die Weite dieses Landes ist immer wieder beeindruckend. Als wir bei der kleinen Ortschaft Norris das Schild „Hot Springs two miles“ entdecken, überlegen wir nicht lange und setzen sofort den Blinker. Wir lieben solche wohltuenden Naturbäder und gönnen uns diese spontane Auszeit in dem warmen Wasser, bevor wir unsere Reise fortsetzen.
Wyoming
Die Fahrt durch diese Bundesstaaten fühlt sich wie ein fliessender Übergang an. Von den dichten Wäldern Washingtons über die bergigen Abschnitte Idahos gelangen wir nun in die raue Schönheit Wyomings. Die warme Pause in den Hot Springs gibt uns neue Energie für die kommenden Etappen. Wir sind gespannt, was uns in Wyoming erwartet – das Land der Cowboys und spektakulären Nationalparks liegt nun direkt vor uns.
Yellowstone National Park
Der Yellowstone National Park ist wohl der meistbesuchte und zudem der älteste Nationalpark der USA. In uns weckt er lebendige Erinnerungen an unseren ersten Besuch im Jahr 1999. Es fühlt sich an wie ein Schritt in eine völlig andere Welt. Da viele Campgrounds wegen „Out of Season“ bereits geschlossen und die anderen hoffnungslos ausgebucht sind, gestaltet sich die Stellplatzsuche schwierig. Da das Übernachten im Park nicht erlaubt ist, schlagen wir unser Nachtlager ausserhalb im Wald von West Yellowstone auf, wohin wir jeden Abend zurückkehren
Aufgrund der enormen Grösse des Parks teilen wir unsere Besichtigung strategisch auf. Wir nehmen uns den North Loop und den Southern Loop mit jeweils etwa 200 Kilometern Fahrtstrecke vor. So haben wir genug Zeit, die geothermischen Wunder, die tiefen Canyons und die vielfältige Tierwelt in Ruhe zu erkunden, ohne uns hetzen zu müssen. Trotz der logistischen Hürden geniessen wir es sehr, wieder an diesem magischen Ort zu sein und zu sehen, was sich über die Jahrzehnte verändert hat – oder eben beständig geblieben ist.
Ein Spektakel der Naturgewalten
Der Park bietet unfassbar viele tolle Eindrücke, Ausblicke, Landschaften und Tiere. Unsere Fahrt führt uns hinauf auf über 2’600 m ü. M., den höchsten befahrbaren Punkt im Park. Im Hayden Valley am Alum Creek weiden Bisonherden mit hunderten von Tieren – ein majestätischer Anblick in der weiten Ebene. Immer wieder eröffnen sich fantastische Ausblicke auf den Yellowstone River, der sich tief durch den Canyon schlingt. Es ist schwer, diese wunderbare Landschaft in Worte zu fassen; wir sind einfach nur begeistert von den gelben Steinen, der Weite und der ständigen Präsenz der Tierwelt.
Die geothermische Aktivität ist überall spürbar. Wir bestaunen unzählige farbenfrohe und dampfende Quellbecken sowie grosse, rosafarbene und kochend heisse Schlammmulden, an deren Oberfläche man deutlich das Blubbern der Blasen erkennt. Überall brodelt und dampft es, gekrönt vom weltbekannten Geysir Old Faithful, der etwa 20-mal am Tag ausbricht. Diese bunten Pools und „Stinklöcher“ wirken wie aus einer anderen Zeit. Wir denken auch an die Geschichte dieses Ortes: Hier hatten indigene Völker wie die Shoshonen und Blackfoot ihren Lebensmittelpunkt, lange bevor die weissen Siedler auftauchten und das Land veränderten.
Yellowstone National Park in Zahlen:
- Yellowstone National Park in Zahlen:
- Das erste Nationalpark der Welt (1872 gegründet)
- ist 2.219.789 Hektar gross
- hat fast 9.000 Quadratkilometer kristallklare Seen
- hat Hunderte von Kilometern Wanderwegen
- Tierwelt – 7 Huftierarten (Bison, Elch, Elk, Gabelbock), 2 Bärenarten und 67 andere Säugetiere, 322 Vogelarten, 16 Fischarten und natürlich der graue Wolf
- Pflanzen – Es gibt über 1.100 Arten einheimischer Pflanzen, mehr als 200 Arten exotischer Pflanzen und über 400 Arten von Thermopholes
- Geologie – Der Park beherbergt eine der grössten Calderas der Welt mit über 10’000 Thermalanlagen und mehr als 500 Geysiren
- es hat einen der grössten versteinerten Wälder der Welt
- es hat über 290 Wasserfälle mit den 308′ Lower Falls des Yellowstone River als Prunkstück
- es gibt im Park jährlich 1’000 bis 3’000 Erdbeben
- es gibt mehr als 1800 archäologische Stätten
- 9 Besucherzentren
- 12 Campgrounds (über 2’000 Plätze)
- jährlich über 3 Millionen Besucher
- in der Sommerspitze arbeiten etwa 3’200 Menschen im Park
Grand Teton: Die Traumkulisse im Herbst
Der Grand Teton National Park grenzt unmittelbar südlich an den Yellowstone National Park an. Sein viel berühmterer Nachbar mag eines der grössten Naturwunder dieser Welt sein, aber der Grand Teton bietet ohne Zweifel die spektakulärere Traumkulisse! Der erste Anblick ist überwältigend, wenn die zackigen Teton-Gipfel vollkommen unvermittelt aus der Ebene ragen. Der Herbst steht Amerikas jüngster Bergkette ausgezeichnet und dekoriert die gesamte Landschaft mit leuchtenden Farben. Auf dem Rockefeller Memorial Parkway erleben wir die aufregendste Fahrt durch den Park, denn die gesamte Strecke präsentiert sich uns als ein einziges, gewaltiges Panorama.
Wir geniessen jede Meile auf dieser Route. Die schroffen Berge spiegeln sich in den klaren Seen, und das goldene Laub der Espen bildet einen herrlichen Kontrast zum dunklen Nadelwald und dem blauen Himmel. Es ist eine Landschaft, die zum Verweilen und Fotografieren einlädt. Auch wenn dieser Park kleiner ist als der Yellowstone, zieht uns seine Kompaktheit und die unmittelbare Nähe zu den massiven Felswänden völlig in seinen Bann. Wir lassen uns treiben und nehmen die friedliche Atmosphäre der herbstlichen Bergwelt tief in uns auf.
Jackson City
Direkt vor den Toren des Grand Teton Nationalparks liegt Jackson, der wohl berühmteste Ort der westlichen Rocky Mountains. Jackson präsentiert sich uns als ein Tourismuszentrum par excellence, das sein Wildwest-Image äusserst ehrgeizig pflegt, dabei aber seinen ganz eigenen Charme behält. Das beliebteste Fotomotiv sind zweifellos die vier imposanten Geweihbögen am Town Square. Jeder dieser Torbögen besteht aus über 2’000 Geweihen, die von Hand zusammengesteckt werden. Sie halten etwa 50 Jahre, bevor sie erneuert werden müssen. Den abgeworfenen Kopfschmuck der grossen Wapitihirsche sammeln Pfadfinder im nahegelegenen National Elk Refuge regelmässig im Frühjahr ein.
Wir spazieren gemütlich über die charakteristischen hölzernen Bürgersteige der Stadt. Der Weg führt uns vorbei an zahlreichen Souvenirläden und charmanten Gebäuden im Wildwest-Stil. Auffallend ist, dass man die Häuser hier landläufig niedrig baute, um die Strassen nicht zu überschatten und das Bergpanorama wirken zu lassen. Auch wenn der Western-Look stellenweise etwas überzogen wirkt, gefällt uns Jackson für diesen kurzen Halt ausgesprochen gut. Es ist der perfekte Ort, um noch einmal kurz in die Zivilisation einzutauchen, bevor es weiter in die Weiten Wyomings geht.










































































































